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Nach Absage der Bürgerversammlung:Eifrige Starnberger

Tempolimit von 40 km/h auf der Hanfelder Straße in Starnberg

Tempo 40 ist zu laut: Die Stadt möchte die Geschwindigkeit am Hanfelder Berg auf 30 km/h senken.

(Foto: Stadt Starnberg)

In Coronazeiten stellen Bürger mehr Anträge denn je an die Stadt

59 Anträge und 22 Anfragen: Starnbergs Bürger haben die Gelegenheit so ausgiebig wie nie zuvor genutzt, anlässlich der pandemiebedingt abgesagten Bürgerversammlung im November der Stadtverwaltung ihre Anliegen schriftlich darzulegen. Bürgermeister Patrick Janik, der seinen Rechenschaftsbericht per Internet präsentierte, hatte zugesagt, sämtliche Anträge ohne die sonst erforderliche Abstimmung fristgerecht in die Gremien zu bringen. Die thematische Vielfalt ist enorm. Ein Schwerpunkt ist der Komplex Verkehr: Eine Aufgabe für den Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität, der sich am Donnerstag mit dem ersten Teil des Pakets befasste. Zur Debatte standen 20 Anträge aus der Bürgerschaft.

Querungshilfen

Ein Ausbau der Querungshilfe zwischen Possenhofener Straße und Museumsweg mittels Bedarfsampel (Kosten: 50 000 Euro) für Fußgänger wird abgelehnt: Die Bahnhofstraße soll im Lauf dieses Jahres temporär umgestaltet werden. Der Umbau der Kreuzung Leutstettener, Josef-Jägerhuber- und Kaiser-Wilhelm-Straße wird ins Jahr 2022 verschoben, der Bau eines Zebrastreifens oder einer Verkehrsampel wird geprüft. Stetes Ärgernis sind Autofahrer, die in den Kreuzungsbereich am Tutzinger Hof einfahren und dann den Fußgängerüberweg blockieren. Zwar wurde hier 2018 eine Staukamera installiert, doch die schaltet die Ampel lediglich früher auf Rot - was oft genug ignoriert wird. Ob eine Ahndung von Rotlichtverstößen möglich ist, soll mit der Polizei geklärt werden. Der Bau einer Querungsinsel am Ortsausgang von Wangen wurde bereits 2009 beantragt, doch das Staatliche Bauamt sträubt sich, weil nur auf einer Seite der Straße ein Gehweg vorhanden ist. Allein die Baukosten wurden auf 150 000 Euro geschätzt, hinzu käme der Grunderwerb.

Söcking

Eine Vielzahl von Anträgen und Anfragen betrifft den Ortsteil Söcking. Die Stadtverwaltung setzt große Hoffnungen auf ein "Integriertes Stadtentwicklungskonzept" (ISEK) mit Bürgerworkshop, das im Frühjahr wesentliche Erkenntnisse bringen soll. Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf der Andechser Straße ist aufgrund verkehrsrechtlicher Voraussetzungen nicht möglich. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass die einstige Staatsstraße mit Flüsterasphalt saniert wird.

Landstetten

Im Ortsteil Landstetten wird das Landratsamt prüfen, ob zusätzlich zur Querungsinsel eine Ampelanlage (Kosten: 50 000 Euro) installiert werden kann. Ebenfalls geprüft werden soll - in Abstimmung mit der Polizei - die Einrichtung einer Tempo-30-Zone. Es wird weiterhin Geschwindigkeitsmessungen geben, die Einrichtung von Bremsschwellen lehnte der Ausschuss ebenso ab wie die Wechselbepflanzung zwei kleinerer Verkehrsinseln. Der Dorfplatz unter der Linde wird künftig - zweimal im Herbst und einmal im Frühjahr - von Mitarbeitern des Betriebshofs von Laub und Ästen befreit.

Durchgangsverkehr

Die Stadt von Durchgangsverkehr entlasten und den Verkehr in der Innenstadt beruhigen möchten die meisten Starnberger. Doch das Thema ist komplex und Wirkzusammenhänge einzelner Maßnahmen sind nicht ohne spezialisierte Fachbüros erkennbar. Auf der Agenda stehen unter anderem: B2-Tunnel, noch ausstehende Voruntersuchungen zur Machbarkeit einer Umfahrung, Umgestaltung von Münchner-, Haupt- und Weilheimer Straße, Abstufung von Hanfelder und Söckinger Straße, Schul- und Wohnviertel zwischen Hanfelder Straße und Bahnlinie, Optimierung ÖPNV, Neuordnung des Bahnhofplatzes sowie Rad- und Gehwege. Bei den anstehenden Planungen sollen weitestgehend die Ziele des Konzepts "Lebendiges Starnberg" berücksichtigt werden.

Radverkehr

Wer sich in Starnberg auskennt, ist per Radl zuweilen schneller unterwegs als mit dem Auto. Wunsch vieler Radfahrer ist es, Einbahnstraßen auch entgegen der Fahrtrichtung befahren zu dürfen - etwa im Lindenweg. Allerdings müssen Polizei und Landratsamt darüber befinden, weil dieser Weg die B2 mit der Possenhofener Straße verbindet. Die Ludwigstraße wird vorerst nicht freigegeben: Tiefgaragenausfahrt und Einmündung zur B2 bergen Konfliktpotenzial. Zudem existiert eine Alternativroute über den Kirchenweg. Weiterhin auf der Wunschliste: Ein Radweg entlang der B2 zwischen Waldspielplatz und Grubenstraße und eine verbesserte Verkehrsführung im Bereich Gautinger und Leutstettener Straße. Die Vorfahrtsregelung auf der Andechser Straße wird geändert: Künftig haben Radfahrer Vorfahrt vor land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen. Bestehen bleibt das Radlfahrverbot auf der Seepromenade, weitere Beschilderungen gibt es aber nicht. Der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt hat keine Handhabe gegen Radlfahrer - im Gegensatz zu Polizei und "Bayerischer Sicherheitswacht", deren Aufbau sich aber wegen Corona derzeit verzögert.

Temporeduzierung

Auf der Hanfelder Straße - ebenso wie die Söckinger Straße zur Ortsstraße abgestuft - bleibt es für Lkw nach Rücksprache mit dem Landratsamt bei einer Tonnage-Beschränkung auf zwölf Tonnen. Anwohner hatten aus Lärmschutzgründen eine Beschränkung auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht beantragt. Die Umgestaltung zur "Wohnsammelstraße" ist rechtlich nicht möglich, ebenso wenig wie eine weitere Verengung der Fahrbahn oder eine Nutzungsbeschränkung für Anlieger. Auf beiden Straßen ist zu Nachtzeiten eine Reduzierung auf Tempo 30 angestrebt, Lärmschutzgutachten sind in Auftrag gegeben.

ÖPNV

Eine Busanbindung von Starnberg zur Münchner U-Bahn-Station "Harras" wird nicht befürwortet, die Verwaltung schlägt eine Anbindung an Fürstenried West oder Großhadern vor. Eine Express-Buslinie vom Gewerbegebiet Schorn nach München ist derzeit irrelevant. Nicht genutzte Buswartehäuschen an Haltestellen, die nicht mehr angefahren werden, bleiben stehen: Ein Umsetzen ist zu aufwendig.

Sonstiges

Wegen steigender Verkehrszahlen hat ein Anwohner der Andechser Straße in Richtung Perchting einen Erdwall als Lärmschutz entlang seines Anwesens beantragt. Die Stadt will die Sachlage mit dem Staatlichen Bauamt klären und den Lärmschutz prüfen lassen. Auf der bei Radfahrern und Tagesausflüglern beliebten Strecke vom Kühtal nach Maising sind künftig Geschwindigkeitsmessungen zu erwarten. Ein Winterdienst auf dem Fußweg zwischen Prinzeneiche und Heimeran-Weg wird weiterhin abgelehnt.

© SZ vom 16.01.2021 / phaa
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