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Nepomuk:Heiße Luft in Dosen

Der Dompteur vom Circus Krone macht mit den Hinterlassenschaften seiner Löwen noch Kasse. Das könnte unsere Bürgermeister auf schlaue Ideen bringen

Kolumne von Eurem Nepomuk

Es ist ja nicht zu fassen, woraus man alles Geld machen kann. Liebe Leut', Ihr habt es bestimmt gehört, was der Circus Krone neuerdings in seinem Altenheim für dressierte Tiere in Mischenried bei Weßling verkauft. Was Löwe und Tiger so hinterlassen, kommt in Marmeladengläser und wird dann mitsamt dem strengen Geruch luftdicht verpackt in ganz Deutschland verschickt. Ein günstiger Rohstoff, der immerhin fünf Euro pro, ähm, Stück bringt. Unter uns: Wäre etwas in der Art nicht auch eine Geschäftsidee für die Bürgermeister im Fünfseenland, die sich immer beklagen, dass ihnen das Geld ausgeht, um ihre Kassen aufzubessern?

Dicke Luft aus dem Starnberger Stadtrat zum Beispiel. Da müsste sich doch von der vorherigen Amtsperiode was abgelagert haben in der einen oder anderen Nische im Keller der Schlossberghalle. Das hält sich bestimmt ein halbes Jahr. So ein leicht reizendes Gemisch aus Vorwürfen, Unterstellungen und Beschimpfungen. Beim Abfüllen müsste man halt Obacht geben. Aber das wäre doch ein hübsches Mitbringsel, für Koalitionspartner in der Staatskanzlei etwa. Oder für Ehepaare, die wegen Corona auf ihren Urlaub verzichten mussten. Rein in die Konservendose, fest verschließen, ein netter Aufkleber mit Stadtsilhouette drauf, fertig ist das Souvenir aus Starnberg.

Oder, und das aber dann in aufwendig gestalteten Flacons und sauteuer: der Geruch des Geldes, der Odeur des Reichtums, ein Hauch von Luxus. Das sollte sich doch in den Toplagen von Feldafing oder Pöcking aus der Luft herausdestillieren lassen, wenn es einigermaßen windstill ist. Mit Echtheitszertifikat und Mindesthaltbarkeitsdatum bis zum nächsten Börsencrash.

Nur für die Gautinger, die besonders arm dran sind, wie die Bürgermeisterin Brigitte Kössinger immer sagt, fällt mir noch nichts Gescheites ein. Frisch durchgeplanschtes Chlorwasser aus dem kleinen Schwimmbecken im Freibad? Original vom historischen Mühlrad beim Lederersteg geschaufeltes Würmwasser? Oder 90 Grad heißes Wasser aus der Tiefe, wenn das mit der Geothermie doch noch was wird? Das ist alles noch nicht so richtig ausgegoren.

Jedenfalls hat der Mailänder Konzeptkünstler Piero Manzoni sehr erfolgreich so etwas ähnliches gemacht wie der Krone-Dompteur Martin Lacey junior. Nur ohne Löwen halt. Die Wertsteigerung soll enorm gewesen sein. Dann doch lieber heiße Luft in Dosen. Müsste doch vom Wahlkampf noch ein bisschen was übrig sein. Diesen unverpackten Geistesblitz schenkt Euch

© SZ vom 08.08.2020

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