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Tutzing:Der Mensch im Mittelpunkt

Tutzing Pol.Akademie, Ausstellung GEDOK

Frauensache: Bei der Eröffnung der GEDOK-Ausstellung in Tutzing tauschten sich die Künstlerinnen und das Publikum rege miteinander aus.

(Foto: Arlet Ulfers)

20 Künstlerinnen stellen in der Politischen Akademie aus

Das Gleiche ist nicht dasselbe: Wie immer im Juni, so wurde auch dieses Jahr an einem Sommerabend die Ausstellung der GEDOK-Künstlerinnen in der Tutzinger Akademie für Politische Bildung eröffnet, mittlerweile zum 27. Mal. Die "Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde e.V." wurde 1926 in Hamburg gegründet, um Arbeits- und Ausstellungsbedingungen von Künstlerinnen zu verbessern, und feiert heuer ihren 90. Geburtstag. Im Vergleich dazu ist die Tutzinger Ausstellung noch jung, trotzdem hat man ihr jetzt eine Frischzellenkur verpasst: Mit Inge Kurtz und Penelope Richardson waren diesmal zwei neue Kuratorinnen am Start, die eine ganze Reihe neuer Künstlerinnen nach Tutzing geholt haben. Geblieben aber sind die "20 Positionen", so der Ausstellungstitel, und wie immer werden sie ein ganzes Jahr lang zu sehen sein.

Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten reicht von der Zeichnung über die Fotografie und die Collage bis hin zur Malerei auf Leinwand, außerdem sind Scherenschnitte und Arbeiten auf Alu-Dibond zu sehen. Ein großformatiger Wandteppich von Christine Altona in einem der Seminarräume erweitert das Spektrum noch einmal. Die übrigen Arbeiten sind dekorativ in der Eingangshalle, in den Gängen und in der Bibliothek verteilt. Bei vielen der ausstellenden Künstlerinnen stehe der Mensch im Mittelpunkt ihrer Arbeit, schreibt Inge Kurtz im Begleittext zur Ausstellung.

Dies gilt nun insbesondere für ihre eigenen Arbeiten, die in einer höchst interessanten Mischtechnik aus Zeichnung, Fotografie, Übermalung und Montage entstehen und als ebenso ironische wie poetische Kommentare zum Zeitgeschehen gelesen werden können. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die filigranen aber großformatigen Bleistiftzeichnungen von Anna Pfanzelt. Mit "Fußmarsch" hat sie eine Bildserie überschrieben, die sich mit dem Thema Bewegung beschäftigt, aber auch mit dem Individuum in der Masse.

Explizit politisch sind in dieser Ausstellung aber vor allem die Arbeiten von Penelope Richardson zu verstehen: "Unfinished Apoclypse" heißt die Serie von Gouachen, in denen sie mit malerischen Mitteln den Terror in Syrien darstellt. Heidrun Eskens widmet ihre Arbeit "Je ne veux pas mourir idiot" dem Satire-Zeichner Georges Wolinski von "Charlie Ebdo", der im Januar 2015 von Terroristen ermordet wurde.

Ursula Steglich-Schaupp zeigt eine Reihe von kleinformatigen Arbeiten, auf denen die Form eines Bootes ein wiederkehrendes Motiv ist, außerdem zwei große Gemälde aus ihrer Serie "Übermalungen". Silke Bachmann ist mit einer Serie von kleinen kolorierten Zeichnungen vertreten und Anne Fraaz-Unterhalt zeigt auch in diesem Jahr Arbeiten, für die ihr Tapeten als Malgrund dienen. Die aufgemalten Pflanzenmotive korrespondieren dabei mit den vorhandenen Strukturen und Mustern.

m großen Format entstehen hingegen die Zeichnungen von Renate Gehrcke: Mit vehementem Gestus bannt sie die Bewegungen von Tänzern aufs Papier. Ariane Kipp zeigt "Skulpturen" aus Farbe, die Österreicherin Ina Loitzl erinnert mit ihren "Hairytales" an die österreichische Kaiserin Elisabeth. Margret Kube zeigt kleine quadratische Landschaftsbilder, Ulrike Prusseit eine Installation aus Bildcollagen und Holzobjekten. Rosa Maria Krinner ist mit winzigen wasserfarbigen Psychogrammen vertreten, auch Regine Pohl präsentiert ihre "geliehenen Landschaften" ganz unprätentiös auf dem Papier eines Notizblocks. Anne Pincus zeigt höchst ungewöhnliche Bilder, die in Öl auf Papier entstehen. Ludowika Huber zeigt das Bild "Worms" und Annegret Bleisteiner die Gemälde "Matea" und "Elenea". Eva Kollmar schreibt Botschaften auf Objekte aus Tüten, Kartons oder Folien und Katja Fischer schließlich erzählt ihre Geschichten mit den Mitteln der klassischen figürlichen Malerei.

© SZ vom 04.07.2016
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