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Nepomuk:Prosit mit Rotwein und See-Wasser

Es ist ein Jammer! Schon wieder ein Abschied, der nicht gefeiert werden kann. Diesmal der von Bergs Bürgermeister Rupert Monn

Von Eurem Nepomuk

Liebe Leut', geht's Euch auch so? Wenn es draußen so kalt, grau und regnerisch wie jetzt ist, hilft nur eines: sich mit netter Gesellschaft ins Warme zurückzuziehen. Tja, nur an diesem Freitag wurde da nichts draus. Denn mein Plan für diesen Abend hat sich zerschlagen: Nach Berg wollt' ich. Genauer gesagt in den Gasthof zur Post im Ortsteil Aufkirchen. Zum Abschied von meinem Spezl, dem Berger Ex-Bürgermeister Rupert Monn, und seinen zehn Getreuen, die wie er graue, kalte und regnerische Herbstabende nicht mehr in trauter Runde im Gemeinderat verbringen. Und deshalb hätten sie gern miteinander geratscht und es sich gut gehen lassen.

Verdient hätten sie es ja. Genauso wie der Carlo Roth, der auch gern seinen Abschied aus dem Landratsamt gefeiert hätte. Doch wie dem Rupert jetzt im Herbst machte dem Carlo im Frühjahr dieses depperte Virus einen Strich durch die Rechnung. Nix Feier. Meinem Spezl Rupert hat das damals arg leid getan. Und darum hat er eine Weile nachgedacht und dann einen Stammtisch ins Leben gerufen. Mit allen Ehemaligen, den Bürgermeistern wie Landräten, also dem Heinrich Frey und dem Carlo. 19 sind beim ersten Treffen im September zum Weißwurstfrühstück erschienen. Wo? Im Andechser Bräustüberl.

Der Rupert fand das dort sehr ok. Andechser Bier schmeckt ihm ja, auch wenn er selbst daheim nur Reutberger Bier trinkt, weil er dort ja Genosse ist. Normalerweise übrigens kommt ihm meist nur Dunkles ins Haus. Nur nicht an diesem Freitag: Da gab's hellen Bock. Weil wenigstens irgendwas anders und besonders sein sollte an diesem Tag, wenn er schon nicht feiern durfte. So in etwa hat er mir das selbst erzählt und dabei schon recht traurig geklungen.

Am besten verstanden hat das wohl der Carlo. Der wäre bei der Feier am Freitag auch dabei gewesen und hatte sich riesig drauf gefreut. Stattdessen saß auch er daheim mit einem Glaserl, gefüllt zwar nicht mit hellem Bock - weder aus Reutberg noch aus Andechs. Sondern mit einem guten Rotwein. Weil er mit was Besonderem auf Ruperts Wohl trinken wollte. Das hab' ich übrigens auch gemacht. Und mich deshalb für stilles Starnberger See-Wasser entschieden. Weil das bekanntlich tief ist. So wie meine Stimmung an kalten, grauen und regnerischen Herbsttagen.

© SZ vom 17.10.2020

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