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Szene-Kolumne:Wo die wilden Cowgirls reiten

Was in New York früher das Studio 54 war, will heute in München die Ruby Bar sein. Zumindest gibt es in der Mitte der gerade sehr angesagten Abriss-Location auch ein Pferd, auf dem sich hübsche Mädels schon mal einen wilden Ritt liefern.

Auf dem Pferd sitzt eine attraktive Brünette mit langen Beinen und wenig Kleidung. Sie gibt lasziv räkelnd das Cowgirl, wirft ihre lange Mähne kokett in den Nacken, schleudert ein imaginäres Lasso in das Grüppchen mit den Jungs, die sie mit lauten Hey-Ho-Rufen anfeuern.

Ruby Bar

Objekt der Begierde in der Ruby Bar: das rote Pferd.

(Foto: Beate Wild)

Nein, es handelt sich hier nicht um eine Nachfahrin von Bianca Jagger, die seinerzeit in den legendären New Yorker Club 54 auf einem Schimmel einritt. Das Szenario spielt auch nicht in einem Strip-Club im Münchner Sperrbezirk. Wir befinden uns mitten im Glockenbachviertel, genauer gesagt in der Ruby Bar, weshalb die Brünette letztendlich die Hüllen doch nicht fallen lässt, auch wenn es nichts gibt, was sich die Jungs in dieser Nacht mehr wünschten.

Es ist heiß und voll in der Ruby Bar, die ihre besten Wochen vor sich hat. Das Besondere: Es gibt sie nur für zwei Monate, danach wird das Gebäude abgerissen. Früher war hier das italienische Restaurant Santini. Statt Spaghetti Vongole bekommt man jetzt Electro-Sound serviert. Die Rubybar ist ein Projekt von Robinson Kuhlmann (Robinsons Bar), Robi Gränitz (Hey Luigi) und Gomma-Labelchef Mathias "Munk" Modica. Bevor der Flachbau an der Reichenbachbrücke endgültig dem Erdboden gleich gemacht wird, wollen Münchens Hipster die Location zwei Monate lang rocken, immer freitags und samstags. An den Plattentellern stehen lokale DJ-Größen wie Marvin & Valentino, Kill the Tills, Benny Röder und Mathias Modica selbst.

Die Ruby Bar ist in München auch keine Unbekannte. Vor neun Jahren gab es die erste Version der Interimslocation, und zwar am Jakobsplatz, wo heute das "Yum2Take" thailändisches Öko-Essen verkauft. Seither ist das Konzept Ruby Bar alle paar Jahre woanders aufgetaucht. Jedes Mal mit Riesenerfolg, denn - so sind die Münchner nun einmal - was nur für kurze Zeit verfügbar ist, ist gleich tausendmal interessanter als ein Club, in den man dauernd gehen kann.

Das rote Pferd in der Mitte der Bar hat der Abriss-Location an der Reichenbachbrücke den Beinamen "Jockeyclub" eingebracht - und ist die Attraktion des Abends. Immer wieder schwingen sich Partygäste auf das hohe Ross. Je später der Abend, desto wilder die Ritte. Fühlt sich fast ein bisschen so an, als wäre man im Studio 54. Fehlt bloß noch Andy Warhol.