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Weßling:Morsche Hütte, gefährliche Bäume

Das alte Jagdhaus am Höhenberg wird abgerissen

Von Patrizia Steipe, Weßling

Die Tage der alten Jagdhütte am Höhenberg sind gezählt. Der Weßlinger Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das marode Gebäude abzureißen. Dabei waren es nicht vorrangig die Kosten, die bei einer Instandsetzung anfallen würden, die den Ausschlag gaben: "Aus Verkehrssicherungsgründen sollte die Jagdhütte abgerissen werden, sonst macht sich die Gemeinde wegen mangelnder Verkehrssicherheit durchaus strafbar", lautete die Stellungnahme aus der Rathausverwaltung. Außerdem würde eine Sanierung das Biotop im Gemeindewald bedrohen. "Mir blutet das Herz, hier geht ein kleines Kulturgut verloren", bedauerte Gemeinderat Peter Weiß (FW), doch der Landschaftsschutz habe Vorrang.

Mitten im Wald, umgeben von alten Buchen und Fichten, steht die baufällige Holzhütte. "Anhand der Wurzelstöcke einzelner bereits gefällter Fichten ist deutlich zu erkennen, dass die Fichten dort zur Rotfäule neigen", hatte das Weilheimer Forstamt in einer Tischvorlage erklärt. Bei einzelnen Buchen seien bereits Teile des Stammes ausgebrochen, lichte Kronen deuteten auf einen schlechten Gesundheitszustand der Bäume hin. Die Jagdhütte sei bereits jetzt ein Anziehungspunkt und wäre es wohl noch viel mehr, falls sie saniert und dann genutzt werden würde. Fielen bei Sturm aber Äste auf die Hütte oder auf Besucher, könnte die Gemeinde als Grundeigentümerin in die Verantwortung gezogen werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, müssten "gefährliche" Bäume in der Nähe der Hütte abgeholzt werden. Dadurch würde die "landschaftsästhetisch ansprechende und biologisch wertvolle Struktur" des Biotops im Gemeindewald verloren gehen.

Wegen der haftungsrechtlichen Problematik und der Gefährdung des Biotops riet das Forstamt Weilheim "dringend von einer wie auch immer gearteten Umnutzung und Sanierung der Jagdhütte ab". Es gibt aber noch einen weiteren Fakt gegen den Verbleib des Häuschens: In der Verwaltung liegt keine Baugenehmigung für die Jagdhütte vor. "Daher ist zu vermuten, dass es sich hierbei um einen Schwarzbau im Außenbereich handelt", sagte Bürgermeister Michael Sturm. Die Hütte würde demnach keinerlei Bestandsschutz haben. Eine Sanierung, die allein schon wegen der maroden Bausubstanz einem Neubau im Außenbereich gleich käme, wäre aber nur möglich, wenn es sich baurechtliche um ein privilegiertes Vorhaben handeln würde. Für die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes sei die Hütte jedoch nicht notwendig, hätten der zuständige Revierleiter und der Sachbearbeiter im Forstamt mitgeteilt. Deswegen stehen die Chancen auf eine Privilegierung des Gebäudes auf Basis des Forstbetriebs schlecht.

Doch auch ohne Jagdhütte ist der Gemeindewald ein beliebter Spazierweg, und die Gefahr fallender Äste bleibt. Deswegen beschloss der Gemeinderat, auf Schildern auf ein Betretungsverbot hinzuweisen und darüber hinaus Informationen über die wertvolle Flora und Fauna des Biotops zu geben.

© SZ vom 01.10.2020

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