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Weßling:Kinderbetreuung wird teurer

Gummistiefel in einem Kindergarten, 2016

Gestaffelte Preise: Am deutlichsten steigen die Gebühren in den Weßlinger Waldkindergärten, am geringsten fällt die Erhöhung in den Krippen aus.

(Foto: Robert Haas)

Gemeinde erhöht die Gebühren in ihren Einrichtungen um fünf bis 30 Prozent, um das Defizit von zuletzt 1,3 Millionen Euro im Jahr zu reduzieren

Von Patrizia Steipe, Weßling

Rechtzeitig für die Voranmeldungen für das Kita-Jahr 2021/2022 von 8. bis 26. Februar hat der Gemeinderat die Gebühren seiner Kinderbetreuungseinrichtungen erhöht. "Das ist zwar nicht das allerbeste Zeichen während der Coronakrise, aber dringend notwendig", sagte Bürgermeister Michael Sturm. 2016 hatte der Gemeinderat die Gebühren das letzte Mal angehoben, doch das Defizit wächst von Jahr zu Jahr. Derzeit macht der Fehlbetrag der Weßlinger Krippen, Kindergärten, Horte und Mittagsbetreuungen rund 1,3 Millionen Euro aus. Dieser jährliche Verlust belaste den Verwaltungshaushalt und gefährde sogar den Ausgleich am Jahresende, hieß es mahnend in der Tischvorlage der Verwaltung. "Wünschenswert wäre ein komplett kostendeckender Betrieb". Doch dies ist vor allem wegen der hohen Personalkosten quasi unmöglich.

Jetzt sollen in einem ersten Schritt zunächst alle Kita-Gebühren erhöht werden. Dabei hat sich Weßling an den Preisen der anderen Gemeinden orientiert. "Wir sind auch nach der Gebührenerhöhung nicht die Teuersten", versicherte Sturm. In den folgenden Jahren müssen sich die Eltern auf jährliche Steigerungen einstellen, die sich an den Tariferhöhungen des Kita-Personals orientieren und die Lohnsteigerungen kompensieren sollen. Dadurch könnte der Schuldenberg um rund zehn Prozent abgetragen werden.

Die größten Steigerungen gibt es beim Waldkindergarten. Er soll um 30 Prozent teurer werden. Schließlich sei dort die Qualität der Betreuung dank des günstigeren Personalschlüssels höher (eine Gruppe hat nur 18 statt 25 Kinder). Die Kindergärten sollen um 20 Prozent teurer werden, Hort und Mittagsbetreuung um 15 Prozent und Krippen um fünf Prozent. Wegen des staatlichen 100-Euro-Kita-Zuschusses würden die Eltern beim Kindergarten derzeit maximal sowieso nur rund 50 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Erhöhungen würden sie deswegen nur gering belasten. Für Härtefälle gebe es Zuschüsse beim Jugendamt, oder der Sozialfonds der Gemeinde springe ein.

Beim Essensgeld sollen die Preissteigerungen der Caterer auf die Eltern umgelegt werden. Außerdem soll es bei der Geschwisterermäßigung künftig nur mehr zehn Prozent für die zweiten, dritten und weiteren Geschwister geben. Bisher war ab dem dritten Kind eine Ermäßigung von 20 Prozent eingeräumt worden. Das Spiel- und Verpflegungsgeld, das bis dato zehn Euro betragen hat, wird auf zwölf Euro angehoben.

Neben der Gebührenerhöhung soll noch an weiteren Stellschrauben gedreht werden, um das Defizit herabzusetzen. Zum Beispiel werden Öffnungszeiten reduziert und Mindestbuchungszeiten erhöht. Am meisten sparen könne die Gemeinde jedoch, wenn sie die Trägerschaft von Kitas abgibt. Dabei handelt es sich um das Kinderhaus "Regenbogen" in Weßling, den Kindergarten "die kleinen Strolche" in Oberpfaffenhofen, die Waldkindergärten "Waldwichtel" in Hochstadt und "die Glühwürmchen" in Grünsink sowie den Hort "Villa Kunterbunt" in Hochstadt. Beim Kindergarten "Sonnenblume" ist die Evangelische Kirche der Träger.

Bereits seit Jahren wird im Ratsgremien überlegt, die Trägerschaft der Kitas abzugeben. Vor allem die Kämmerei empfiehlt das dringend. Schließlich fallen rund 80 Prozent der Gesamtkosten auf die Löhne der Erzieherinnen und Erzieher. Allerdings gab es bisher noch keinen konkreten Beschluss. Jetzt soll die Verwaltung berechnen, wie hoch die finanziellen Auswirkungen sein könnten.

© SZ vom 26.01.2021
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