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Veranstaltungsreihe in Schondorf:Das Musikfestival geschrumpft

Im Vorjahr lockte die Ammerseerenade noch mit großem Programm. Heuer ist wegen Überlastung der Organisatoren ein einziges Konzert in St. Ottilien geplant. Dazu stehen zwei Abende in München an und das traditionelle Vorspiel, der Kapellentag

Nachdem im Vorjahr noch sieben Konzerte am Westufer des Ammersees stattfanden und dabei unter anderem die Klassik-Stars Anne-Sophie Mutter und Kirill Troussov auftraten, backen die Veranstalter der Ammerseerenade in diesem Herbst deutlich kleinere Brötchen: Das Konzertprogramm ist auf drei Veranstaltungen zusammengeschnurrt, von denen zwei in München stattfinden.

Der Grund für die radikale Reduzierung liegt offenbar in einer vorübergehenden Überlastung der beiden Hauptorganisatoren, Doris Pospischil und Hans-Joachim Scholz. Die zwei Vorsitzenden des Trägervereins "Kultur am Ammersee" hatten im vergangenen Jahr gespürt, dass sich "der personelle Aufwand stark ausgeweitet hat", wie Scholz sagt: "Wir können das allein nicht mehr stemmen, zumal wir auch kein Back-Office haben." In der Zwischenzeit hätten sich zwar neue Mitstreiter gefunden, doch für diesen Saison komme die Verstärkung zu spät. "Aber im nächsten Jahr machen wir wieder ein volles Programm", verspricht Scholz.

Der Kapellentag (das Bild zeigt Maria Schnee in Aidenried), eröffnet heuer wieder die Ammerseerenade.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Ehepaar Pospischil und Scholz hatte die Ammerseerenade 2014 aus der Taufe gehoben, um die Jugend für Klassik zu begeistern sowie Ost und West zu verbinden. Dem einwöchigen Festival kamen ihre Kontakte zur russischen und osteuropäischen Kulturszene zugute, so konnten wiederholt das Szymanowski Quartett und das Janoska Ensemble für Gastspiele gewonnen werden. Binnen fünf Jahren wurde die Ammerseerenade zu einem Festival, das auch bundesweit in den Feuilletons Beachtung fand. Zum Konzept gehören genreüberschreitende Musik, Lesungen, Gesprächsrunden und Ausstellungen - ebenso wie die reizvolle Landschaft des Ammersees, mit der die Veranstalter auch renommierte Künstler bei relativ bescheidenen Gagen anlocken konnten.

In diesem Herbst steht die Region aber kaum im Blickpunkt: Allein das Liberation Concert wird wie schon 2018 in St. Ottilien stattfinden, so soll wieder an die Geschichte der Klosters als Hospital für verschleppte und versklavte Juden erinnert werden. Am 27. September gastiert dort das Tschaikowsky-Symphonieorchester des Moskauer Rundfunks, das Wladimir Iwanowitsch Fedossejew seit 45 Jahren leitet. Am Tag davor findet ein Gesprächskonzert mit ihm und Charlotte Knobloch in der Israelitischen Kultusgemeinde statt, bei dem der Leningrader Blockade vor 75 Jahren gedacht werden soll und ein Quartett des Symphonieorchesters musiziert. Zum Abschluss wird das Streichquartett am 28. September eine Matinee im Künstlerhaus am Lenbachplatz bestreiten.

Andechs Ammersee Serenade, Klassikfestival

Die Organisatoren Hans-Joachim Scholz und Doris M. Pospischil bieten nur ein Minimal-Programm.

(Foto: Georgine Treybal)

Im vollen Umfang erhalten bleibt allerdings heuer der Kapellentag "Zwischen Himmel und See" am Sonntag, 25. August. Das Konzept, in einer Reihe von überwiegend privaten Andachtsstätten rund um den Ammersee bei freiem Eintritt kleine Konzerte zu veranstalten, hat sich offenbar bewährt. Auch diesmal treten vor allem Künstler aus dem Fünfseenland und Oberbayern auf, die Klassik, Pop, Jazz, Weltmusik oder bayerische Gstanzl interpretieren. Die Veranstaltungen sind wieder zu vier Touren zusammengefasst, die am besten mit dem Fahrrad zu bewältigen sind. Mit dabei sind unter anderem der 18-Jährige Herrschinger Singer-Songwriter Jakob Mühleisen (12.30 Uhr in der Echinger Pestkapelle St. Sebastian), das Ammersee-Quartett (17 Uhr, St. Martin in Hechenwang bei Windach) und die Dießener Akkordeonistin Annette Rießner (12 Uhr, Aidenried, Hofkapelle Maria Schnee). Auf der Ostroute führt der Weg danach weiter zu drei Herrschinger und zwei Inninger Kapellen.

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Mit dabei ist Singer-Songwriter Jakob Mühleisen.

(Foto: oh)

Künstlerischer Höhepunkt aber ist eine Welturaufführung im ältesten Gotteshaus des Ammerseegebiets: In der romanischen Kirche in Schondorf spielt Christian Loferer, seit 2005 Hornist der Bayerischen Staatsoper, mit der Cellistin Fany Kammerlander seine Komposition "Jakobs Ruf". Im Chiemgau aufgewachsen, sieht sich Loferer in der Tradition seiner bayerischen Heimat verwurzelt und hat auch keine Berührungsängste vor kerniger Blasmusik. Er will alte Hör- und Konzertgewohnheiten aufbrechen und tritt regelmäßig mit dem Alphorn solo auf. Und auch Kammerlander ist eine Grenzgängerin zwischen E- und U-Musik, sie spielte schon mit John Zorn, in der Band von Konstantin Wecker und war mit Deep Purple auf Tournee.

Das Konzert um 11.30 Uhr in der 870 Jahre alten St. Jakobs-Kirche an der Schondorfer Uferpromenade ist der Auftakt zur Nord-Tour, zu deren Abschluss ein Heimspiel für den ehemaligen Abt des Klosters St. Ottilien ansteht: Notker Wolf, bis 2016 Abtprimas der benediktinischen Konföderation und mit seiner Band Feedback bekennender Rock-Fan, interpretiert in der Ottilienkapelle mit der Querflöte solo Werke von Händel, Zachow und Debussy. Interessant verspricht auch der Auftritt des Münchner Liedermacher-Duos Miriam Green und Lukas Häfner zu werden, die ihre Protestsongs in der ungewöhnlichen Instrumenten-Kombination Oboe und Gitarre begleiten (13.30 Uhr, Dießener Friedenskirche).

Das Programm des Kapellentags ist im Internet unter www.ammerseerenade.de einzusehen.