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Kampfkunst:Meister der Meister

In der Pa-Kua-Schule von Thomas und Andrea Braungart treffen sich die Cracks der Kampfkunst. Vorher führten die beiden Tutzinger eine Schreinerei, doch nun haben sie sich ganz dem Unterricht verschrieben

Sie hatten mal eine Schreinerei, doch Hammer und Säge haben Thomas und Andrea Braungart schon vor drei Jahren an den Nagel gehängt. Inzwischen verdienen sie ihr Geld anderweitig, als "Meister Thomas" und "Meister Andrea". Das hat allerdings nichts zu tun mit einer Glaubensrichtung oder so, sondern mehr mit den sportlichen Fähigkeiten der beiden Tutzinger. Sie haben sich seit gut zehn Jahren dem Pa-Kua verschrieben, einer alten Kampfkunsttechnik aus dem Reich der Mitte. Und vom Schüler haben es die Braungarts im Lauf der Jahre eben bis zur Meisterschaft gebracht.

So war es nur logisch, dass die beiden vor vier Jahren ihre eigene Pa-Kua-Schule gegründet haben, an der Hauptstraße in Tutzing. Und die lief dann binnen Jahresfrist so gut, dass die Braungarts seitdem nicht mehr schreinern, sondern Pa-Kua unterrichten. Wörtlich übersetzt, bedeutet Pa-Kua "Die acht Wandlungen". Die Braungarts führen eine der ganz wenigen Pa-Kua-Schulen in Deutschland, in München gibt es noch eine vergleichsweise junge, und in Hamburg ist ebenfalls eine. Dazwischen: nichts. In Tutzing haben sie rund 120 Schüler, die Hälfte davon Kinder, bei den Erwachsenen begeistern sich mehr Männer für den Kampfsport.

Meister also - diese Anrede wird denen zuteil, die es in mindestens drei Disziplinen bis zum schwarzen Gürtel gebracht haben. Das Besondere an Pa-Kua ist nämlich, dass hier mehrere Disziplinen unter einer Philosophie - manche sagen auch: Energie - vereint sind: etwa Kampfkunst, eine Art Yoga, Tai-Chi, aber auch Bogenschießen, Schwertkunst und Energiearbeit gehören dazu. "Es geht darum, zu sich zu kommen, und dabei die Flexibilität des Körpers zu trainieren", erklärt Andrea Braungart. Und: "Es gibt bei Pa-Kua auch keinen Leistungsdruck." Jeder, vom Kind bis zum Rentner, könne sich nach seinen Fähigkeiten und seinen Bedürfnissen seine Lieblingsdisziplinen heraussuchen. Meistens sind es ein oder zwei, denn mehr ist zeitlich nicht zu schaffen. Dann gibt es - ähnlich wie beim Judo - verschiedenfarbige Gürtel, die verschiedene Leistungsstufen kennzeichnen. Der Unterschied: "Beim Pa-Kua gibt es keine Prüfungen, man erhält den nächsthöheren Gürtel nach Einschätzung der Meister, wenn sich jemand weiterentwickelt hat", erklärt Andrea Braungart. Wer es in diversen Disziplinen bis zum Meister gebracht hat, darf diese als Piktogramme auf dem schwarzen Gürtel tragen.

Pa-Kua hat ein Argentinier namens Maglia Cano im Jahr 1976 wiederbelebt. "Er war Meister in verschiedenen Kampftechniken, und auf der Suche nach etwas Komplexerem", erklärt Andrea Braungart. So reiste er nach Südkorea, wo er Meister Ming traf, einen Chinesen im Exil. "Der hat ihn unterrichtet. Normalerweise wird Pa-Kua innerhalb einer Familie weitergegeben", so die Trainerin.

Doch nun tun dies andere, etwa Meister Moyano aus Argentinien und Meister Sadnri aus Brasilien. Moyano ist Träger des roten Gürtels und damit der Meister der Meister. Am vergangenen Wochenende war er in Tutzing, beim Europa-Treffen der Pa-Kua-Meister, das einmal jährlich stattfindet, die letzten Treffen waren in Basel und London. Drei Tage lang hat der Rotgürtler in der Tutzinger Turnhalle die Schwarzgürtel-Meister und weit fortgeschrittene Schüler aus ganz Europa täglich unterrichtet, in zwei Blocks à fünf Stunden, mehr als 50 Pa-Kua-Cracks nahmen an den Unterweisungen teil. Zehn Stunden - ist das nicht zu viel, auch für trainierte Menschen? "Nein", sagt Andrea Braungart, "die Energie trägt dich." Am Wochenende standen dann sogenannte "Open Classes" in München auf dem Programm.

Pa-Kua-Meister lehren in Tutzing; Drei Meister besuchen die Pa-Kua-Schule Tutzing

Meister Moyano kämpft auch mit Gastgeber Thomas Braungart (unten) aus Tutzing.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In ihrer Schule in Tutzing findet der Unterricht zur Zeit von 15 Uhr bis 20.30 Uhr statt. Einen Kurs in einer der acht Disziplinen - merke: die Zahl "8" ist wichtig im Pa-Kua - zu besuchen, kostet für Erwachsene 60 Euro im Monat, für Kinder 50 Euro.

Macht Pa-Kua aggressiv? Die Braungarts schütteln den Kopf. "Nein, schon von der ersten Stunde wird die Achtsamkeit in den Mittelpunkt gestellt, mit sich selbst, und mit seinem Gegner. Es gibt beim Pa-Kua kaum Verletzungen oder blaue Flecken." Und wie ist das bei der Smartphone-Generation, also bei Kindern? "Wir pushen sie ja nicht, so stellt sich häufig Ruhe und Entspannung ein", sagt Andrea Braungart.