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Überfälle auf Bäckereien:Unter Drogen auf Raubzug

Sechs Überfälle in acht Tagen: Ein 19-jähriger Dachauer muss sich nun wegen schweren Raubs und räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten.

Dachau Käme jemand auf die Idee, die Überfälle in einem Kurzfilm zusammenzuschneiden, sähe dieser Streifen so aus, als würde die selbe Szene wieder und wieder und wieder gezeigt: Ein maskierter Räuber stürmt in aller Frühe in eine Bäckerei, bedroht die Verkäuferin mit einem Messer und verlangt Geld. Mit der Beute in einem Gefrierbeutel flüchtet er. Sechs Überfälle in nur acht Tagen hat ein 19-jähriger Dachauer im Februar 2009 in diesem Stil verübt. Wegen schweren Raubs und räuberischer Erpressung steht er seit gestern vor dem Landgericht München II.

Sechs Überfälle in nur acht Tagen: Ein 19-jähriger Dachauer muss sich nun vor Gericht verantworten.

(Foto: Foto: ap)

Der arbeitslose Mann überfiel zwischen dem 19. und 23. Februar zwei Bäckereien in Karlsfeld, eine in Maisach und eine in München. Vermummt mit einem Tuch, einer Brille und einer Kapuze, erschien er jeweils kurz nach Ladenöffnung, schüchterte mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser die Angestellte ein und erbeutete in der Regel zwischen 150 und 200 Euro. Mit den Bäckereien ließ es der Dachauer nicht bewenden. Am 24. Februar stürmte er kurz vor 21 Uhr in ein Schnellrestaurant in Dachau, bedrohte den Angestellten ebenfalls mit dem Messer und nahm 380 Euro mit. Zwei Tage später überfiel er kurz nach 23 Uhr eine Tankstelle in Karlsfeld auf die gleiche Weise, diesmal fielen ihm gut 600 Euro in die Hände.

Mit dem Geld zahlte der 19-Jährige einen Teil seiner Schulden aus Drogenkäufen ab. Wie er vor Gericht erzählte, habe er vor den Taten meist nicht geschlafen und Speed genommen. Nach dem ersten Coup habe er "gedacht, das klappt ja" und mit den Raubzügen weitergemacht. Nach Maisach und München wich er aus, weil ihm der Boden in Karlsfeld zu heiß geworden war. Vom Wechsel von Backstuben zu Schnellrestaurant und Tankstelle versprach er sich mehr Beute. Die Perspektiven des 19-Jährigen sehen trübe aus. Er hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung. Seine Drogenlaufbahn begann nach dem Tod der Mutter vor vier Jahren. 2007 musste er sich wegen Kleindelikten verantworten und kam ins Berufsbildungswerk St. Franziskus Abensberg - eine sogenannte U-Haft-Vermeidungsmaßnahme. Dort nahm er an einer Ausbildung zum Beikoch teil, flog aber wegen Tabletten- und Alkoholproblemen raus.

Bei den Verkäuferinnen, die als Zeuginnen geladen waren, entschuldigte er sich gestern mit leiser Stimme. Eine 61-jährige Angestellte erwiderte, der Angeklagte habe ihr "einen Schock fürs Leben gegeben". Der Prozess wird fortgesetzt.