Mückenplage am Ammersee:Blutsauger aus dem Naturschutzgebiet

Lesezeit: 2 min

Mückenplage am Ammersee: Stimmen die äußeren Bedingungen mit viel Feuchtigkeit und Hitze, entwickeln sich die Stechmückenpopulationen prächtig. In diesem Jahr halten sich die Plagegeister aber bislang zurück.

Stimmen die äußeren Bedingungen mit viel Feuchtigkeit und Hitze, entwickeln sich die Stechmückenpopulationen prächtig. In diesem Jahr halten sich die Plagegeister aber bislang zurück.

(Foto: Jochen Lübke/dpa)

Eine Stechmücken-Armada verleidete den Bürgern in Eching 2019 den Sommer, es folgte die Forderung der radikalen Bekämpfung. Doch Experten weisen nach: Es war nur ein temporäres Phänomen.

Von Renate Greil

Diesen Sommer ist noch wenig von ihnen zu merken. Vielleicht auch deshalb kamen nur relativ wenige Bürgerinnen und Bürger zur Vorstellung des Konzeptes zur Bekämpfung von Stechmücken im Rahmen einer Sondersitzung des Echinger Gemeinderates. In früheren Jahren war das anders: Nach der starken Mückenplage vor drei Jahren etwa hatte sich eine große Mehrheit in einem Bürgerentscheid im November 2019 für den Einsatz des Eiweißpräparats BTI ausgesprochen. Für die Ausbringung des Bakterienextraktes "Bacillus thuringiensis israelensis" auf Brutstätten hatte die Regierung von Oberbayern etliche Auflagen gemacht, die die Gemeinde erfüllen müsse, erklärte nun Bürgermeister Siegfried Luge (CSU). Ein wichtiger Schritt hin zum Handeln ist das Konzept, das von Silke Göttler (Biogents AG, Regensburg) und Johann Schmidt (Ökon Gmbh, Maxhütte-Haidhof) vorgestellt wurde. Letztes Jahr wurde gezählt und gemessen. Doch in Eching gab es 2021 laut Monitoring nur "eine schwache Mückenplage", wie Göttler feststellte.

Die Überschwemmungsmücken sind zahlenmäßig am häufigsten, sie kommen überwiegend aus Naturschutzgebieten

Schmidt erfasste potentielle Brutstätten für die Stechmücken und glich diese mit Biotop- und Schutzflächen ab. "Große Bereiche liegen im Naturschutzgebiet", sagte er. Beprobt wurden 15 Gewässer, die nur bei Überschwemmungen entstehen. Zudem machte Göttler ein Monitoring der adulten Stechmücken an sechs Standorten mit Kohlendioxid-Einsaugfallen mit einem Duftstoff als Lockmittel, der nach menschlicher Haut riecht, sowie einer permanenten Falle, die seit 2018 an der Kläranlage zählte und online die Daten übermittelte. Unterstützt wurde Göttler dabei von Helfern vor Ort, die alle zwei Wochen die Forscherfallen aktivierten und die Fangbeutel einfroren. Sie ermittelte 2021 ein erhöhtes Mückenaufkommen im Juli und August mit 649 Überschwemmungsmücken, 17 Wald- und 123 Hausmücken.

Nur auf wenigen Flächen ist der Einsatz von BTI möglich, der zudem den Vogelbestand gefährdet

Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, da die Arten unterschiedlich bekämpft werden und nur bei Überschwemmungsmücken mit BTI gearbeitet werden soll. Auch die Larvenbeprobung, bei der im Vorjahr 38 Gewässer untersucht wurden, ergab, dass fast alle Individuen Überschwemmungsmücken waren. Als wesentliche Brutstätten identifizierte Schmidt Kleingewässer wie Wiesenseigen, temporäre Altwässer, stehende temporäre Gräben sowie überschwemmte Schilfbestände. Nur ein paar Flächen, etwa entlang des Ammerseeufers und im Anschluss ans Naturschutzgebiet Ampermoos blieben übrig, bei denen derzeit ein Einsatz von BTI möglich ist. Schmidt und Göttler schlagen deshalb einen Stufenplan und eine Kombination mit dem Einsatz von Fallen in Privatgärten und öffentlichen Bereichen vor. Schmidt wies auch auf die Problematik der BTI-Anwendung hin, da diese nach neueren Untersuchungen am Oberrhein die Nahrung zum Beispiel für Vögel deutlich reduziert und diese sich weniger fortpflanzten.

Hier sah eine Bürgerin einen alternativen Ansatz und forderte, für den Bestand von Schwalben und Fledermäusen etwas zu unternehmen. Schmidt empfahl Freiwillige zu organisieren, die vier bis fünf ausgewählte Bereiche wöchentlich abgehen und beobachten, denn beim Einsatz von BTI gebe es nur ein sehr kleines Zeitfenster. Hier bot der Verein "Mückenplage Nein Danke" in der Sitzung in der Sitzung spontan Hilfe an. Der Gemeinderat will nun beraten, wie es konkret weitergeht, sagte Bürgermeister Luge.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusVielfalt im Garten
:"Wir brauchen Giftpflanzen"

Klar, von giftigen Pflanzen hält man lieber Abstand. Oder? Unterwegs in einem Garten, in dem auch Eisenhut, Mohn und Buchs wachsen dürfen - und eine Giftpflanze, die wohl die allermeisten schon auf dem Teller hatten.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB