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Starnberg:Schwierige Entlastung

Stadtrat ringt um Trasse auf Höhe der Munich International School

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Seit Jahren wird über eine eigene Autobahnabfahrt in Höhe der Munich International School (MIS) diskutiert, um den Starnberger Ortsteil Percha zu entlasten. Lösungen wurden vorgeschlagen und wieder verworfen. Auch der Stadtrat hat am Montag nach eingehender Debatte entschieden, dass die aktuell untersuchte Trasse auf Höhe von Gut Buchhof nicht mehr weiterverfolgt werden soll.

Stattdesssen sind nun zwei andere Varianten im Gespräch: nordöstlich von einer Hecke und südwestlich von einem Gewässer mit Fröschen. Bei Untersuchungen zur Bestandserfassung von Amphibien waren nämlich stark gefährdete Arten gefunden worden wie Springfrosch, Laubfrosch und der noch etwas häufiger vorkommende Grasfrosch. Sie leben in dem Gewässer, das südwestlich des MIS-Parkplatzes liegt und stehen auf der Roten Liste.

Die ursprüngliche Trasse sah die Verlängerung der Beschleunigungsspur der Autobahnauffahrt in Percha um mehrere hundert Meter sowie die Verbreiterung des Standstreifens bis zu einer neuen Abfahrt auf die Buchhofstraße vor. Doch bei dieser Variante würde das Gewässer tangiert. Auch müsste eine artenreiche Hecke beseitigt werden. Laut Prüfungsbericht besteht daher "ein erhebliches artenschutzrechtliches Konfliktpotential". Eine andere Trassenführung, die südlich am Gewässer vorbeiführt, wird ausgeschlossen, weil dort keine Flächen zur Verfügung stehen und die Stadt dafür Grund erwerben müsste. Wenn die Ausfahrt verschoben würde in Richtung Norden, könnte zumindest die Hecke erhalten werden. Dort ist allerdings eine Erweiterung des MIS-Parkplatzes geplant. Christiane Falk (SPD) mochte diese Möglichkeit dennoch nicht ad acta legen. Man könnte doch mit der Schule verhandeln. Derzeit führt der Hol- und Bring-Verkehr zur International School aus Starnberg über Percha. Die Schule sei wesentlich am hohen Verkehrsaufkommen in Percha beteiligt. Eine eigene Ausfahrt müsste daher in ihrem eigenen Interesse liegen, so Falk.

Otto Gaßner (UWG) gab ihr Recht. Seiner Meinung nach wäre es juristisch durchaus denkbar, "den Parkplatz zu stutzen oder zu verlegen". Nach Angaben von Bürgermeister Patrick Janik hat diese Variante bei den Untersuchungen bislang "keine Rolle gespielt". Nun soll wenigstens mit der Schule verhandelt werden, ob sie sich an den Kosten beteiligt.

Franz Heidinger (BLS) war überzeugt, dass die alte Variante mit einer Abbiegespur nördlich des Parkplatzes möglich ist, obwohl das staatliche Bauamt sie aus Platzmangel kritisch betrachte. Er schlug vor, sie erneut zu prüfen. Sein Antrag wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt. Zumal Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) der Meinung ist, dass sich die Stadt das etwa zwei Millionen Euro teure Projekt angesichts der angespannten Haushaltslage in absehbarer Zeit ohnehin nicht leisten kann. Eine eigene Ausfahrt aus Richtung München steht derzeit übrigens nicht zur Debatte.

© SZ vom 28.10.2020

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