Tauchkurs an ungewöhnlichem Ort:Tiefenrausch in der Krautfabrik

Tauchkurs an ungewöhnlichem Ort: Alles in Ordnung: Unter Wasser verständigen sich Taucher mit Handzeichen.

Alles in Ordnung: Unter Wasser verständigen sich Taucher mit Handzeichen.

(Foto: Renate Schmidt)

Wo früher Sauerkraut gegoren hat, lernen Anfänger in großen, gefliesten Becken das Tauchen. Und das ist gar nicht so einfach: Vor lauter Aufregung kann man beim ersten Tauchgang das Ein- und Ausatmen schon mal vergessen.

Von Karoline Meta Beisel

Wenn nur das Wasser nicht wäre. Auf dem Trockenen ist Atmen ja leicht. Einatmen, Ausatmen, Einatmen, Ausatmen - nur eben durch das dicke schwarze Mundstück. Beim Einatmen macht es erst ein dumpfes Klick-Geräusch, dann hört man laut jeden Atemstoß. Wie im Operationssaal, wenn ein Narkose-Patient beatmet wird. Oder wie bei Darth Vader, dem Bösewicht aus den Star-Wars-Filmen. Hier unten, in einem gekachelten Keller in Aufkirchen, muss niemand dieses Geräusch fürchten - zur Not spuckt man das Mundstück halt wieder aus und atmet die Luft, die einen umgibt. Das Gruselige ist nur: In ein paar Minuten wird das nicht mehr gehen.

Wer in Thailand lebt oder in Indonesien, der hat es leicht. Mit dem Meer voller Fische vor der Haustür findet man schnell heraus, ob man sich zum Taucher eignet oder nicht. Für Münchner liegt die Sache anders. In der Umgebung gibt es zwar viele Seen, in denen man tauchen kann, selbst jetzt im Herbst und sogar im Winter. Aber erstens weiß das nicht jeder, und zweitens ist so ein kalter See nicht unbedingt die einladendste Umgebung für die ersten Atemzüge unter Wasser. Wer sich also ganz vorsichtig herantasten will an das Abenteuer Tauchen, dem bleibt eigentlich nur der Gang in die Sauerkrautfabrik.

Es riecht nach Chlor. Keine Spur mehr von Sauerkraut

Früher wurde in Aufkirchen bei Erding Sauerkraut hergestellt. In riesigen, gefliesten Becken musste das Kraut gären. Aber 1999 hat Klaus Egger die Fabrik seines Großvaters in ein Indoor-Tauchzentrum umgebaut. Heute erinnert nichts mehr an die Krautfabrik, auch nicht der Geruch: Es riecht nach Chlor, genau wie im Schwimmbad, und es sieht auch so aus. Nur dass die Becken tiefer sind, etwa fünf Meter, und nirgendwo ein Bademeister zu sehen ist. In die Tanks darf sowieso nur hinein, wer schon tauchen kann oder einen Tauchlehrer dabei hat.

Im Geräteraum erklärt Maik Wiedemann seinen Schnupperkurs-Teilnehmern die Regeln, warum der Druck, den das Wasser in der Tiefe ausübt, gefährlich sein kann und wie man ihn ausgleicht. Die schwarzen Taucheranzüge haben da alle schon an - es ist ein heiteres Ziehen und Hüpfen und Springen, bis alle Reißverschlüsse geschlossen sind. Die wichtigste Regel lautet: Halte niemals den Atem an! Eigentlich naheliegend, wer will schon nicht atmen? Andererseits kostet gerade das nicht wenige Menschen Überwindung: Atmen, wenn der Kopf unter Wasser liegt.

Die Ausrüstung wiegt knapp 20 Kilo

Auf dem Trockenen lässt sich diese Scheu aber nur schlecht bekämpfen. Nachdem auch die Flaschen, Schläuche und Anzeigen erklärt sind, geht es also wirklich los. Das heißt: rüber zu den Tanks. Ganz schön mühsam, mit knapp 20 Kilo Ausrüstung auf dem Rücken. Aber bald sitzen alle auf der niedrigen Mauer, die sie jetzt noch vom ersten Tauchgang trennt.

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