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Studieren mit Kind:Physikum und Babybrei

Fachbuch und Schnuller: Medizinstudentin Isabelle von Hauff mit ihrer kleinen Tochter Eluna.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Rund 2000 Studenten an der LMU sind Vater oder Mutter. Bei Dozenten stoßen sie nicht immer auf Verständnis. Dabei sei eine Ausbildung an der Uni kein schlechter Zeitpunkt für Nachwuchs, findet eine Studienberaterin.

Ihre ersten zwei Semester hat Isabelle von Hauff in eher schlechter Erinnerung. Mit einem Studienplatz für ihr Traumfach Humanmedizin hatte es nicht geklappt, aber sie konnte immerhin mit Zahnmedizin anfangen. Das war auch nicht das Problem. Das Problem für sie war die Atmosphäre, auf die sie damals vor drei Jahren in der Uni traf. Sie erinnert sich an ein "sehr unschönes" Gespräch mit dem Studiendekan. "Er gilt als sehr konservativ. Er wollte nur Vollzeitstudenten, alles andere war nicht geduldet", erzählt Hauff. Sie aber konnte nicht Vollzeit studieren, denn sie hatte ein Jahr zuvor ihre Tochter Lilia auf die Welt gebracht. Es war ein zäher Kampf gegen viele Widerstände.

Hildegard Adam kennt die Geschichte von Isabelle von Hauff und dem Studiendekan der Zahnmedizin, der sich zu dem Thema auf Anfrage nicht äußerte. Und sie kennt viele weitere Geschichten. Adam leitet seit 1997 die Beratungsstelle "Studieren mit Kind" an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Auch Hauff hat dort Rat gesucht. Ursprünglich arbeitete Adam in der klassischen Studienberatung. "Wir bekamen aber häufig die Rückmeldung von Studenten mit Kind, dass sie sich diskriminiert fühlten", sagt Adam. "Damals gab es in der Verwaltung und bei Dozenten teils noch wenig Bewusstsein für das Thema."

Adam erinnert sich auch noch gut an einen ersten Erfolg, nachdem sie damit betraut worden war, die LMU besser auf die Bedürfnisse studierender Eltern einzustellen: "Ende der Neunzigerjahre bekamen wir endlich einen Eltern-Kind-Raum im LMU-Hauptgebäude." Es gibt ihn bis heute, im hinteren Teil Richtung Amalienstraße. Zugänglich ist er mit einem Code, drinnen gibt es Spielzeug, einen Wickeltisch, aber auch Platz, am Laptop zu arbeiten - wenn zum Beispiel einmal eine Lücke im Stundenplan zu überbrücken ist.

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Ein Studium in der Prüfungsphase ist anstrengend. Ein kleines Kind alleine zu erziehen, auch. Wer beides gleichzeitig bewältigen muss, braucht nicht nur Nerven und finanzielle Unterstützung, sondern auch Mut. All das können alleinerziehende Studenten mit speziellen Stipendien finden.

2000 LMU-Studenten haben Kinder

Die Zielgruppe, die Adam mit ihrer Arbeit anspricht, ist ziemlich groß: Gut 50 000 Studenten hat die LMU, etwa 2000 davon haben bereits eines oder mehrere Kinder. Und von den übrigen 48 000 überlegen einige, ob es vielleicht der richtige Zeitpunkt wäre, eine Familie zu gründen. Hildegard Adam findet grundsätzlich: Ja. "Und wir versuchen, das ins Bewusstsein der Uni hineinzubringen."

Isabelle von Hauff, 24, hat sich mit vielen Ärzten unterhalten, die im Beruf stehen, und sie ist überzeugt: Wenn die Rahmenbedingungen einigermaßen passen, ist es im Studium einfacher, Kinder zu bekommen. Zu dieser Einschätzung kommt sie auch, weil das Problem mit der Zahnmedizin inzwischen hinter ihr liegt. Nach zwei Semestern bekam sie den ersehnten Studienplatz für Humanmedizin. "Auch da musste man sich durchschlängeln, man musste zum Beispiel schauen, dass man in die Vormittagskurse reinkommt", sagt Hauff, aber das Klima sei deutlich familienfreundlicher gewesen.

Das ändert nichts daran, dass studierende Eltern dieselben Anforderungen erfüllen müssen wie ihre Kommilitonen ohne Kind. Besonders hart sei die Zeit vor dem Physikum gewesen, erzählt Hauff. Da gab es ein paar Monate, in denen sie längst nicht so viel Aufmerksamkeit für ihre Tochter hatte, wie sie es sich wünschte. "Da hat man sich auch Vorwürfe gemacht." Ihr Freund Tom Thomametz, 24, steckte in dieser Zeit mit seinem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität (TU) etwas zurück.

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