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Wörthsee:Befangenheit als Stärke

Thomas Bernhard wird neuer Referent für Ortsentwicklung

Von Christine Setzwein, Wörthsee

"Es tut mir leid, Thomas, aber Du bist hier im Gemeinderat der ungeeignetste Kandidat, den wir haben." Die deutlichen Worte in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch kamen von Dirk Bödicker (Wörthsee-Aktiv, WA) und waren an Thomas Bernhard (Freie Wähler) gerichtet. Der Grund: Bernhard wollte Referent für Ortsentwicklung werden und machte den Posten Monika Ofer (WA) streitig, die gerne Referentin geblieben wäre. Bernhard wurde mit neun zu acht Stimmen gewählt, von Teilen der CSU, den FW und den Grünen.

Bürgermeisterin Christel Muggenthal (parteilos) hatte sich für die Historikerin Ofer ausgesprochen, die sich in den vergangenen sechs Jahren in die schwierige Materie eingearbeitet habe und sehr engagiert gewesen sei. Als Beispiele nannte sie das Isek, die Projekte Kirchenwirt, Genossenschaftswohnungen, Seniorenwohnen, Städtebau- und Wohnbauförderung.

Bernhard verwies darauf, dass er in Wörthsee geboren und aufgewachsen sei. Der Ort liege ihm am Herzen, und er wolle seine Erfahrung einbringen. Die Familie des ehemaligen Gastwirts besitzt mehrere Immobilien in der Gemeinde. Darauf fußte die Kritik Bödickers. Es gebe keinen im Gemeinderat, der mehr befangen sei als Bernhard. Beim Kirchenwirt etwa durfte er nie mitstimmen. Bernhard sah das nicht als Ausschlusskriterium. "Das ist sogar eher besser." Er schlug vor, das Referat mit Ofer zu teilen. In Referat I etwa könne man die Projekte ansiedeln, bei denen er befangen sei - wie beim Kirchenwirt-Areal -, in Referat II alles andere. Dieser Vorschlag fiel mit zehn zu sieben Stimmen durch. Der Abstimmungsaufwand sei zu groß, meinte Thomas Ruckdäschel (CSU), sagte aber seine Mitarbeit zu. Monika Ofer hätte eine Teilung auch nicht mitgemacht. "Die Freien Wähler haben in der Vergangenheit in neun von zehn Fällen nein gesagt bei der Ortsentwicklung, mit Dir kann ich nicht zusammenarbeiten", sagte sie zu Bernhard.

Jakob Aumiller (CSU) und Florian Tyroller (Grüne) hatten kritisiert, dass das Thema Ortsentwicklung in den vergangenen Jahren "zu einseitig" und "zu wenig transparent" gewesen sei. Was die große Mehrheit der Gemeinderäte nicht daran gehindert hat, allen Projekten zuzustimmen. Sogar der Beschluss zum zähen und durchaus umstrittenen integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept war einstimmig gefallen.

Die Referenten im Gemeinderat Wörthsee: Finanzen: Dirk Bödicker, Ortsentwicklung: Thomas Bernhard, Stellvertreter Thomas Ruckdäschel (CSU), Umwelt und Energie: Gerald Grobbel (Grüne), Jugend: Katharina Tyroller (Grüne), Gewerbe, Gastronomie und Tourismus: Jakob Aumiller (CSU), Kultur und Veranstaltungen: Thomas Ruckdäschel, Sport und Vereine: Hanna Benz (WA), Bauhof, Straßen und Infrastruktur: Robert Wihan (FW), Verkehr: Harald Lossau (FW), Familien, Senioren und Soziales: Carina Bedacht (CSU).

© SZ vom 29.05.2020

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