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Unterricht:Skateboards und BMX-Räder erobern den Schulsport

Veralteter Skater Park am Olympiapark , am Brunddageplatz(U3),Skater Wokshop-erfahrene Skater dürfen Ihre Wünsche,Vorschläge für den Umbau des Skaterparks beim Baureferat vortragen, Foto : Modelle werden gebaut ,4.Mai 2017, Foto : C : Stephan Rumpf

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Stadt hat drei Jahre lang Projekte gefördert, die Jugendliche unkonventionell dazu motivieren sollen, Sport zu treiben.
  • Im Schulsport konnten Kinder so Skateboard, Mountainbiken, Klettern oder Surfen ausprobieren.
  • Der Bildungsausschuss des Stadtrats hat das Programm nun verlängert. Kostenpunkt: eine halbe Million Euro.

Immer in der Turnhalle, immer auf dem Sportplatz. "Ist doch langweilig. Ich finde es cool, etwas Neues auszuprobieren." Das ist jetzt kein Schülerspruch, die Ansage kommt von einer Lehrerin. Kerstin Rahm hat selbst Sport studiert und unterrichtet darin die Grundschüler an der Flurstraße in Haidhausen. Vier Wochen lang nahm sie dazu im vergangenen Jahr zwei Stunden pro Woche das Skateboard ihres Sohnes mit. Sie reihte sich bei den Schülern ein; das Lehren der Tricks und des Fahrens mit dem Board übernahmen die Profis vom gemeinnützigen Verein High Five.

Auch die Schüler fanden es toll, mit den jungen Coaches rüber in den benachbarten Hypopark zu gehen statt in die Turnhalle. Sie kehrten den Dreck von den Rampen und legten los, "hoch motiviert", wie ihre Lehrerin feststellte. So sehr, dass einige am Nachmittag freiwillig weiter trainierten. Ingrid Gasser von High Five erfährt an solchen Tagen immer wieder, dass die Kinder die Freiheiten bei den Trendsportarten fernab starrer Abläufe genießen. Das Fahren mit den Skateboards fördere nicht nur die körperliche Geschicklichkeit, sondern auch die Kreativität, sagt Gasser. "Sie können selbst überlegen, wie und mit welchem Trick sie ein Hindernis bewältigen."

Schulsport

Trendsportstadt München

Diese Unabhängigkeit schätzten gerade auch Jugendliche in ihrer Freizeit, was ein Grund für den Boom der Trendsportarten sei. "Sie können selbst bestimmen, wann sie was machen. Vorgegebene Trainingszeiten passen oft nicht mehr in den ohnehin schon vollen Tagesplan." Schon so mancher Teilnehmer an den Schulprogrammen soll sich nach den Actionwochen ein eigenes Board gewünscht haben.

Damit hätte ein solcher Ausflug in den Trendsport alles erreicht, was sich das städtische Bildungsreferat zum Ziel gesetzt hat: unkonventionell die Kinder zu motivieren, Sport zu treiben. Drei Jahre lang wurden entsprechende Projekte gefördert - mit Erfolg. Das wird nun verlängert: Der Bildungsausschuss des Stadtrats hat nun fast eine halbe Million Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung gestellt. Damit werden Programme an den Schulen, aber auch im Ferienangebot der Stadt finanziert.

Auch BMX-Fahren, Mountainbiken, Klettern oder Surfen sind dabei Thema. Doch nicht nur Jugendliche gehen unkonventionelle Wege: Erwachsene verlegen ihr Fitnessprogramm zum Beispiel aus dem Studio in den öffentlichen Raum. Calisthenics heißt der Trend, den Körper durch Übungen an vielen verschiedenen Stangen fit zu halten.

Wie sehr Action außerhalb der althergebrachten Strukturen boomt, zeigen die jüngsten Schätzungen der Stadt: Etwa 6000 Skater stehen regelmäßig auf dem Board. Auch die Freestyle-Biker werden immer mehr, etwa 2500 üben regelmäßig Kunststücke auf zwei Rädern. Und gut 1000 Münchner versuchen draußen in Parks, an Plätzen oder auf den Straßen, sich möglichst lässig und spektakulär fortzubewegen, coole Runs hinzulegen, wie sie sagen. Parkour heißt dieser Sport, der turnerische Geschicklichkeit in ein natürliches Umfeld ohne Regeln oder Vorschriften verlegt.

Andreas Ruby war einer der ersten in Deutschland, der sich davon begeistern ließ. Er kam vom Wettkampf-Turnen, empfand das harte Training und die strikten Vorgaben als "militaristisch". Sich ästhetisch zu bewegen, sich in der Luft zu drehen, sei eine natürliche Faszination sagt er, beim Snowboarden, bei den Skatern wie auch beim Parkour. Am liebsten aber ohne Trainer und Juroren, die einem erklären, wie man sich zu drehen hat. Um seinen Sport zu etablieren, hat Ruby sogar den Verein Fam München gegründet, der mittlerweile 700 Mitglieder hat. Tendenz: steigend. Das Engagement der Trendsportler in den Ferienprogrammen und an den Schulen zahlt sich aus.

Wie sehr, hat auch Angela Ilmberger erfahren, die Leiterin der Mittelschule an der Albert-Schweitzer-Straße in Neuperlach. Bei ihr waren "die sehr hippen und sehr coolen" Skateboarder des ebenfalls von der Stadt geförderten Vereins Gorilla zu Gast. Das Ergebnis: "100 Kinder, die einen Tag lang nur glücklich sind."

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