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Viertel-Stunde:Dringende Wünsche zum Jubiläum

50 Jahre nach der Gründung von Neuperlach fordern die Bewohner das Einlösen längst gemachter Versprechen ein

Andrea Funks Lieblingsort ist etwas ungewöhnlich. Es ist die Fußgängerbrücke zwischen Altperlach und Neuperlach. Unter dem Übergang brausen Autos und Lastwagen durch; es ist zugig und kalt. Doch wer einmal von der einen zur anderen Seite gelaufen ist, wird schnell merken, warum die Autorin, die für Rundfunk und Theater schreibt,diesen Ort so schätzt. In der einen Richtung liegt das alte Perlach mit seinen Einfamilienhäusern. Gegenüber ist die Trabantenstadt mit ihren Wohnblöcken, erbaut in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Die Brücke verbindet zwei benachbarte Stadtteile, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Neuperlach, das ist die Großsiedlung im Münchner Südosten mit rund 55 000 Einwohnern und hohem Migrantenanteil, die oft als "Problemviertel" wahrgenommen wurde. "So ist es aber schon lange nicht mehr", sagt Funk. Sie selbst lebt seit 15 Jahren hier und zeichnet ein anderes Bild. "Es leben die unterschiedlichsten Menschen hier friedlich miteinander. Das Klima ist überhaupt nicht aufgeheizt." Probleme hat das Viertel dennoch, das weiß auch Funk. Sie zieht dabei Parallelen zur Stadtteilgründung vor 50 Jahren. Denn Neuperlach war europaweit ein städtebauliches Vorzeigeprojekt nach dem Krieg: viel Wohnraum, breite Grünstreifen und wenig Verkehr innerhalb der Siedlung, mit guter Anbindung an den Nahverkehr.

Was Funk jedoch bis heute fehlt, ist ein lebendiges Ortszentrum. "Nach 20 Uhr geht hier gar nichts mehr. Es gibt keine Cafés, Kneipen, Restaurants oder Anlaufpunkte, in denen sich das Alltagsleben abspielen kann", sagt Funk. Und das, obwohl die Stadt solche Angebote seit der Grundsteinlegung versprochen habe. Darunter leide vor allem das Miteinander im Stadtteil. "Jeder lebt einfach für sich." Funk hat darüber mit Anwohnern gesprochen; über ihre Sorgen und Wünsche. Herausgekommen ist das Theaterstück "Planet Neuperlach". Die Premiere wird zum Stadtteiljubiläum im Sommer aufgeführt. "Neuperlach wurde in der Vergangenheit immer etwas stiefmütterlich behandelt. Es wird Zeit, die Dinge einzufordern, die uns versprochen wurden."

© SZ vom 25.02.2017
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