Rücktritt:Närrischer Intriganten-Stadl

Starnberg Kirchplatz Faschingstreiben

Stadtrat Gerd Weger ist nach 41 Jahren als Cheforganisator zurückgetreten.

(Foto: Treybal)

Gerd Weger tritt tief enttäuscht vom Posten als Organisator des Starnberger Faschings zurück

Von Peter Haacke, Starnberg

Irgendwann hat jeder Spaß mal ein Ende, auch wenn es noch so lustig scheint. Das ist jedenfalls die Haltung von CSU-Stadtrat Gerd Weger, dem insbesondere das Faschingstreiben in Starnberg seit vier Jahrzehnten eine überaus ernsthafte Angelegenheit ist. 1974 hat er - gemeinsam mit vielen Mitstreitern aus verschiedenen Vereinen - erstmals das muntere Fest am Faschingsdienstag organisiert, ganze Generationen von Starnbergern erfreuten sich am närrischen Treiben auf dem Kirchplatz. Doch damit ist es nun vorbei: Weger mag nicht länger den städtischen Ober-Narren spielen. Nach 41 Jahren ist er am Mittwoch er von seinem ehrenamtlichen Posten als Cheforganisator des bunten Treibens zurückgetreten. Grund für seine überraschende Demission: Weger reklamiert einen politischen Missbrauch des bislang stets unpolitischen Starnberger Faschingstreibens im Februar 2015 durch die WPS und fehlende Unterstützung in der Angelegenheit durch Bürgermeisterin Eva John.

Was war geschehen an jenem Faschingsdienstag, 17. Februar, auf dem Starnberger Kirchplatz? Hexen, Sträflinge, Ninjas, Marienkäfer und auch ein Pferd zelebrieren nebst Bob Marley und Conchita Wurst ihr Fest, als eine dreiköpfige Frauentruppe von der Wählergemeinschaft pro Starnberg auf den Plan tritt: Die "WPS-Frauen" setzen im Wahlkampf auf eine vermeintlich besonders originelle Idee und verteilen ein Flugblatt, das als "Faschingszeitung" dienen soll. "Intrigantenstadl -Faschingssonderausgabe" heißt das Blättchen, in der auf "lustige Weise" auf die Seeanbindung angespielt wird: Am 1. April könnten die Bootshütten, die der Gleisverlegung im Wege stehen, weggerissen werden und als Brennstoff fürs Osterfeuer dienen. Doch nicht jeder findet das lustig. Allen voran Gerd Weger, der versucht, der WPS Einhalt zu gebieten: Eine Vermischung von Fasching und Polit-Propaganda soll es nicht geben. Nach kurzer Diskussion ziehen die Wahlkämpferinnen ab. Doch der Vorfall hat ein Nachspiel.

Auch Bürgermeisterin John wird informiert. Doch die steht nicht etwa hinter ihrem damaligen Stellvertreter Weger, sondern nimmt die WPS in Schutz - eine Ohrfeige für den Mann, der sich seit Jahren ehrenamtlich für seine Heimatstadt einsetzt. Weger, den viele nur den "Kümmerer" nennen, engagiert sich unter anderem in der Kolpingsfamilie, im Verein "Die Brücke", in der Wohnungsbaugenossenschaft, er ist Träger der Kommunalen Verdienstmedaille. Als Weger im Mai bei der Wahl zum stellvertretenden Bürgermeister vor allem auf Betreiben der WPS durchfällt, ist das Maß voll: Weger ist zutiefst enttäuscht und gekränkt.

Lange habe er mit sich gerungen, ob er den Posten als Faschings-Cheforganisator weiter bekleiden soll, erklärte Weger am Mittwoch seinen närrischen Mitstreitern, die nun fieberhaft auf der Suche nach einem Nachfolger für die städtische Veranstaltung sind. John wurde am Donnerstag per E-Mail über den Rücktritt informiert, eine Reaktion aus dem Rathaus gibt es bislang nicht. Kulturamtsleiterin Annette Kienzle kündigte ein Gespräch mit der Bürgermeisterin an. Das "närrische Treiben" auf dem Kirchplatz - diesmal am 9. Februar 2016 - scheint dennoch nicht gefährdet zu sein: Starnbergs "Faschingsprofis" wollen an ihrer Veranstaltung festhalten.

© SZ vom 20.11.2015
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