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Videobotschaft statt Bürgerversammlung:Genervte Wörthseer

Wörthsee

Bürgermeisterin Christel Muggenthal präsentiert ihren Rechenschaftsbericht heuer online.

(Foto: Juliane Seeliger/oh)

Bürgermeisterin Christel Muggenthal beschreibt in ihrer Bilanz, wie die Gemeinde auf den Besucherandrang reagiert

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Es gibt nur wenige Gemeinden, die ein Rathaus direkt am See haben. Wörthsee hat eines. Bürgermeisterin Christel Muggenthal sitzt im Sitzungssaal, als sie ihren Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr nicht vor den Bürgern, sonder vor der Kamera präsentiert. Hinter ihr sind der kleine "Flach-Park" und der Wörthsee zu sehen, einer der beliebtesten Badeseen im Münchner Umland. Und damit ist Muggenthal gleich mitten drin im Thema: Wegen der Corona-Krise sind viele nicht in Urlaub gefahren, sondern an den Wörthsee. "Heuer hatten wir besonders viele Besucher", sagt Muggenthal. Die Folge waren überlaufene Badeplätze, zugeparkte Straßen und Wiesen, erboste Anlieger und eine "zunehmende Aggressivität" zwischen Einheimischen und Ausflüglern.

Die Gemeinde sei nicht untätig geblieben, habe auf zwei Parkplätzen Höhenbegrenzungen gegen wilde Camper aufgestellt, seenahe Straßen als Rettungswege und eine Fahrradstraße ausgewiesen. Problem sei, dass kaum Besucher die öffentlichen Verkehrsmittel nutzten und die Gemeinde zu wenig Parkplätze habe. Mehr sollen auch nicht geschaffen werden, "das führt nur zu mehr Besuchern, wie das Beispiel Inning zeigt", sagt Muggenthal. Über Strategien werde nachgedacht, zum Beispiel über günstigere S-Bahntickets oder regelmäßige Badebusse aus München. "Aber das braucht einen langen Atem."

Der starke Verkehr auf der Etterschlager Straße ist auch immer wieder Thema in der Bürgerschaft. Wie eine Verkehrszählung ergeben habe, sei er aber großteils hausgemacht. "Wir müssen selber was tun und weniger Auto fahren", meint die Bürgermeisterin. Ausführlich erläutert Muggenthal die großen Projekt der Gemeinde: Kirchenwirt, Wohnungsbau und Nahversorgung. Danach entstehen rund um das Areal "Am Teilsrain" in den kommenden Jahren 150 Wohneinheiten. Geplant ist ein Kinderhaus. Die 30 Wohnungen des Verbands Wohnen sind im Bau, es folgen 60 Genossenschafts-, 40 Senioren- und 20 so genannte Starterwohnungen über dem geplanten Vollsortimenter. In der von Einfamilienhäusern geprägten Gemeinde müsse "an zentraler Stelle eine Nachverdichtung entstehen", sagt Muggenthal. So könnte zwischen Pfarrheim, Nachbarschaftshilfe und Friedhof ein neues Ortszentrum entstehen, ohne dass die einzelnen Dorfmitten ihren Charakter verlören.

Weiter Themen in der Präsentation sind Photovoltaik-Freiflächenanlagen, denen der Gemeinderat jüngst den Weg geebnet hat, Nahwärmenetz und Sturzflutenkonzept. Kämmerer Thomas Dischner erläutert die Haushaltszahlen und sagt für das Jahr 2021 wegen der Einbrüche bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer "eine deutlich schwierigere Lage" voraus.

Zuletzt appelliert Muggenthal an die Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten: "Für weniger Infektionszahlen, weniger schwere Verläufe und keine Überlastung des Gesundheitssystems." Sie persönlich habe kein Verständnis für Maskenverweigerer und Corona-Leugner, deren Verhalten "den erhofften Erfolg unserer solidarischen Anstrengungen gefährdet".

Im Internet unter www.gemeinde-woerthsee.de

© SZ vom 19.11.2020
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