bedeckt München 26°

Uschi Obermaier über München:"Mit Mick war es sehr locker und sehr schön"

Wo haben Sie Mick denn immer getroffen?

Wenn die Stones ein Konzert in München gespielt haben, war ich da. Und wir sind auch rumgereist. Aber ich wusste, dass das nie serious wird, was Festes. Ganz im Gegenteil: Wir haben uns von unseren Liebesaffären erzählt. Das war sehr locker und sehr schön.

Wo sind Sie mit den Stones denn in München ausgegangen?

Wir waren eigentlich immer im Hotel. Später dann hat der Mick mich mal ganz toll zum Essen ausgeführt, in die Ismaninger Straße, wo heute die Villa Stuck ist. Da ist diese Statue, wo eine Kämpferin auf dem Pferd sitzt, mit einem Pfeil. Diese Frau begeistert mich bis heute, wie sie da nackt auf dem Pferd sitzt und ganz wild reitet. Bei der Villa Stuck jedenfalls war unten ein Restaurant. Und da bin ich mit dem Mick hin. Da habe ich zum ersten Mal Reiberdatschi mit Kaviar gegessen, das werde ich nie vergessen. Später waren wir in so Clubs wie dem Tiffany's.

Keith Richards und Mick Jagger sollen sich ja regelrecht um Sie geschlagen haben.

Ein Highlight in meinem Leben! Das war in der WG-Küche, da habe ich mit drei Mädchen in der Ismaninger Straße gewohnt, da sagte der Keith zum Mick "Jagger, you go" und Mick: "Nee, ich habe ältere Rechte."

Sie haben die wilden Sixties gelebt, waren Teil der 68er Bewegung, trotzdem waren Sie immer eine Außenseiterin.

Ich war einfach nicht politisch. Dieses ganze 68er-Ding war mir zu duster. Ich habe oft gehört, dass ich zu oberflächlich sei, ich wolle nur Spaß haben - und das stimmt.

Wie lange waren Sie denn in München?

Ich ging 1973, da hatte ich drei Männer gleichzeitig. Den Mick, den Keith und den Bockhorn. Das war toll.

Dieter Bockhorn war in Hamburg, die anderen beiden fast immer auf Tour . . .

Das waren tolle Jahre. Ich habe da auch nichts verheimlicht. Das war einfach die Zeit, man war sehr promiskuös.

Was war denn Ihre schönste Zeit in München?

Das war die Zeit mit den Mädels in der WG. Da lief es als Fotomodell super, und in der WG ging es richtig ab. Keith war oft da und Mick. Der ist aus Versehen mal in das Zimmer meiner Freundin gelaufen. Wobei ich ja glaube, dass das kein Versehen war . . .

Warum sind Sie dann aus München weg?

Wegen Bockhorn. Ich hatte aber noch lange mein Zimmer hier. Bockhorn und ich haben uns ja oft gefetzt, dann bin ich mit all meinen Koffern zurück - und als ich dann in München ankam, hatten wir uns schon lang wieder versöhnt.

Bereuen Sie es, später komplett aus München weggegangen zu sein?

Nein, ich wollte ja in die Welt hinaus.

Weil es so viele Klischees über Sie gibt, Frau Obermaier: Welche der folgenden Labels für Sie ist besonders gelungen? Sagt Ihnen die "Ikone der 68er" zu?

Ach, Ikone. Ich sag' nicht nein, wenn die anderen das so sehen, bittschön, aber ich sehe mich anders.

Als "Busen der Revolution"?

Mmh. Vielleicht - damals wollte ich eben anders sein als die verschämten Playboy-Mädchen. Dazu stehen, wie man ist, das fand ich toll! Wir waren ja auch beim Baden an der Isar immer nackt.

Noch ein Label, das Ihnen Rainer Langhans verpasst hat: Lustautomat.

Oh ja, das ist aber sein Problem, muss ich jetzt doch mal sagen.

"Münchens wildester Teenager"?

Aber ja! Wo es krachen konnte, hat es gekracht - und ich habe alles mitgemacht.

Bildstrecke

Wild und sexy - Uschi Obermaier