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Studentenproteste in München:Zeltlager statt Hörsaal

Die Protestwoche der LMU-Studenten hat begonnen: Mit einem Bildungscamp rund um den Brunnen vor der Uni protestieren die Studenten gegen Studiengebühren und für bessere Lernbedingungen.

Gemessen an den Knoblauchvorräten muss die sogenannte "Volxküche" mit einem Massenansturm rechnen. Ein gutes Dutzend Knollen liegt in dem Karton, in dem auch Flaschen mit Essig und Öl stehen. Es ist bald Mittag, und am Tisch unter dem offenen Zeltdach schneidet einer der Solidaritätsköche Kräuter mit dem Wiegemesser, alles in XXL-Portionen. "Ohne Mampf kein Kampf" verheißt die Wandzeitung, somit ist klar: Wer das Bildungscamp der Studenten am Geschwister-Scholl-Platz besucht, der bringt tendenziell auch Hunger mit.

Protest gegen Studiengebühren in München, 2009

Studenten der LMU campierten schon 2009 auf dem Geschwister-Scholl-Platz,  um auf die Bildungsmisere und die unsozialen Studiengebühren in Deutschland aufmerksam zu machen.

(Foto: sz.lokales)

Am Donnerstag ist wieder einmal ein Bildungsgipfel bei der Kanzlerin in Berlin, da ist die Protestwoche der Schüler und Studenten, die gerade begonnen hat, natürlich gut terminiert. Bundesweit wollen sie wieder auf die Straße gehen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Das hat Tradition, im letzten Herbst waren es im ganzen Land an die 200.000, allein in München kamen fast 10.000. In diesem Semester wollen sich die Schüler und Hochschüler aus sieben Städten in Bayern mit großen Kundgebungen beteiligen, allesamt am Mittwoch.

Die Forderungen sind geblieben, bei den Nachbesserungen an der Bolognareform geht es aus Sicht der Studenten zwar vorwärts, Demo-Dauerbrenner bleiben aber die Abschaffung der Studiengebühren und der Wunsch nach mehr Mitbestimmung. Auch in München soll die Demonstration den Höhepunkt der Proteste bilden, ansonsten steht die Woche im Zeichen eben des Bildungscamps, das sich rund um den Brunnen vor der Universität München (LMU) gruppiert.

Ob tatsächlich viele Leute vorbeischauen? "Alles hängt davon ab", sagt Stefan Niebl von der Studierendenvertretung der LMU und deutet hinauf zur Sonne, die gerade kurz hinter dicken Wolken hervorblitzt. "Jetzt ist hier die Hölle los", verkündet ein Transparent weiter vorn; zumindest im Moment kann davon aber nicht die Rede sein. Nur ein paar Bierbänke, ausrangierte Sofas und Liegestühle sind belegt. Auch ein paar Workshops laufen bereits, auf blauen Hartschalenstühlen sitzen die Teilnehmer im Halbkreis. "Willst Du wirklich Lehrer werden?", hat einer sein Programm überschrieben, ein anderer referiert über Eigentum als "Grundproblem des Sozialstaats".

"Freie Bildung für alle" - ohne Zugangsbarrieren, ohne Studiengebühren: Auf diese Formel haben die Demonstranten ihre Forderungen gebracht. Genau das wollen sie mit dem Camp demonstrieren, mit Workshops und Podiumsdiskussionen unter freiem Himmel. Auch einige Dozenten der LMU und der TU sind dabei, Politiker wie Margarete Bause (Grüne) und Bernd Sibler (CSU) ebenfalls.

"Den Schwerpunkt haben bildungspolitische Themen", sagt Roxanne Philipps vom Zusammenschluss "Unsere Uni brennt", der im Winter bei den Hörsaalbesetzungen sehr aktiv war. Zwischendurch gibt es Kabarett und Konzerte, die Bands kommen auch aus Wien und Hamburg. Und wie reagiert die LMU auf das Alternativ-Spektakel? "Die hat uns Strom gegeben", sagt Niebl. Insgesamt lasse die Universitätsleitung die Camper gewähren - "solange wir nicht wieder reingehen", ergänzt Philipps.