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Weßling:Anwohner schalten Ministerium ein

Im Streit um den Bau eines Wendegleises am Weßlinger Bahnhof für die geplante Expressbahn soll ein Gespräch auf höherer Ebene Gemeinde und Bahn zusammenbringen

Es hört sich für S-Bahnpendler aus dem Raum Herrsching und Ammersee gut an: die Einrichtung einer Expressbahn nach München, die von Weßling an nur noch zwei Mal halten soll. Damit würden sich viele Bahnfahrerwünsche erfüllen, zumal die S8 ja bis zum Flughafen rollt. Allerdings verkehren die Züge bislang im gemächlichen Tempo dahin. Anders schaut die Sache für die Anwohner des Weßlinger Bahnhofs aus. Auf sie kommen gehörige Belastungen zu. Sie müssen nicht nur mit mehr Lärm in der Nacht rechnen, sondern auch mit ständigem Zugverkehr direkt vor ihrer Terrassentür. Denn das für das schnelle Rangieren des Expresszuges benötigte zusätzliche Gleis soll bis vor die Häuser der Katzensteinsiedlung gelegt werden.

Seit die ersten Pläne der Bahn auf dem Tisch liegen, laufen die Bewohner Sturm gegen das so genannte Wendegleis. Am Wochenende fand ein Ortstermin mit dem Weßlinger Bürgermeister Michael Muther in der Siedlung statt. Bei dieser Gelegenheit wurden auch Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Es scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Wie Muther berichtet, wird es Mitte Januar ein Gespräch im Wirtschaftsministerium geben, an dem Vertreter der Bahn teilnehmen sollen. "Wir werden über die Vor- und Nachteile einer Expressbahn für Weßling reden", sagte Muther. Zwar hat sich die Bahn bislang nicht kompromissbereit gezeigt und beharrt auf dem Expresshalt in Weßling, aber zuweilen bewirkt ein Gespräch Wunder.

Neben der erhöhten Lärmbelastung für die Anwohner befürchtet Muther einen zusätzlichen Ansturm an Pendlern aus dem Ammerseeraum. Schon jetzt sind Parkplätze rund um den Weßlinger Bahnhof Mangelware, da viele Bahnfahrer den 20-Minuten-Takt, der mit Weßling beginnt, nützen und gleichzeitig wegen der Zahlgrenze auch noch eine Menge Geld sparen können. Eine Expressbahn von Weßling aus, so befürchtet auch der Gemeinderat, würde weitere Verkehrsbelastungen für den jetzt schon geplagten Ort bringen.

Unter dem Motto "Wir sind an einer konstruktiven Lösung interessiert" übergaben die Anwohner ihrem Bürgermeister eine Vorschlagsliste. Darin fordern sie statt des Baus "des 17 Millionen Euro teuren Wendegleises" einen 20-Minuten-Takt bis nach Herrsching, der durch den zweigleisigen Ausbau der Strecke erreicht werden soll. Als Haltepunkt für die Expressbahn schlagen sie Gilching vor. Dort sei ein drittes Gleis schon vorhanden, das man als Wendegleis verwenden könnte. Sie erinnern zudem daran, dass in Gilching ein viel größeres Fahrgastaufkommen herrsche, allein schon wegen des Gymnasiums. Außerdem ist Gilching mit mehr als 17 000 Einwohnern die drittgrößte Gemeinde des Landkreises. Ein Expresshalt in Weßling hätte nach Ansicht der Weßlinger zur Folge, dass Gilching verkehrstechnisch schlechter gestellt würde. Sollte die Bahn diese Lösung ablehnen, könnte man das Wendegleis nördlich des Weßlinger Bahnhofs legen und den Expresszug von Gilching aus starten.

Es gibt eine Menge Dinge noch zu klären, zumal auch der Betriebsablauf mit der Expressbahn noch nicht geklärt ist. Auch den Umfang der Lärmbelastung und die Höhenlage des Wendegleises sind noch nicht bekannt. In früheren Gesprächen hat die Bahn jedenfalls auf ihrer Lösung bestanden, da sie nach ihrer Meinung die finanziell günstigste sei. Ein großes Problem bleibt dennoch bestehen: Sollte Weßling das Wendegleis ablehnen, wird es keinen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs geben. Die Bahn hat in der Vergangenheit und im Gemeinderat mehrmals betont, dass für sie der Umbau des Bahnhofs nur mit einem zusätzlichen Wendegleis infrage komme.

Der Umbau des Bahnhofs ist ein alter Wunsch der Weßlinger. Die Bahn würde praktisch Aufzug, Rampe und Unterführung finanzieren; gleichzeitig könnte die Gemeinde, die heuer im Städteförderungsprogramm aufgenommen wurde, ihre Ortsmitte neu strukturieren und an Attraktivität gewinnen.

© SZ vom 02.12.2014

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