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Stream-Kritik:Elefantastisch

Die Staatsoper bringt den Zoo in die Kinderzimmer

Von Rita Argauer

Vor Tieren auf der Bühne wird ja oft gewarnt, weil Tiere nicht spielen und den schauspielenden oder opernsingenden Menschen mit ihrer, nun ja, gottgegebenen Natürlichkeit schnell ins Lächerliche ziehen können. Wenn also ein kleiner Babyelefant durch sein noch winterkahles Gehege springt und Mijam Mesak und Yajie Zhang dazu mit triumphierendem Operntimbre im Duo "Was müssen das für Bäume sein" singen, wirkt das Kinderlied, über Elefanten und deren Möglichkeiten sich in einem dicht bewachsenen Dschungel zu bewegen, schon ein wenig skurril. Doch der Zoo hat zu und wenn er offen hat, dann ist es auch komisch, also ist die Geste der Bayerischen Staatsoper mit dem österlichen Stream-Montagsstück den Zoo in die Wohnzimmer der Kinder zu holen, an sich etwas sehr Schönes.

Vier Sänger, neben Mesak und Zhang noch Milan Siljanov und Michael Nagy, streifen zusammen mit der Akkordeonistin Daniela Huber durch den Tierpark Hellabrunn und intonieren neue und alte Kinderlieder. Dazu gibt es Gedichte über die Tierwelt. Das sehnsuchtsvolle "Wenn ich ein Vöglein wär'" wird also mit suchenden Blicken von Zhang über einen Kanal hinüber zu Nagy gesungen. In der Mitte schwimmen ein paar Enten, die sich reichlich wenig für die großen Operngesten interessieren, dafür aber das zusehende Kind umso mehr begeistern. Das schert sich sowieso nicht darum, ob Tiere jetzt Operngesten auflösen oder verstärken. Fordert aber in den Pausen vehement ein, die Musik möge weitergehen. Das tut sie: Zu den Gorillas gibt es "Die Affen rasen durch den Wald", im Streichelgehege kommt der Esel vorbei, während die Sänger ihre gewohnten Sängerstreits Wagner'schen Ausmaßes auf "Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit. Wer wohl am besten sänge", herunterbrechen.

Die Fallhöhe ist groß, wenn Opernsänger sich dem Volkslied widmen. Doch die enorme Künstlichkeit einer ausgebildetenden Stimme, kann den einfachen Texten und Melodien auch etwas absolut Bezauberndes geben. Etwa als Jonas Kaufmann im Stream-Konzert Weihnachtslieder sang. Die sind natürlich von sich aus rührend, anders als die Affen, die durch den Wald rasen. Aber die grundgegebene Tierbegeisterung der Kinder trifft hier auf deren grundlegende Musikbegeisterung. Und nach 25 Minuten sind am Ende alle erstaunlich froh.

© SZ vom 07.04.2021
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