Starnberg:Feuer verwüstet denkmalgeschützte Villa

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Ein Brand in Kempfenhausen verursacht eine halbe Million Euro Schaden. Die Polizei ermittelt gegen einen Handwerker, der Efeu abbrennen wollte.

Christian Deussing

KempfenhausenEin Feuer hat am Donnerstag die denkmalgeschützte, ehemalige Villa Lüderitz in Kempfenhausen verwüstet. Der Brand sei gegen 10 Uhr bei Arbeiten an der Außenfassade ausgebrochen und habe auf den Dachstuhl und das gesamte Haus übergriffen, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Nach Angaben der Ermittler zog sich ein 42-jähriger Handwerker eine schwere Rauchvergiftung zu; er musste auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden. Im Einsatz waren fast hundert Feuerwehrleute aus Kempfenhausen, Starnberg, Berg und weiteren Gemeinden sowie zwei Notärzte. Auch das Technische Hilfswerk musste ausrücken, um mit Baustützen zu verhindern, dass das 112 Jahre alte Gebäude am Sonnleitenweg einstürzt. Die Polizei schätzt den Schaden auf mindestens eine halbe Million Euro. Erst nach sechseinhalb Stunden war das Feuer unter Kontrolle. Eigentümer der herrschaftlichen Villa mit Eckturm und parkähnlichem Garten ist ein bekannter Bekleidungsunternehmer - er blieb unverletzt. Nach ersten Erkenntnissen hatte der beauftragte Handwerker die mit Stuck verzierte Außenwand streichen sollen. Vorher wollte der Maler Efeu mit einem Gasbrenner an der Hausmauer beseitigen. Sichtlich betroffen reagierte der Villenbesitzer auf den Brand. Er berichtete davon, dass er das seinerzeit sehr marode Anwesen mit "viel Herzblut" saniert habe. Jetzt hatte er für die Malerarbeiten mehrere Angebote von Fachfirmen eingeholt, die alle geplant hätten, den wuchernden Efeu abzubrennen. Nach dem Feuer am gestrigen Donnerstag wird nun laut Polizei wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen den 42-jährigen Handwerker ermittelt.

Brandbekämpfung an der Ruppert-Villa in Kempfenhausen

In Rauchschwaden gehüllt: Beim Brand des denkmalgeschützten Landhauses in Kempfenhausen entstand ein Sachschaden von einer halben Million Euro. Foto: Fuchs

(Foto: Sta Franz Xaver Fuchs)

Noch am späten Nachmittag befanden sich in der Villa einige Glutnester hinter den Verkleidungen. Zudem mussten die Feuerwehrleute große Löcher in die Decke unter dem Dachstuhl brechen, um das Löschwasser abfließen zu lassen. Die Einsatzkräfte mussten mit Atemschutzgeräten verkohlte Balken mit Beilen aufhacken und hatten mit dem starken Qualm zu kämpfen. Und immer wieder flammten Glutnester auf. Trotz des Großfeuers habe man wertvolle Gegenstände aus dem Haus retten können, sagte der Sprecher der Starnberger Kreisbrandinspektion, Anton Graf, der SZ. Seinen Angaben zufolge wird das Gebäude für einige Zeit nicht bewohnbar sein. Unklar ist bislang, auf welche Weise die Villa gerettet werden kann. Hierfür muss auch die Denkmalschutzbehörde eingeschaltet werden.

Das rund 25 000 Quadratmeter große Grundstück ist von einem Zaun und hohen Hecken umgeben. Erworben hatte es der jetzige Eigentümer nach Angaben des Kreisheimatpflegers Gerhard Schober Mitte der achtziger Jahre. Erbaut worden war die repräsentative Villa am Hang in Kempfenhausen um 1900 mit neubarockem Mansarddach und asymmetrischen Giebelrisaliten sowie Eckturm samt Haube. Durch mehrere Umbauten in der Vergangenheit ist Schober zufolge das Gebäude in seiner "Entwurfsqualität etwas reduziert" worden.

Zu den Bewohnern der Villa oberhalb des Starnberger Sees gehörte unter anderem der Konsul Carl Lüderitz, der das Anwesen 1921 erworben hatte. Genutzt wurde das Haus auch von der Arbeiterwohlfahrt.

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