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Verkehrsaktion:Riskantes Rechtsabbiegen

Gefahren-Atlas für Radfahrer

Täglich kommt es zu gefährlichen Szenen zwischen Radlern und Autos.

(Foto: Florian Peljak)

Die Polizei bilanziert die Kontrolle von Autofahrern und Radlern an Unfallschwerpunkten

Von Martin Bernstein

Zwei Wochen lang hat die Münchner Polizei sich genau angeschaut, wie Autofahrer und Radler (und auch Fußgänger) sich speziell an den Stellen in der Stadt verhalten, an denen es häufig zu Rechtsabbiegeunfällen kommt. Oder von denen Radler zuvor mitgeteilt hatten, dass dort abbiegende Lastwagen- oder Autofahrer sich besonders wenig um die schwächeren Verkehrsteilnehmer kümmern. Das Ergebnis der Aktion ist zwiespältig.

Zum einen, weil die Beamten tatsächlich mehr als 380 Lkw- oder Pkw-Lenker erwischten, die beim Rechtsabbiegen nicht aufpassten. In 250 Fällen gab es für die Missetäter eine mündliche Verwarnung. 105 Mal wurden Autofahrer mit einem Verwarnungsgeld belegt - etwa wenn sie nicht über die rechte Schulter schauten (10 Euro) oder wenn sie einen vorfahrtsberechtigten Radfahrer behinderten (20 Euro). Es gab aber auch 26 Anzeigen, weil Autofahrer Radler gefährdeten. Das kostete dann 70 Euro und brachte dem Übeltäter einen Punkt in Flensburg ein.

Dennoch ereigneten sich während der Aktion fünf Rechtsabbiegeunfälle in München, der schlimmste an der Ecke Würmtal-/Fürstenrieder Straße. Dort überrollte ein abbiegender Lastwagen die Beine eines Radfahrers. Laut Polizei war ein 69-Jähriger aus dem nördlichen Münchner Landkreis mit seinem Sattelzug auf der Würmtalstraße stadteinwärts unterwegs. An der Kreuzung zur Fürstenrieder Straße wollte er nach rechts abbiegen. Zur gleichen Zeit fuhr ein 78-jähriger Münchner mit seinem Fahrrad auf dem Radweg in Richtung Innenstadt. Der Kraftfahrer bemerkte den Radfahrer nicht und streifte ihn mit dem Sattelauflieger an der linken Schulter, so dass der 78-Jährige auf die Straße stürzte. Am 12. Mai kam es zu einem Abbiegeunfall an einer der von den Münchner Radlern genannten "Top 15" der Gefahrenstellen, an der Ecke Maximilian-/ Steinsdorfstraße.

Wegen anderer Verstöße wurden bei der Aktion mehr als 800 weitere Autofahrer von der Polizei beanstandet - aber auch 3327 Radfahrer und 588 Fußgänger. "Bei den Fahrradfahrern wurde häufig das sogenannte Geisterradeln, also das Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, festgestellt", sagt Michael Reisch, Verkehrsexperte der Münchner Polizei. "Auch die vorschriftswidrige Ausrüstung, das Radeln auf Gehwegen, die Handybenutzung sowie Rotlichtverstöße wurden beanstandet." Fußgänger fielen auf, weil sie auf Radwegen gingen, das Rotlicht der Fußgängerampel missachteten oder weil sie unaufmerksam oder außerhalb der Fußgängerfurten die Fahrbahn überquerten.

Die Polizei kündigte weitere Kontrollen in den nächsten Monaten an. Schließlich passiert jeder siebte Unfall, bei dem ein Radler zu Schaden kommt, weil ein rechts abbiegender Pkw- oder Lkw-Fahrer den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer übersieht.

© SZ vom 24.05.2017
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