Kunst Überraschend prägnant und poetisch

Der Künstlerkreis Ammersee zeigt im Wasserturm der Beamtenfachschule in Herrsching seine Jahresausstellung "Momente"

Von Katja Sebald, Herrschin

Mit "Momente" ist die Jahresausstellung des Künstlerkreises Ammersee überschrieben, die derzeit im Wasserturm der Beamtenfachhochschule in Herrsching zu sehen ist. 24 künstlerische Positionen sind vertreten: Überraschendes, Prägnantes, Politisches, Poetisches, Buntes und auch schlichtweg Banales gibt es diesmal zwischen den Stellwänden zu entdecken.

Jeder Aussteller hat außerdem ein Statement abgegeben, was das Thema für ihn bedeutet. "Viele Momente bilden das Leben", befindet etwa Daisy Fischer, die als Autodidaktin zur Bildhauerei fand und im kleinen Format schlichte Holzskulpturen mit verschiedenen figürlichen Darstellungen zeigt, darunter auch eine "Gehwegbegegnung" - ein Wort und ein Kunstwerk, das man auf durchaus unterschiedliche Weise lesen kann. "Momente der Begegnung" hat auch die Bildhauerin Marianne Schweigler geschaffen, die ihre unverwechselbaren Figuren aus Ton, Holz und Metall mit den maskenhaft-eindringlichen Gesichtern meist zu Gruppen zusammenstellt.

Bezaubernde Momente: die Jahresausstellung des Künstlerkreises Ammersee begeistert unter dem Titel "Momente".

(Foto: Nila Thiel)

Iris von Huene zeigt eine konzeptionelle Arbeit, die unter dem Titel "every single second" Gewalt und Umweltzerstörung thematisiert. Ela Bauer hat sich mit einer Rauminstallation aus Schrift und Bild mit "Freiheit" auseinandergesetzt, die für sie "in jedem Augenblick eine Frage von Bewegung und Gleichgewicht" ist.

Zu den spannendsten bildhauerischen Arbeiten in dieser Ausstellung aber gehören die merkwürdig medusenhaften Objekte von Doris Leuschner, die in einem ungewöhnlichen Materialmix aus Wachs, Silikon, Bambus und Kupferdraht entstehen und sich auf ihren Podesten räkeln, als würden sie noch "leben".

"Hinterzimmer" von Eva Zenetti.

(Foto: Nila Thiel)

Von "Momenten" kann mal wohl bei der Arbeit von Monika Gebhardt kaum mehr sprechen: Sie setzt ihre kuriosen Objekte aus einer Vielzahl von kleinen Röllchen zusammen, die sie, jedes einzeln, aus Klebeband dreht. Eine Geduldsarbeit dürften auch die großformatigen Blätter gewesen sein, die Ulrike Hartmann mit winzigen Filzstiftpunkten bedeckt hat, um einen "Augenblick des Himmels" entstehen zu lassen.

Im Bereich der Malerei hat Elke Hack das Thema in einer 30-teiligen Bildserie umgesetzt, die sie als "Verdichtete Momente" bezeichnet: Sie zeigt kleine, minimalistische Stadtansichten und Landschaften, die durch ihre intensive Farbigkeit auf sich aufmerksam machen. Aus Feldern und Flecken in leuchtenden Farben bestehen auch die abstrakten Bildkompositionen von Jeanne Dees. Die Bilder von Carin Munzert sind von zurückhaltender Abstraktion, die von Isabelle Chrétien-Brocker hingegen ebenso opulent wie unverbindlich. Ernst Bachmaier zeigt großformatige Druckgrafiken mit Landschaftsdarstellungen und Konstanze von Websky eine Serie von Holzschnitten mit dem Titel "Momente der Stille". Im Bereich der Fotografie reicht die Bandbreite von den gänzlich unbearbeiteten Bildern von Monika Propach-Voeste bis zu den extrem ausgereizten Unschärfen bei Gesine Dorschner.

Eine Reflexion über die Freiheit: Ela Bauers Mobile.

(Foto: Nila Thiel)

Ingrid Sidow-Sum zeigt in ihren surreal anmutenden Collagen "Momente eines Traums". Stefan Fichert präsentiert noch einmal die mit einer Lochbildkamera entstandenen Bilder von Gauting. Johannes Hofbauer ist mit Holzobjekten vertreten. Camilla Nicklaus-Maurer hat erst einmal im Duden nachgelesen, was dort unter "Moment" steht und dann einen "Geruchsmoment" geschaffen. Thomas Müller hat aus einer Schallplatte ein Puzzle gebaut. Ursula Steglich-Schaupp zeigt eine Auswahl aus ihrer Reihe "Stadt, Land, Fluss". Eine ganze Reihe der ausgestellten Arbeiten war in jüngster Zeit bereits in anderen Zusammenhängen zu sehen.

Nicht alle Künstler aber haben sich das Thema so humorvoll zurechtgebogen wie Susanne Mansen. Sie findet: "Momente - als Omen genommen - enthalten Tee, Ton und eine Ente." In ihren bezaubernden Bildgeschichten, die mit Tusche und fein verlaufender Farbe auf Nessel entstehen und manchmal auch genäht und gestickt werden, finden sich dann ein "heiterer Sessel" und ein "armer Hund" sowie viele höchst merkwürdige Wunderwesen, die lauthals mit den Hufen klappern oder sich im "no man's land" durchschlagen müssen.

Die Ausstellung "Momente" ist noch bis zum 19. Juni 2018 von Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Wasserturm der Beamtenfachhochschule in Herrsching zu sehen.