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Weßling:Höchste Geschwindigkeit

Stromerzeuger wollen Gemeinde mit Glasfasernetz versorgen

Die Eltern sitzen im Homeoffice am PC, die Kinder haben Videokonferenzen mit den Lehrern oder streamen Serien - da kann es schon mal eng werden mit der Bandbreite des Internets. "Corona hat uns gezeigt, dass eine exzellente Internetanbindung notwendig ist", sagte Stefan Ziegler von den Augsburger LEW-Werken, die neben der Stromerzeugung auch Breitbandausbau in der Region anbieten. Gemeinsam mit Vertretern des Partners Bayernwerke stellte er den Weßlinger Gemeinderäten im Pfarrstadel ein neues Vorhaben vor. Bis Herbst 2021 möchte die Bayernwerke zusammen mit den Lechwerken Weßling, Oberpfaffenhofen, Hochstadt und Neuhochstadt mit einem flächendeckenden Glasfasernetz versorgen, und zwar "bis zur letzten Meile". Das hieße "Highspeed" bis in die Wohnungen der Nutzer. Damit wäre gewährleistet, dass die bestellte Übertragungsgeschwindigkeit auch tatsächlich beim Kunden ankommt, unabhängig davon, wie viele gleichzeitig online sind. "Es gibt keine Engpässe mehr beim Datenaustausch im Internet", so Ziegler.

Zwar gibt es in der Gemeinde bereits das Glasfasernetz der Telekom, das reicht aber meist nicht bis zur Haustür. Die sogenannte letzte Meile besteht deswegen noch aus einem Kupferkabel, so dass nicht das Maximum aus dem Glasfaser geholt werden kann. Dabei biete Glasfaser praktisch unbegrenzte Übertragungskapazität, warb Michael Weng. Das Telekomnetz könnte übrigens im Erdreich verbleiben.

Das Glasfaserprojekt wird allerdings nur umgesetzt, wenn die Gemeinde hinter dem Ganzen steht, die Investoren aktiv bei der Vermarktung unterstützt und sich mindestens 35 Prozent der Haushalte anmelden und das Glasfaserangebot abonnieren. Das entspricht etwa 1800 Haushalten. "Das ist notwendig, weil mit dem flächendeckenden Breitbandausbau hohe Investitionen verbunden sind", betonte Ziegler. Sofern der Gemeinderat einverstanden ist, soll im Herbst die sogenannte Vorvermarktung beginnen. Dabei werden Vertreter des Telekommunikationsunternehmens innerhalb von zwei bis drei Monaten die Bevölkerung in Veranstaltungen, Broschüren, an Infoständen und im mobilen Büro informieren. Provisionen und Frühbucherrabatte sollen zusätzliche Anreize bieten. Wenn es genug Bestellungen für Glasfaser gibt, dann könnte im März 2021 mit den Tiefbauarbeiten begonnen werden. Dafür müssen zwar die Straßen aufgegraben werden, aber die Gemeinde müsste nichts zahlen. "Keine Kosten, kein Aufwand mit Förderanträgen und kostenlose Anschlüsse für die Kunden der Vorvermarktung", warb Ziegler. Da die Glasfaserkabel längst nicht so breit wie beispielsweise Kanalrohre sind, müsste nur ein schmaler Straßenabschnitt aufgegraben werden.

Wenn alles gut geht, könnte das zusammenhängende Gemeindegebiet im Herbst 2021 fertig verkabelt sein. Und noch etwas: Mit dem Ausbau des Netzes sollen in einem Pilotprojekt gleich auch die 32 Trafostationen der Gemeinde digital erschlossen werden.

© SZ vom 03.06.2020

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