Starnberger See Tauchunfall an der Allmannshauser Steilwand

Nach einem Notaufstieg aus 30 Metern Tiefe müssen zwei Männer in die Druckkammer einer Klinik. Drei Hubschrauber sind im Einsatz. Am Sonntag mussten die Retter eine Vermisstensuche abbrechen

Von Christian Deussing, Allmannshausen/Possenhofen

Die Allmannshauser Wand im Starnberger See ist eines der beliebtesten Tauchreviere Deutschlands - und eines der gefährlichsten. Die Steilwand am Ostufer des Sees ist seit Jahren Schauplatz für schwerste Unglücke. Seit 1994 starben dort fast 20 Taucher, mehr als 40 wurden verletzt. Nun kam es dort in Höhe der Seeburg erneut zu einem Drama.

Laut Polizei befanden sich am Montagmittag vier Taucher im Alter zwischen 37 und 51 Jahren - ein Münchner und drei russische Besucher - in etwa 30 Metern Tiefe und stiegen gemeinsam bis auf 18 Meter auf. Ein 51-jährige Russe leitete aber aus unbekannten Gründen einen Notaufstieg bis zur Wasseroberfläche ein, woraufhin sein zugeteilter Tauchkamerad ihm an der Wand folgte. Oben angekommen klagte der zuerst aufgestiegene Taucher der Polizei zufolge über starke Schmerzen. Sofort wurde der Notarzt alarmiert, der mit dem verletzten Mann im Rettungshubschrauber in eine Klinik mit Druckkammer flog. Laut Feuerwehr sei der Mann zunächst bewusstlos gewesen. Sein Tauchpartner, der offenbar auch sehr schnell aufgestiegen war und leichtere Symptome aufwies, kam mit dem Rettungswagen vorsorglich zur Behandlung in die selbe Klinik.

Großeinsatz in Allmannshausen: Zu einem Unfall mit vier Tauchern an der Steilwand waren am Montagmittag vier Notärzte, drei Hubschrauber, Wasserrettung, Rettungsdienst und Polizei geeilt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die anderen beiden Taucher blieben nach ersten Erkenntnissen der Ermittler bei dem Vorfall unverletzt. Die Tauchausrüstung der verunglückten Freizeitsportler wurde von der Polizei sichergestellt - um zu klären, ob vielleicht auch ein technischer Defekt vorliegt; die Ermittlungen zu dem Fall dauern an.

Der bislang letzte tödliche Tauchunfall ereignete sich an der Steilwand am Karsamstag 2017: Ein 50-jähriger Landsberger war damals ums Leben gekommen.

Tod in der Tiefe

August 2003: Ein 27-jähriger Olchinger gerät in 82 Metern Tiefe in eine Atemkrise und verbraucht seine ganzen Luftreserven. Die verzweifelten Rettungsversuche seines Tauchpartners aus Egmating scheitern.

März 2007: Ein Tauchlehrer steigt mit vier Mann ab, beim Auftauchen fehlt ein 46-Jähriger. Seine Leiche wird sieben Tage später in 67 Metern Tiefe entdeckt.

Juni 2007: Ein 38-Jähriger aus Neustadt an der Donau wird beim Ausbildungstauchgang nach zwei Minuten bewusstlos und stirbt.

Juni 2011: Eine 29-jährige Münchnerin stirbt bei einem Tauchgang mit einer Gruppe erfahrener Freizeittaucher. Sie will aus zehn Metern aufsteigen, sackt plötzlich wieder ab.

Juni 2011: Nur zwei Wochen später stirbt ein 42-jähriger Tauchlehrer aus Weilheim bei der Ausbildung eines 29-Jährigen.

August 2011: Ein 35-jähriger Taucher aus Sachsen stirbt an der Steilwand. Seine Leiche wird aus 60 Metern Tiefe geborgen.

März 2013: Drei Rettungstaucher der Wasserwacht Fürstenfeldbruck verunglücken bei einem privaten Tauchgang. Ein 67- und ein 47-Jähriger sterben.

April 2017: Ein 50-Jähriger Landsberger steigt aus 30 Metern auf und stirbt. sz

Bereits am späten Sonntagabend hatte ein Spaziergänger bei Possenhofen eine massive Suchaktion ausgelöst. Der Mann hatte leise Hilferufe gemeldet, die er auf dem Starnberger See aus Richtung Leoni vom Westufer aus gehört hatte. Daraufhin gab es Großalarm. An der Suchaktion beteiligten sich zunächst die Wasserwacht Feldafing, die DLRG Possenhofen, Rettungswagen und ein Notarzt des Roten Kreuzes sowie Polizeistreifen. Nachalarmiert wurden noch drei Motorrettungsboote mit Breitbandsonar der Wasserwacht und ein Polizeihubschrauber, um die offenbar hilfesuchende Person zu finden, wie die Starnberger Kreiswasserwacht am Montag mitteilte. Doch trotz dieser aufwendigen Suche zu Wasser, aus der Luft und am Ufer mit Wärmebildkamera und mit einem Rettungshundeführer sowie Suchtrupps konnte niemand entdeckt werden. Auch wenn die Aktion dieses Mal ergebnislos verlaufen sei, zeige dies, dass man sich auch im Winter auf die Einsatzkräfte verlassen könne, betont der BRK-Kreisverband Starnberg.

Die groß angelegte Suchaktion wurde kurz vor Mitternacht abgebrochen. Es sei niemand als vermisst gemeldet worden, teilte am Montag die Starnberger Polizei mit. Auch Hinweise, dass jemand am Ufer etwas zurückgelassen hätte, gebe es nicht. Insgesamt waren etwa 35 Helfer und sechs Rettungsboote der Wasserwachten Starnberg, Ammerland, Feldafing, Tutzing und der DLRG Possenhofen sowie ein Polizeihubschrauber, ein Notarztwagen und drei Streifenwagen am Sonntagabend im Einsatz gewesen.