Trampolin Große Sprünge

In der Halle des Landesleistungszentrums des Bayerischen Turnverbands in Sendling können am Wochenende auch Freizeitsportler trainieren.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In wenigen Wochen eröffnet die erste Freizeit-Trampolinhalle in München. Doch hüpfen kann man in der Stadt jetzt schon

Von Katharina Hamel

Jonas Wickelmaier bereitet sich auf seinen Abgang vor. Mit jedem Sprung kommt er dem Rand des knapp anderthalb Meter hohen Trampolins ein Stück näher. Der 14-Jährige lässt sich vom Netz ein letztes Mal zwei, drei Meter in die Höhe katapultieren. Er wirbelt durch die Luft, seine Arme und Beine flattern umher. Jonas kann jetzt nicht mehr auf dem Trampolin landen - Sekunden später versinkt er in einer Grube mit Tausenden Schaumstoffwürfeln. Nicht mal mehr sein Haarschopf ist zu sehen. "Tut überhaupt nicht weh", sagt Jonas begeistert, als er wieder auftaucht und sich seinen Weg aus der Schnitzelgrube gräbt.

In der Halle des Landesleistungszentrums München in Sendling üben eigentlich die Profi-Sportler des Bayerischen Turnverbands für ihre nächsten Wettkämpfe und Meisterschaften. Seit vier Jahren können jedoch auch Freizeitsportler einmal die Woche für zwei Stunden die Geräte nutzen.

Verantwortlich dafür ist der ehemalige Kunstturner und Trampolinspringer Daniel Millet. "Ich fand es schade, dass die Sportgeräte der Profis am Wochenende unbenutzt in der Halle stehen", sagt der 26-Jährige. "Dafür macht Trampolinspringen viel zu viel Spaß." Im Internet können sich Kinder für 18 bis 20 Euro und Erwachsene für 22 Euro beim offenen Training anmelden. Je nach Belegung der Halle findet der Termin am Samstag oder Sonntag statt.

Mindestens zwei ausgebildete Trampolintrainer beaufsichtigen die maximal 15 Hobby-Springer, die abwechselnd auf fünf Trampolinen hüpfen. Strecksprung, Rückensprung, Vorwärtssalto, Rückwärtssalto - die Betreuer geben Tipps zur richtigen Körperhaltung und zeigen neue Sprünge. Das Konzept kommt an: "Wir haben meistens mehr Anmeldungen als Plätze verfügbar", sagt Millet.

Immer mehr Menschen entdecken das Trampolinspringen für sich. Gartentrampoline sind seit Jahren beliebte Spielgeräte für Kinder und Sportkurse auf Mini-Trampolinen haben Einzug in die Fitnessstudios gehalten. Nun kommt ein weiterer Trend von Amerika nach Deutschland: Seit 2014 öffnen auch hierzulande nach und nach riesige Trampolinhallen ihre Pforten. Mehr als zehn sind es bundesweit bisher. Ende Juni soll es auch in München soweit sein. Das britische Unternehmen "Air Hop" eröffnet die erste Trampolinhalle in Bayern, weitere in Augsburg, Nürnberg und Regensburg sollen folgen.

An der Ingolstädter Straße im Münchner Norden könnten dann auf 3400 Quadratmetern bis zu 150 Personen gleichzeitig springen, sagt Michael Jung, einer der Geschäftsführer von Air Hop. Im Fokus steht aber nicht allein das Springen. Verschiedene Geschicklichkeits- und Mannschaftsspiele sollen den Spaßfaktor erhöhen. Auf vier federnden Bahnen können die Sportler beispielsweise Körbe nach dem Vorbild des legendären Michael "Air" Jordan werfen.

Ein weiches Spielfeld steht für Dodgeball zur Verfügung, einer in Amerika sehr beliebten Variante des Völkerballs. Auf einem Balken können Zweikämpfe ausgefochten werden. Wer von seinem Gegner runtergestoßen wird, landet weich in der Schnitzelgrube. Das Angebot weckt Erinnerungen an einen großen Indoor-Spielplatz auf federndem Grund.

Die Freizeitsportler können neue Sprünge lernen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Man muss fürs Trampolinspringen keine Vorkenntnisse haben", erklärt Jung den weltweiten Erfolg der Trampolinhallen. "Viele Leute schätzen es, dass sie weder eine zusätzliche Ausrüstung benötigen noch eine dauerhafte Mitgliedschaft im Sportverein." Eine Stunde Springvergnügen kostet zwölf Euro. Dazu müssen die Sportler beim ersten Besuch spezielle Anti-Rutsch-Socken für zwei Euro kaufen.

Damit keine Unfälle passieren, ist die Sprungkraft auf den Trampolinen jedoch begrenzt. Die Besucher können nur etwa zwei Meter hoch hüpfen. Zusätzlich achteten Sicherheitsleute darauf, dass sich alle an die Regeln halten, sagt Jung. Richtige Trampolintrainer soll es dagegen nicht geben.

"Das ist schlecht", findet Daniel Millet. In den USA hat er eine solche Halle schon mal besucht. "Die Kids machen, was sie wollen", kritisiert der Ex-Turner, der heute in der IT-Branche arbeitet. "Das bringt den Sport nicht voran." Ein neues Sportzentrum, das "Gravity Lab", das im Juli in Sendling eröffnen soll, will es anders machen: Münchens erste Halle für Freestyle-Sport will Kindern, aber auch Profis die Möglichkeit bieten, Sportarten wie BMX, Parkour und Klettern unter professionellen Bedingungen in der Halle zu trainieren. Auch eine Trampolinlandschaft soll es geben.

Das könnte ein interessantes Angebot für Raphik Shahmirian sein. Beim offenen Trampolintraining in Sendling schnallt sich der 45-Jährige ein blaues Snowboard mit weicher Unterfläche an die Füße. Dann robbt er aufs Trampolin, stellt sich auf und beginnt zu wippen. Gerade übt er den "Tame Dog", einen seitlichen Salto, der seine Tücken hat: "Anders als beim Vorwärts- oder Rückwärtssalto springt man nicht mit der Bewegung, sondern lenkt den Körper in eine andere Richtung", erklärt er.

Shahmirian ist vor zwei Jahren über seine Tochter zum Trampolinspringen gekommen. Die heute Achtjährige feierte damals ihren Kinder-Geburtstag in der Trampolinhalle. "Trampolinspringen gibt einem ein Freiheitsgefühl", findet Shahmirian. "Man hat das Gefühl zu fliegen." Er nutzt das freie Training, um neue Tricks fürs Snowboarden einzuüben und sich fürs Windsurfen fit zu halten.

Hier sei er nicht auf gutes Wetter oder viel Schnee angewiesen, sagt er. Und noch einen Vorteil hat das Hallen-Training auf elastischem Boden: "Hier kann ich Sprünge ausprobieren, auf der Piste tut's weh."

Anmeldung zum Trampolinspringen in der Halle des Landesleistungszentrums München an der Höglwörther Straße unter www.trampolin.pro. Eine Freiluft-Trampolinanlage steht im Münchner Olympiapark, Informationen unter www.trampolin4you.de. Infos zur neuen Airhop-Halle gibt es unter www.airhoppark.de/muenchen.