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TUM-Kolleg:Nagetierschlaf und künstliche Intelligenz

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Gauting stellen ihre Forschungsprojekte vor. Die Jugendlichen dürfen bei einer Operation im Klinikum rechts der Isar dabei sein und absolvieren Auslandspraktika

Von Charlotte Alt, Gauting

Die Aufregung ist ihnen anzuhören. Die jungen Wissenschaftler schalten Mikrofone ein, überprüfen noch einmal den Projektor und nehmen auf der Bühne Platz, die meisten wirken ziemlich entspannt. Doch als sie zu reden beginnen, flattern schon mal die Stimmbänder. Eineinhalb Jahre haben die fünfzehn Schüler des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting auf diesen Tag hingearbeitet: den Wissenschaftstag. Endlich dürfen sie ihre Forschungsarbeiten präsentieren. Die Zwölftklässler gehören dem TUM-Kolleg an, einer Kooperation zwischen der Technischen Universität München (TUM) und der Schule, die besonders begabte und naturwissenschaftlich interessierte Jugendliche fördern soll. "Wie viel Wissenschaft kann man an einer Schule denn schon machen?", scherzt einer der Kollegiaten. Die Antwort ist schnell klar: ganz schön viel.

Für den Wissenschaftstag haben sich die Jugendlichen ins Zeug gelegt. Mit Musik und Lichteffekten treten zwei Moderatorinnen auf die Bühne. Das sorgsam erarbeitete Programm gibt einen Überblick über das Kolleg und die Auslandspraktika, bietet Workshops für alle Zehntklässler an und endet mit einem Vortrag über Molekularküche von Raimund Marx, Professor für Chemie an der TUM, samt Experimenten. Im Publikum sind auch Gautings Rathauschefin Brigitte Kössinger und Bürgermeisterkandidat Hans Wilhelm Knape.

Im Mittelpunkt aber stehen die jungen Forscher. "Einblicke" ist das Motto des Tages, denn davon haben die Schüler in den vergangenen eineinhalb Jahren einige gesammelt. Vier Tage die Woche ging es für sie zur Schule, jeden Mittwoch dann zur TUM in verschiedene Fakultäten. Immer durften sie selbst Hand anlegen, zum Beispiel Zitronensorbet mit flüssigem Stickstoff herstellen, Glas blasen oder Mozzarella produzieren. Im Klinikum rechts der Isar waren sie sogar bei einer Operation dabei. "Innerhalb von so kurzer Zeit so viel Neues kennenzulernen", sei toll gewesen, sagt Jeanette Plechinger.

Der Stolz, ihre eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu präsentieren, ist den Kollegiaten anzusehen. Zehn Monate haben sie an ihren Forschungsprojekten gearbeitet, es geht um Schlafverhalten von Nagetieren, künstliche Intelligenz, Untersuchungen von Flusssediment oder Studien zur Reaktionskraft und Bewegungsgeschwindigkeit. Dominik Krepold forschte an der Bestimmung einer Darmkrebsart, er durfte dafür sogar eine Probe des Münchner Klinikums von 1990 benutzen. "Das war schon etwas sehr Besonderes."

Am Ende sind alle sichtlich erleichtert. "Es hat alles funktioniert", sagt Krepold. Kolleg-Koordinator Ralf Laupitz ist stolz auf seine Schüler. Sie seien sehr leistungsstark gewesen, haben aber auch als Gruppe gut harmoniert, findet er.

© SZ vom 31.01.2020

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