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Starnberg:360 Engel für St. Stephan

Engel für St. Stephan

Himmlische Helfer: Pfarrerin Anne Stempel De Fallois, Philip Kohler und Kirchenvorstand Barbara Simons-Haasen (v.l.) mit Glasengeln und einer Sonderanfertigung für besonders großzügige Spender.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die evangelische Gemeinde unterstützt mit dem Verkauf die Sanierung

Von Sophia Linnenbrink

Starnberg - Engel sollen bei der Sanierung von St. Stephan in Söcking helfen. Die Rede ist zwar nicht von himmlischen Heerscharen, dafür aber von kleinen Cherubim aus Glas.

Etwa 1,1 Millionen Euro sind nötig, um die baufällige Kirche St. Stephan in Söcking vor dem Einsturz zu bewahren. 2018 ist in einem Gutachten festgestellt worden, dass die Statik der katholischen Kirche in Gefahr ist. Weil Einsturzgefahr besteht, ist St. Stephan seit 2020 geschlossen. Die aufwendige und kostspielige Renovierung übernimmt ein Spezialistenteam aus Architekten, Ingenieuren und Gutachtern. Und zu den Helfern gehören eben auch Engel.

Denn die evangelische und katholische Gemeinde Starnberg sollen sich mit 100 000 Euro an der Erneuerung beteiligen Doch die evangelische Kirche, die St. Stephan bis zuletzt genutzt hat, könne die 50 000 Euro nicht aufbringen, so Pfarrerin Anne Stempel-de Fallois. Deshalb ist die Idee entstanden, Fundraising zu betreiben: Bei der Aktion "Ein Engel für St. Stephan" werden kleine Glasengel verkauft, Repliken des Originals. So soll Geld für die Sanierung zusammenkommen.

Der echte Engel hat seinen Platz am Kirchenaltar in St. Stephan. Während der Barockzeit habe der Himmelsbote allerdings bei einer Kaufmannsfamilie in Starnberg gestanden, erklärt Stempel-de Fallois. Bei dem Söckinger Engel handle es sich um eine Schnitzarbeit aus Lindenholz, die ein unbekannter Künstler im frühen 18. Jahrhundert angefertigt habe. So wie das Original in der Kirche sollen die Glasrepliken als Schutzengel für die Käuferinnen und Käufer dienen, so die evangelische Gemeinde in einer Mitteilung.

Die kleinen Engel sind mittels 3D-Scan-Verfahren angefertigt und in Quaderform in Glas eingelassen worden. Sie zeigen innen ein Hologramm des Originals. Es gibt zwei Varianten: acht Zentimeter hohe Repliken, die 30 Euro kosten, und zwölf Zentimeter hohe Stücke für 60 Euro; letztere seien bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen und sollen in den nächsten vier Wochen nachproduziert werden. Die Glasengel sind in Starnberg unter anderem in den Pfarrämtern der Friedenskirche und von St. Maria erhältlich, bei Schreibwaren Zwickel, in der Söckinger Apotheke sowie bei Raumdekor Lettl.

Die Aktion hat auch eine Botschaft. Zwar werden die Glasengel Geld für die Renovierung der Kirche einbringen, trotzdem ruft Pfarrerin Stempel-de Fallois alle dazu auf: "Spendet für St. Stephan!" Denn mit dem Erlös aus dem Verkauf der insgesamt 360 Glasengeln allein, die für das Fundraising bislang angefertigt worden sind, seien längst nicht alle Kosten gedeckt, so die Pfarrerin. Die kleinen Glasrepliken sollen deshalb auch als Boten fungieren, durch die die Bürgerinnen und Bürger auf den hohen Aufwand der Renovierung aufmerksam gemacht werden. Die evangelische Kirche bittet deshalb auch um Spenden. Die Kontodaten finden sich auf der Homepage evangelisch-starnberg.de unter "Kontakte schnell zur Hand".

An den Renovierungskosten beteiligen sich neben dem Bistum Augsburg auch weltliche Stellen: die Stadt Starnberg, die Bayerische Landesstiftung, der Bezirk Oberbayern und das Landesamt für Denkmalpflege. Die katholische Kirche wurde bis zuletzt auch von der evangelischen Gemeinde genutzt. Das Gotteshaus war vor der notgedrungenen Schließung unter anderem ein Ort der Begegnung. Dort fanden Hochzeiten, Taufen und Konfirmationen statt.

© SZ vom 11.05.2021
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