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Steinhausen / Zamdorf:Schimpftiraden an der Haltestelle

Ruf nach besserem Anschluss: Bürger beschweren sich über schlecht abgestimmte Abfahrtszeiten.

(Foto: Robert Haas)

Fahrgäste dringen hartnäckig darauf, die Buslinien besser mit der neuen Steinhausen-Tram abzustimmen

Es gibt viele Beschwerden, noch immer: Seit die Steinhausen-Tram in Betrieb gegangen ist, fahren die Buslinien 187, 190 und 191 nicht mehr zum Ostbahnhof, sondern sind als Zubringer zur Endstation der Straßenbahn am S-Bahnhof Berg am Laim eingesetzt. Bewohner der Siedlung an der Schwarzwaldstraße und Fahrgäste aus Zamdorf und Daglfing müssen also seit Dezember 2016 einen großen Umweg in Kauf nehmen, wenn sie in die Innenstadt fahren; sie sind teils dreimal so lange unterwegs wie früher. Viele wollen sich mit der Situation nicht abfinden und protestieren seit drei Monaten hartnäckig bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und dem Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen gegen das neu geknüpfte Busnetz.

"Die Leute stehen an den Haltestellen und schimpfen", stellt der Autor einer E-Mail an das Lokalgremium fest. "Die veränderten Linienführungen haben zu völlig überflüssigen Verzögerungen durch Umsteigen und Warten geführt", kritisiert er. Auf Antrag der Grünen fordert der BA jetzt einstimmig, die Abfahrtszeiten der Tram 25 an der Endstation Berg am Laim Bahnhof zu ändern. Würde die Straßenbahn dort vier Minuten früher abfahren als jetzt, müssten die Fahrgäste, die mit den Buslinien 190 und 191 ankommen, nicht so lange warten. Außerdem sei in diesem Fall auch ein schnelleres Umsteigen am Max-Weber-Platz in die Tram 19 und die U 4/U 5 möglich, argumentieren die Grünen. Die Fahrt zum Stachus dauere dann nur 20 Minuten, obwohl man zweimal das Fahrzeug wechseln müsse. Zusätzliche Straßenbahnen seien auch nicht nötig, weil sich nur die Abfahrtszeit einer einzigen Linie, der Tram 25, ändere.

Ein Zamdorfer konstatiert aber auch noch andere Probleme mit den neuen Busrouten: "Auch die Verkehrssituation in der Truderinger Straße am Bahnhof Berg am Laim wird durch das erhöhte Busaufkommen verschärft. Von der Hultschiner Straße kommend staut sich der Verkehr zu Pendlerzeiten dort nun jeden Tag." Und als neues Drehkreuz im Münchner Osten sei die Station ohne direkten Anschluss an die Flughafen-S-Bahn S 8 "jetzt bereits eine Totgeburt", kritisiert er.

Unzufriedenheit herrscht aber auch mit anderen Komponenten des Busnetzes. Ein Daglfinger beantragt, die Busse 188/189 schon westlich der Bahnlinie S 8 wenden zu lassen, um die Verspätungen zu verringern. Und eine Familie aus Zamdorf würde sich von der MVG schlicht mehr Initiative wünschen, nämlich dass sie "sowohl die Zubringer-Funktion für die Tram erhöht und zugleich die viel direktere Buslinien-Führung zum Max-Weber-Platz beibehält".

Der Bezirksausschuss greift die Kritik der Bürger auf und leitet alle Beschwerden und Anträge zu den Buslinien an die MVG und das Referat für Arbeit und Wirtschaft weiter. "Wir sehen auch, dass das sehr beschwerlich geworden ist, vor allem für Ältere", sagte Martin Tscheu (SPD), der Vorsitzende des Unterausschusses Verkehr, in der jüngsten Sitzung. Der BA sei mit Beschwerden "überhäuft" und stehe "mit ganzem Herzen" hinter den Anliegen der Bürger.

© SZ vom 08.04.2017