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Tutzing:Wahl-Prognosen am Biertisch

Politische Akademie

Ein kleiner Plausch geht immer: Beim Sommerfest der Politischen Akademie in Tutzing treffen die beiden FDP-Politikerinnen Britta Hundesrügge (li.) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Musiker Leslie Mandoki.

(Foto: Politische Akademie)

Beim Sommerfest in der Politischen Akademie trifft sich die Prominenz

Das Sommerfest in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing ist mehr als entspannter Smalltalk mit Seeblick auf der Terrasse. Vielmehr verknüpfte Direktorin Ursula Münch ihre Begrüßung von vielen Prominenten unter den 400 Gästen aus Politik, Wissenschaft, Kirchen und Tutzinger Nachbarschaft mit aktuellen politischen Analysen. Sie sprach über die neue Konfliktlinie in westlichen Gesellschaften, die Sprengkraft in Parteien trage. Sie verlaufe zwischen "anywheres" und "somewheres". Auf der einen Seite die flexiblen "Modernisierungsbegünstigten", die sich von Globalisierung, Europäisierung und Digitalisierung eher Vorteile versprächen und Konkurrenz von Migranten weder auf dem Arbeits-, noch Wohnungsmarkt fürchten müssten; auf der anderen Seite Menschen, die befürchteten, dass ihre Qualifikationen nicht mit den neuen Anforderungen mithalten könnten. Politiker tradierter Parteien wie Union, SPD und Linke würden den Modernisierungsgewinnern, kurz "der Elite" zugerechnet. Warum die Stimmung so viel konfrontativer geworden ist, Egoismus und Nationalismus um sich greifen? Es habe, so Münch, viel damit zu tun, "dass uns allen die Fähigkeit abhanden zu kommen scheint, neben unseren eigenen individuellen wie staatlichen Interessen auch die wohlbegründeten Interessen und Haltungen unserer jeweiligen Gegenüber zu berücksichtigen". Gute politische Bildung könne vermitteln, dass Konflikte nur unblutig gelöst würden, wenn die Interessen der anderen nicht ignoriert würden.

Rhetorisch fein verpackte Münch ihre Einschätzung der Regierungskrise. Sie werde keine Antwort geben auf die Frage, "ob es aus politikwissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist, ein Thema so zu besetzen, dass diejenigen, die man eigentlich von der staatlichen Handlungsfähigkeit auch in der Migrationspolitik überzeugen will, tatsächlich den Eindruck erhalten, das Staatsversagen stehe unmittelbar vor der Haustür." Explizit erwähnte die Akademiedirektorin den offenen Brief, in dem Tutzings Vize-Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg und Gemeinderat Thomas von Mitschke-Collande ihre Kritik am CSU-Vorsitzenden äußerten.

Was die kommenden zehn Wahlkampf-Wochen bringen und wie die Landtagswahl wohl ausgeht, waren viel diskutierte Themen an den Biertischen. Von Donnergrollen und ein paar Regentropfen ließen sich weder Bundestagsabgeordneter Michael Kießling (CSU) noch SPD-Landeschefin Natascha Kohnen oder die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze schrecken. Gut gelaunt genossen den Abend auch Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), der frühere Kultusminister Hans Maier, Bundeswehrhochschul-Präsidentin Merith Niehuss und Münchs Vorgänger Heinrich Oberreuter.

© SZ vom 25.07.2018
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