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SZ-Serie: Bühne? Frei!:Gemeinsam verantwortlich

Uschi Glas in München, 2017

Uschi Glas, 76, ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert steht sie vor der Kamera, zuletzt in "Max und die Wilde 7".

(Foto: Catherina Hess)

Kultur-Lockdown, Tag 53: Die Schauspielerin appelliert an die Vernunft

Gastbeitrag von Uschi Glas

Lassen Sie mich kurz zurückblicken: Vor einem Jahr saßen meine Kinder, deren Partner, mein Mann und ich harmonisch zu Weihnachten zusammen. Es war schön, wir ahnten nicht, dass das beim nächsten Mal so nicht möglich sein würde. Und als wir dann in der vergangenen Silvesternacht auf das nun zu Ende gehende Jahr angestoßen haben, konnten wir uns nicht vorstellen, wie schwierig es werden würde. 2020 - das klang so schön rund. Doch es lief unrund. Und es wird wohl noch eine Weile so weitergehen.

Wie gern hätte ich in meinen Wünschen an Sie für ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes, besseres neues Jahr Corona außen vorgelassen. Aber das geht nicht. Denn leider dominiert die Pandemie alles - auch unsere Feiern zu Weihnachten und Silvester. Mein Mann und ich mussten komplett umplanen. Es gibt keine große Feier, nur den kleinen Familienkreis. Wir halten uns an die von der Politik erlassenen Maßnahmen. Denn wir wollen dieses Tal schnell durchschreiten. Das geht nur, wenn wir alle gegen das Virus zusammenhalten.

Demokratie heißt Verantwortung zu übernehmen, für uns und für andere. Wir wollen keinen Polizeistaat, in dem die Beamten an Heiligabend an die Tür klopfen, um zu überprüfen, wie viele um den Weihnachtsbaum herumsitzen. Gerade deswegen sollten wir vernünftig und eigenverantwortlich handeln. Verantwortung bedeutet auch Disziplin und nicht, heimlich Regeln zu brechen. Natürlich ist das nicht einfach. Aber wenn wir uns beklagen, sollten wir an unsere Eltern und Großeltern denken. Die haben zwei Weltkriege, die Inflation und ein zerbombtes Land erlebt. Was waren das für Weihnachten? Auch ein Blick über die Grenzen hilft zu sehen, dass es uns noch relativ gut ergeht. Woanders in Europa sind die Maßnahmen teils nicht weniger scharf. Und auf anderen Kontinenten gibt es kein Sozialsystem, kein Kurzarbeitergeld und auch keine Soforthilfen. Vielleicht müssen wir noch bis zum Frühjahr durchhalten, aber mithilfe unserer Disziplin, wärmerer Temperaturen und des Impfstoffes können wir dann wieder freier leben.

Wichtig ist, dass die Schulen nach den Ferien wieder öffnen können. Nach dem ersten Lockdown kehrten gerade Kinder aus prekären Verhältnissen sozial auffällig und aggressiv in den Unterricht zurück. Wir helfen ihnen mit unserem Verein "brotZeit", indem wir ihnen ein Frühstück und - so gut es unter den Corona-Maßnahmen geht - menschliche Wärme schenken. Aber auch mit unserer Eigenverantwortung können wir sie unterstützen, damit sie wieder zur Schule gehen können. Wir sind zuversichtlich, dass das gelingen kann. Dann können wir in der nächsten Adventszeit über ein erfreulicheres Thema sprechen und im Kreise all unserer Lieben Weihnachten feiern. Das wünschen ich Ihnen und uns allen.

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© SZ vom 24.12.2020
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