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Viertel-Stunde:Die Villa einer Filmdiva

Margot Hielscher und der Streit um die Wege-Benennung

Eugen Rabold (li.) und Emanuel Rüff vor dem Hielscher-Anwesen.

(Foto: privat)

Erich Kästner und Herbert von Karajan gingen dort ein und aus. Nun steht Margot Hielschers schicker Bungalow samt Grundstück zum Verkauf. Für 25,5 Millionen Euro

Noch steht er, der weiße Bungalow an der Gustav-Freytag-Straße 2. Inmitten alter Bogenhauser Villen und schicker Neubauten in einer der teuersten Gegenden Münchens. Mehr als sechs Jahrzehnte lang lebte hier die Grande Dame des deutschen Films der Nachkriegszeit, die Schauspielerin und Sängerin Margot Hielscher. Sie war eine Ikone, die in 60 Spielfilmen und rund 200 Fernsehproduktionen mitwirkte. Größen wie Erich Kästner oder Herbert von Karajan gingen hier ein und aus. Jetzt aber steht das Grundstück zum Verkauf, für 25,5 Millionen Euro. Als die Wahlmünchnerin 2017 kurz vor ihrem 98. Geburtstag starb, war der Bungalow noch in bestem Zustand. Inzwischen wirkt er verfallen: Bis die Abrissbirne anrückt, ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Emanuel Rüff radelt Tag für Tag an Hielschers Haus vorbei. Lange haben er und sein Onkel Eugen Rabold dafür gekämpft, den Bau zu bewahren. Vergebens. "Wir wollten, dass der Bungalow unter Denkmalschutz gestellt wird", sagt der 26-jährige Student. Die Chancen standen anfangs nicht schlecht, da Hielschers Heim 1953 vom Stararchitekten Paul Stohrer konzipiert wurde und zudem der in München "seltenen Spezies der Gartenhofhäuser" angehört, mit einem Atrium im Römerstil und Pool im Garten, wie der ehemalige Architektur-Professor Rabold weiß. Doch weil Margot Hielscher ihr Anwesen schon zu Lebzeiten an eine Immobilienfirma verkauft hatte und im Gegenzug eine monatliche Leibrente bekam, schnellte nach ihrem Tod der Preis für das Grundstück in die Höhe. "Mit dem Denkmalschutz ging danach nichts mehr", erzählt Rabold.

Rüff und Rabold hatten deshalb eine andere Idee. Wenn schon das Haus nicht mehr an die Künstlerin erinnern könne, sollte es wenigstens der Weg daneben tun. Die beiden stellten deshalb den Antrag, ein Stück der Gustav-Freytag-Straße in Margot-Hielscher-Weg umzubenennen. An diesem unbefestigten Weg gibt es nur die Hausnummer zwei, niemand müsste also seine Adresse ändern. Doch die Stadt lehnte ab. Straßenumbenennungen könnten nur infolge einer historischen Belastung ihrer Namensgeber, etwa im Zusammenhang mit dem NS-Unrechtsregime, vorgenommen werden. Margot Hielschers Name wird dennoch eine Straße in München zieren. Aber am anderen Ende der Stadt: in Lochhausen.

© SZ vom 28.03.2020

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