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Tag der offenen Tür:Selfie mit Astronaut

Tag der offenen Tür bei der DLR; DLR Oberpfaffenhofen

Viele Besucher des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums in Oberpfaffenhofen nutzten die Gelegenheit für einen Rundflug im Segelflieger.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Nach zwei Jahren öffnete das Luft-und Raumfahrtzentrum seine Tore wieder für die Öffentlichkeit

Wenn der erste Mensch auf den Mars fliegt, wird er dort bereits eine Infrastruktur vorfinden. "Nach der Landung kann er gleich ins fertige Marshabitat einziehen", schwärmt Berthold Bäuml vom Institut für Robotik beim DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt). Die Behausungen werden aber nicht von grünen Marsmännchen aufgebaut worden sein. "Justin", der humanoide Roboter beziehungsweise seine Weiterentwicklungen sollen das Kunststück vollbringen. Justin ist der heimliche Star des DLR. Alle zwei Jahre, wenn das Zentrum zum Tag der offenen Türe einlädt, bilden sich lange Schlangen, um zu sehen, was Justin in der Zwischenzeit alles gelernt hat. "Justin hat jetzt einen Finger, der so empfindsam wie ein menschlicher ist", erklärt Bäuml. Sechs verschiedene Röhren aus Raufaser, Metall, Plastik oder Holz konnte die blauglänzende Maschine mühelos unterscheiden. Irgendwann werde Justin so weit sein, auf dem Mars alles für die Landung des Menschen vorzubereiten. Was zu tun ist, wird er bis dahin selbstständig entscheiden können. Das sei auch notwendig, denn da Signale zwischen Erde und Mars 20 Minuten bräuchten, wäre eine Fernsteuerung zu langsam.

Tausende von Menschen waren am Sonntag gekommen, um unter dem Motto "Völlig schwerelos" einen Blick hinter die Kulissen der Institute des DLR zu werfen - von der Robotik über die Atmosphären- und Klimaforschung bis hin zu der Erdbeobachtung und der Raumfahrt. Neben Justin gab es diverse andere Roboter zu bestaunen. Zum Beispiel "Toro", der kleine Halterungen auf einer Flugzeugwand anbrachte. Tausende solcher Bauteile müssten beim Flugzeugbau mühevoll von Menschen aufgeklebt werden. Diese langweilige Tätigkeit könnte irgendwann von Robotern übernommen werden. Ein paar Schritte weiter reichte der Roboterassistent Annette Hagengruber ein Getränk.

Geduld mussten die Besucher haben, die im Raumfahrtkontrollzentrum über die riesigen Monitore einen Blick ins All werfen wollten. Wer selbst fliegen wollte, konnte sich für einen Rundflug anmelden. Immer wieder sah man Segelflugzeuge fast senkrecht in die Luft starten und Kreise über den Platz ziehen. "Es war ein Wahnsinnsgefühl, so lautlos von der Luft getragen dahinzugleiten", sagte ein Passagier. Anderen Besuchern genügte es, sich am Boden in einen Segelflieger zu setzen oder eines der Forschungsflugzeuge von innen zu besichtigen. Wie es sich anfühlt, Hunderte Kilometer schwerelos über der Erde im All zu schweben, berichteten die Astronauten Gerhard Thiele und Léopold Eyharts. "300 Wissenschaftler haben drei Jahre lang gearbeitet, bevor wir gestartet sind", erklärt Thiele. Obwohl der Astronaut alle Handgriffe so oft geübt hatte, dass er sie wie im Schlaf beherrschte, "war meine größte Sorge, dass ich einen vermeidbaren Fehler mache, durch den die Forschungen der Kollegen zunichte gemacht werden", gestand Thiele. Anschließend stellten sich Hunderte Fans an, um eine Autogrammkarte signieren zu lassen und ein Selfie mit den Raumfahrern zu machen.

"Wir haben die ganze Welt im Kasten. Unser Missionsziel ist erfüllt", freute sich Stefan Buckreuß im Tech Lab. Die deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X seien "wie zwei Augen im Weltraum". Dank deren perspektivischer Sicht auf die Erde konnte die gesamte Erdkugel neu vermessen werden. Das digitale Geländebild kann übrigens abschnittsweise von Wissenschaftlern und anderen Interessierten gekauft werden. Die Daten in einer gröberen Auflösung sollen bald frei verfügbar für alle Nutzer sein.

Die kleinen Besucher konnten Taschen gestalten, Papiersatelliten zusammen kleben und Raketen ausmalen. Mit denen wären sie dann wohl am liebsten nach Hause geflogen, anstatt sich in den dichten An- und Abfahrtsverkehr vor dem DLR zu stellen.