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Wörthsee:Ordnungsgemäß gefällt

Bis an den Ortsrand von Steinebach reicht die gerodete Fläche. Vor allem Buchen wurden gefällt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Forstexperten stufen Abholzung von Bäumen am Steinberg als korrekt ein

Von Michael Berzl, Wörthsee

Für einige Wörthseer ist es ein schlimmer Eingriff ins Landschaftsbild, für Forst-Fachleute so aber völlig in Ordnung: Das Abholzen von Bäumen am Steinberg in der Nähe der Bahnlinie sei nicht zu beanstanden, erklärt Revierleiter Martin Springer nach einer Ortsbesichtigung. "Die Hiebmaßnahmen sind als ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung einzustufen und unterliegen keiner Anzeige- oder Genehmigungspflicht", teilt er in einem Schreiben mit, das auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim sowie Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal in dieser Woche erhalten haben. Das gelte auch für die Flächen, die als Immissions- und Lärmschutzwald eingestuft sind.

Wegen der Fällungen waren in dem Amt und im Wörthseer Rathaus zahlreiche Anfragen und Beschwerden eingegangen. Deshalb wurde der Revierleiter losgeschickt, um sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen, was mit dem Wald am östlichen Ortsrand von Steinebach geschehen ist. Wie er feststellte, haben zwei Waldbesitzer "Hiebmaßnahmen durchgeführt". Betroffen seien zwei Flächen mit Größen von etwa 3000 und 1000 Quadratmetern. Dort seien überwiegend Buchen und zum geringeren Teil auch Fichten geschlagen worden.

Die Waldbesitzer begründeten dies nach seinen Angaben vor allem mit ihrer Verkehrssicherungspflicht, denn die Bäume standen zum Teil an der Weßlinger Straße, an der Bahnlinie und in der Nähe von Wohnhäusern. "Gefahrenbäume" müssten rechtzeitig entfernt werden, erklärt Binder; im Interesse der Waldbesitzer, die für Schäden haften würden, und im Interesse der öffentlichen Sicherheit. Um eine Rodung handelt es sich in den Augen des Forstmannes nicht, denn die Flächen würden weiterhin als Wald bewirtschaftet. Die Besitzer seien zur Wiederaufforstung verpflichtet.

Wie Hohn klingen solche Erläuterungen für Beschwerdeführer Stephan Bleek, der "Schmerz und Bitternis angesichts der Wörthseer Baumleichen" empfindet. "Der beste Schutzwald ist sicherlich gar kein Wald, das habe ich Laie jetzt endlich gelernt", kommentiert der Wörthseer in sarkastischem Ton die forstamtliche Einschätzung, die auch ihm zugeleitet wurde. Bürgermeisterin Muggenthal hatte in einer ersten Stellungnahme die "radikale Forstwirtschaft" bedauert und sagte: "Das schaut nicht schön aus."

Trotz seines Schmerzes angesichts der Fällungen hätte Bleek aber auch einen konstruktiven Vorschlag parat: Demnach sollte das Landwirtschaftsamt eine Gesprächsrunde mit Waldbesitzern organisieren, um zu klären, wie die Wälder im Landkreis im Sinne nachhaltiger Forstwirtschaft klimagerecht umgebaut werden könnten, damit sie auch noch in 80 bis 100 Jahren ihre Erholungs- und Schutzfunktionen erfüllen könnten. Als Arten für Nachpflanzungen schlägt er etwa die Weißtanne oder die Große Küstentanne vor.

© SZ vom 15.01.2021
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