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Uschi Obermaier über München:"Ich wollte immer schon dorthin, wo was los ist"

Damals war die Leopoldstraße ja der Mittelpunkt Münchens.

Uschi Obermaier

Ihr Leben wird im Kinofilm "8 Miles high, Das wilde Leben" nacherzählt: Uschi Obermaier im Jahr 2007.

(Foto: dpa)

Jetzt ist leider alles sehr kommerziell. Aber früher, da haben die Künstler abends ihre Bilder ausgestellt. Man hat auf der Straße die Leute gesehen - und man wusste, der ist von meinem Stamm, von meinem tribe. Man hat das gesehen, wie die angezogen waren, am Haarstil. Da war was los, und ich wollte immer schon dorthin, wo was los, wo es bunt war.

Sie haben damals eher nachts gelebt. Wie haben Sie es geschafft, dass Sie trotzdem gut aussahen?

Ich hatte immer genug Selbstliebe. Ich habe zwar sämtliche Drogen irgendwann mal ausprobiert, aber ich wurde damals ja regelmäßig für Fotoshootings gebucht. Und ich habe mir gedacht, wenn die so viel Geld zahlen, dann haben die das Recht, mich in guter Verfassung zu kriegen.

Was hat man denn damals verdient?

Zu meiner Zeit hießen Models 1000-Mark-Mädchen, weil man 1000 Mark pro Tag bekommen hat. Heute ist das nichts, aber damals war das viel.

Sie waren ohnehin kein 1000-Mark-Mädchen, sondern das 1200-Mark-Mädchen - das bestbezahlte Model der Bundesrepublik.

Ich war kein Model. Ich habe mich nur fotografieren lassen. Wenn man mir damals einen Job angeboten hat und war es ein schöner Tag, dann habe ich den Job nicht gemacht. Wir sind zur Isar und sind zum Baden gegangen, das war mir mehr wert. Ich sah gar nicht so gut aus, aber dadurch, dass ich mich rar gemacht habe, wurde ich erst richtig interessant.

Sie beschreiben in Ihrer Autobiografie seitenlang Ihren Vater. Was war er für ein Typ?

Das war ein Gott. Ich war verliebt in meinen Vater. Er sah supergut aus, er war eine Münchner Figur, aber schon ein bisschen higher class, so vom Stil her. Und dann hatte er die tollsten Frauen. Er hat sich nie um mich gekümmert - nur um diese tollen Frauen. Das war ein Ansporn für mich, auch eine tolle Frau zu werden.

Sie wurden zum Gesicht der 68er. Die Fotos von Ihnen und Rainer Langhans in der Kommune I haben Sie zum Schwarm einer ganzen Generation gemacht. Wie sind Sie überhaupt in diese Clique hineingeraten?

In Schwabing habe ich damals zum ersten Mal Amon Düül spielen gehört.

Die Krautrock-Band?

Genau die. Ich dachte ja bis dahin, nur ausländische Musik ist gut, aber die waren wirklich super. Ich hab' mich schwer in die Gruppe verliebt und hab' dann mit denen in einer Kommune zusammengelebt. Und dann gab es das erste Pop-Festival in Essen, da sind wir hin - und da hab' ich Rainer Langhans und seine Gruppe kennen gelernt. Und ich habe mich sofort verliebt.

Warum eigentlich?

Der hatte die wildesten Haare und eine sanfte Art, wie ein Engel. Vor allem hat mich sehr beeindruckt, wie klug er war, der wusste so viel. Amon Düül hat dann 'nen Schallplattenvertrag bekommen, und wir sollten nach Berlin, das hat natürlich wunderbar in mein Programm gepasst. Da konnte ich den Rainer wiedersehen - und ich bin bei ihm geblieben. Ich bin gar nicht mehr zurück nach München. Meine arme Mutter musste all meine Klamotten aus der Amon-Düül-Kommune rausholen.

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Wild und sexy - Uschi Obermaier