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Tutzing:Es plätschert unter der Erde

Die Gemeinde muss Rohre von Ortsbächen sanieren

Die teilweise steilen Hanglagen, an denen sich der Ort ausgebreitet hat, bescheren Tutzing immer wieder Probleme. Dazu gehören mehrere Ortsbäche Richtung Starnberger See. Von Nord nach Süd zählen dazu Kalkgraben, Wolfsgrubengraben, Bareislgraben, Martelsgraben und Erlenberggraben im Zentrum sowie im südlichen Ortsteil Staudagraben, Buchengraben, Schlaggraben und Rötlbach. Die Bäche plätschern an vielen Stellen in Rohren gefasst im Untergrund dahin. Doch diese Rohre aus den 1950er- und 60er-Jahren sind teils schon gebrochen, teils einsturzgefährdet. Das hat eine seit 2017 laufende Bestandsaufnahme eines Ingenieurbüros ergeben. Weil die Bäche partiell die Hauptstraßensanierung im mittleren und nördlichen Bauabschnitt tangieren, sollen nach einer Prioritätenliste rasch die gravierendsten Mängel beseitigt werden. Allerdings sind davon teilweise Privatgrundstücke betroffen.

Priorität soll der Kalkgraben an der Mühlfeldstraße im Norden haben, da der nördliche Abschnitt zum Umbau der Hauptstraße dieses Jahr dem mittleren vorgezogen wird. Auch der Buchengraben im Süden steht bei Imme-Susanne Thüring, im Rathaus zuständig für Gewässer-, Umwelt- und Hochwasserschutz, ganz oben auf der Liste. Verrohrt ist er unter der Bebauung an der Ziegeleistraße. 20 bis 30 Meter seien dort zu sanieren. Kostenpunkt rund 100 000 Euro. Die Anlieger seien informiert, so Thüring zur SZ. Schwierig sei es aber derzeit, eine Baufirma zu finden.

Als "eins der größten Sorgenkinder" bezeichnet sie den Staudagraben. Der Bach fließt erst offen entlang der Monatshauser Straße, unterquert dann Lindemann-, Pischetsrieder Straße und Bahnlinie kommt am Gabrielenheim vorbei, läuft unter der Bernrieder Straße durch und mündet unterhalb der Seestraße beim Yachtclub in den See. Hier liegen Thüring zufolge marode Verrohrungen im Bereich Pischetsrieder Straße mit drei Metern sehr tief unter der Erde, auch unter Privatgrundstücken. Eine Handvoll betroffener Eigentümer sei angeschrieben worden. Sie seien "natürlich nicht begeistert", dass womöglich unter ihrem Haus oder in ihrem Garten gegraben werde. Man erwäge daher eine Art minimal invasiven Bypass, habe aber noch keine fixe technische Lösung. Alle Anlieger wollten aber weiterhin eine Verrohrung.

Diskutiert wurden im Umweltausschuss des Gemeinderats zuletzt auch alte Pläne, Ortsbäche weiter freizulegen. Thomas von Mitschke-Collande (CSU) verwies auf ein entsprechendes Gutachten zum Gewässerplan aus dem Jahr 2011, das auch die Renaturierung untersucht habe. Da habe man "gelegentlich schon mal reingeschaut", merkte Thüring dazu an. Aber konkret umgesetzt sei nichts, "da kein Geld". Was Mitschke-Collande schon ziemlich ärgerlich findet - ein Gutachten bezahlt und keinerlei Konsequenzen.

© SZ vom 01.02.2021 / manu
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