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Wörthsee geht in die Vollen:Schule als Lernlandschaft

Sechs Wochen früher als geplant ist in Wörthsee die neue Grundschule ihrer Bestimmung übergeben worden. Der 14,5 Millionen teure Komplex mit Sporthalle kostet etwa eine halbe Million Euro weniger als zuvor errechnet

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Es gibt sie also doch noch, öffentliche Bauten, die rechtzeitig fertig werden und denen die Kosten nicht davongaloppieren. Die Gemeinde Wörthsee hat aber nicht nur das geschafft: Die neue Grundschule kann sogar sechs Wochen früher als geplant den Betrieb aufnehmen, und die Ausgaben liegen etwa eine halbe Million Euro unter den genehmigten Gesamtkosten. Wenn dann im kommenden Frühjahr auch die Außenanlagen fertig sind, ist das aktuell größte Bauprojekt im Landkreis Starnberg abgeschlossen.

Eine neue Grundschule mit Mittagsbetreuung, Kinderhort und Zweieinhalb-Fach-Turnhalle zu errichten - es hat gedauert, bis sich der Gemeinderat vor sechs Jahren dazu durchringen konnte. Der Haushalt der Kommune hatte sich nach einer stringenten Sparpolitik gerade erholt. Etwa 15 Millionen Euro hatte das Architekturbüro Sommersberger für das Großprojekt errechnet, ein sehr großer Sprung für die kleine Gemeinde. Der damalige Bürgermeister Peter Flach musste viel Überzeugungsarbeit leisten, vor allem in seiner eigenen CSU-Fraktion.

Am Montagmorgen gab es dafür nur strahlende Gesichter. Noch vor den Sommerferien durften die 210 Schüler ihre neue Schule in Beschlag nehmen. Und sie kamen aus dem Staunen kaum heraus: Von dem dunklen Foyer in der alten Schule kamen sie in eine lichte, luftige Aula, in Klassenzimmer ohne Türen und mit großen Sitzfenstern. Weiß, Rot und Orange sind die Hauptfarben. Jeweils fünf Zimmer, ein Lehrerstützpunkt, ein Funktionseck für Experimente und Sanitäranlagen gruppieren sich um jeweils zwei "Marktplätze" - die Schule als Lernlandschaft.

"Es ist eine Traumschule", sagte Rektorin Andrea Torggler, die von Bürgermeisterin Christel Muggenthal den symbolischen Schlüssel überreicht bekam. Vertreter der Gemeinde, des Architektenbüros und des Landratsamts, der Mittagsbetreuung und des Horts waren zu der kleinen Einweihungsfeier gekommen. Auch Peter Flach war eingeladen und zeigte sich begeistert über das Haus. Die Reden waren kurz, niemand wollte die Kinder noch länger auf die Folter spannen, die ihre neue Schule bisher nur von außen kannten. Die Geschäftsführer der Sommersberger GmbH, Ulli Sommersberger und Uli Köbberling, hatten ein kurzes Gedicht verfasst, die Bürgermeisterin sprach von einem "großen Tag" und überreichte Brot und Salz zum Einzug. Die Pfarrer Andreas Miesen und Susanne Parche segneten die Schule und wünschten Kindern und Lehrern, "dass Gott mit euch hier einzieht". Torggler wies ihre Schüler auch an die Verantwortung hin, die sie alle hätten, nämlich auf die schöne neue Schule aufzupassen. "Wir bemalen nicht die weißen Wände und schrammen nicht mit den Schulranzen daran entlang", mahnte sie.

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Stimmung machte die Klasse 3 b: Mit "Au Revoir' von Mark Forster und "Ein Hoch auf uns" von Andreas Bourani beendeten sie den offiziellen Teil.

(Foto: Nila Thiel)

Bevor die Ehrengäste und Schülersprecher Leo das rote Band an der Treppe zum ersten Stock, wo sich die Klassenzimmer befinden, durchschneiden duften, machte die Klasse 3 b Stimmung. Mit den Songs "Au Revoir' von Mark Forster und "Ein Hoch auf uns" von Andreas Bourani beendeten sie den offiziellen Teil.

Im neuen Schulgebäude befinden sich zehn Klassenzimmer, die im Schuljahr 2016/17 auch gebraucht werden, sagte Torggler. Im Erdgeschoss sind die Fachräume für Musik, Werken und Informationstechnik untergebracht sowie die Mittagsbetreuung mit zwei Gruppen und der Hort mit drei Gruppen. Beide Einrichtungen haben eine eigene Küche. Das Besondere am Sommersberger-Entwurf ist die natürliche Belichtung über Dach- und Deckenverglasungen und ein äußeres Verschattungskonzept durch feststehende, bunte Aluminiumlamellen an der Süd-West- und Ostseite, die aber dennoch den Ausblick aus den Klassenzimmern ermöglichen.

Die neue Turnhalle wurde schon im April 2014 eingeweiht, danach wurde die alte abgerissen. Das alte Schulgebäude aus den 1970er Jahren wird nun in den Sommerferien abgebrochen. Die offizielle Einweihung wird mit einem "Tag der offenen Tür" im Frühjahr 2016 gefeiert, wenn auch die Außenanlagen fertiggestellt sind.

© SZ vom 07.07.2015
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