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Viertel-Stunde:Der Mann hinter den Statuen

Hans Schwegerle

Hans Schwegerle, Selbstporträt.

(Foto: Privat)

Hans Schwegerle hinterließ in München zahlreiche Spuren seines künstlerischen Schaffens - auch zweifelhafte

Von Veronika Ebner

Zu behaupten, Hans Schwegerle sei vor allem für seine Statuen und Medaillen bekannt, ist insofern verkehrt, weil den 1882 in Lübeck geborenen Künstler heutzutage kaum noch jemand kennt. Falls er einigen doch noch ein Begriff ist, liegt es womöglich an der stilisierten Porträt-Büste Goethes - heute am Walchensee zu finden - oder dem steinernen Kopf Thomas Manns. 1931 schuf er eine drei Meter große Christus-Statue für das Kriegerehrenmal in der Stralsunder Nikolaikirche. In Lübeck wurde er geboren, weil sein aus Augsburg stammender Vater, der Hofphotograph Hermann Schwegerle, dort lebte und arbeitete.

Seinen Sohn zog es nach Süden, nach München, wo er studierte. Früh ausgezeichnet, wurde das Mitglied der Künstlervereinigung "Münchner Secession" im Jahre 1910 in Freimann sesshaft, das damals noch nicht zu München gehörte. Schwegerle kaufte dort ein Grundstück und erbaute ein Haus, wo er mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1950 lebte und arbeitete. Anfang der 1920er Jahre folgte ein Ateliersanbau, seit 1993 unter Denkmalschutz. In Freimann sind bis heute Arbeiten von ihm zu sehen. Für die Gastwirtschaft der Gartenstadtsiedlung gestaltete er eine Werbe-Briefmarke, im Eingang der alten Dorfkirche St. Nikolaus ist noch seine Gedächtnistafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Freimanner angebracht, und über dem Haupteingang der Situlischule thront ein von ihm geschaffener Kinderkopf.

Ab 1933 beginnt im Leben des Künstlers ein Abschnitt, der uns heute rückblickend dunkel erscheint: Er tritt der NSDAP bei, verspricht sich davon vielleicht Arbeitsaufträge, die zum Teil auch eintrudeln. Zu seinen Werken zählen nun auch Hitler-Büsten, aber er beginnt zu zweifeln, schon vor Kriegsbeginn. 1938 wird er vorübergehend wegen regimekritischer Aussagen von der Gestapo verhaftet, ohne jedoch wirklich in Ungnade zu fallen. Seine "Führer-Büsten" kommen weiterhin gut an.

Eine Ausstellung über Schwegerles Werk ist noch bis 20. Juni in der Mohr-Villa in Freimann oder online auf der Homepage www.mohr-villa.de zu sehen. Um Anmeldung unter der Adresse treffpunkt@mohr-villa.de wird gebeten.

© SZ vom 12.06.2021
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