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Kunst:Novemberstimmung

Schwebende Totenhemden, Insektenzeichnungen unter Glas, Schwarz-Weiß-Fotografien: Diverse Künstler zeigen an diesem Wochenende ihre Arbeiten in vier Galerien. Im Kerschlacher Forst können Besucher selbst zum Pinsel greifen

Von Katja Sebald, Berg/Starnberg/Pähl

Ein Wochenende voller Kunst: Bevor sich die sogenannte "staade Zeit" der Adventsmärkte und Weihnachtskonzerte mit aller Unerbittlichkeit auch auf das Fünfseenland herniedersenken wird, kann man jetzt noch einmal an vielen Orten darstellende Kunst und zuweilen auch wehmütige Erinnerungen an einen großartigen Sommer genießen.

Das Ausstellungswochenende hat am Freitagabend mit der Eröffnung der Mitgliederausstellung des Berger Kulturvereins im ehemaligen Marstall von Schloss Berg, Mühlgasse 7, begonnen. Traditionell bestücken die teilnehmenden Künstler nicht nur den Ausstellungsraum, sondern am Vernissageabend auch ein ebenso kreatives wie üppiges Büffet. Insgesamt haben in diesem Jahr 53 altgediente, wieder aktive oder ganz neue Vereinsmitglieder ihre Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Bildhauerei und Objektkunst eingereicht.

Fritz Güllichauch zeigt "Die drei Schwestern", eine Arbeit aus Keramik auf Goldgrund. Die runden Schießscheiben hat er mit Luftgewehrbolzen versehen.

(Foto: Arlet Ulfers)

"So viele wie nie zuvor", sagt die Vereinsvorsitzende Lucie Plaschka erfreut. Sie selbst ist mit ihrer Installation "Vergessene Seelen" vertreten: aus Papier geschneiderten und mit einem Ornament aus Brandspuren überzogenen, zarten Totenhemden, die sie frei im Raum schweben lässt. Zur Novemberstimmung passt auch das gruselgrüne Leuchten aus den Augen der Keramikmasken von Fritz Güllich. Sophia Hößle hingegen hat den Sommer über Insekten in Lebensgröße gezeichnet und präsentiert diese bezaubernd filigranen Kunstwerke auf winzigen Zettelchen nach Art der Schmetterlingsfänger mit Stecknadeln festgepinnt unter Glas. Dies und noch vieles mehr ist nur noch am 17. und 18. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr zu entdecken.

Die afrikanische Skulptur ist bei den Aukio-Ateliertagen im Kerschlacher Forst ausgestellt.

(Foto: OH)

Ebenfalls bloß ein Wochenende lang dauert die kleine Ausstellung in der Galerie Habdank an der Maxhöhe 34 in Berg. Wie jedes Jahr im November öffnet sich das ehemalige Atelier des 2001 verstorbenen Malers und Grafikers Walter Habdank. Erstmals sind dort noch nie gezeigte Aquarelle zu sehen, die 1985 in Teneriffa entstanden sind. Im Zentrum des Schaffens von Habdank stand jedoch stets der Holzschnitt, mit seiner Bibelbebilderung erlangte der Künstler internationale Bekanntheit. Eine Besonderheit sind deshalb die originalen Holzdruckstöcke aus dem Nachlass, die jetzt erstmals in einer Ausstellung gezeigt werden. Ihre Tore stehen am 17. und 18. November, jeweils von 14 bis 21 Uhr offen.

Sophia Hößle hat ihre Insektenzeichnungen auf Zettelchen festgepinnt. "Übersehenes" heißt ihre Arbeit, die bei derJahresausstellung des Kulturvereins im Marstallin Berg zu sehen ist.

(Foto: Arlet Ulfers)

Auch die Künstler im "Aukio" präsentieren an diesem Wochenende wieder einmal ihr Schaffen und ihre Ateliers im ehemaligen Warnamt X mitten im Kerschlacher Forst, einem Relikt des Kalten Krieges. Seit 2007 schon existiert die Künstlerkolonie an diesem einst streng geheimen und immer noch sehr abgelegenen Ort. Das Jahr über schätzen die derzeit 23 aktiven Aukio-Mitglieder die Ruhe zum Arbeiten, in regelmäßigen Abständen aber stellen sie ihre Werke aus den Bereichen Malerei und Zeichnung, Fotografie, Grafik, Bronzeguss, Bildhauerei, Installation und Objektkunst vor. Als zusätzliches Highlight ist diesmal eine private Sammlung von afrikanischen Skulpturen angekündigt, die im Gelände "inszeniert" wird. Spannend dürfte es aber auch werden, wenn die Künstler sich am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag um 16 Uhr im "Casino" versammeln und gemeinsam als sogenanntes "Action Painting mit Musik" malen. Auch an Besucher werden dann Pinsel zum Mitmachen verteilt. Die Ausstellung ist Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Nicht mitmachen, sondern nur schauen kann man in der aktuellen Ausstellung im "Temporären Kunstsalon 5" in der Starnberger Josef-Jägerhuber-Straße 5. Dort zeigen Beate Holl, Thomas Lassen und Heiko von Tippelskirch unter dem Titel "inszeniert, vielfältig, pur" ihre Fotoarbeiten. Alle drei sind Mitglieder des von Marlen Peix gegründeten Vereins "Die Fotowilden". Während sich Thomas Lassen ganz der "puren" Schwarz-Weiß-Fotografie verschrieben hat, nutzt der ehemalige Werbefotograf Heiko von Tippelskirch auch die digitalen Möglichkeiten, um seine Bildgeschichten zu inszenieren. Beate Holl, einst leidenschaftliche Hobbyfotografin, jetzt Profi, zeigt wiederum einen möglichst "vielfältigen" Querschnitt ihrer Arbeit. Die Exponate sind am 17. und 18. November jeweils von 17 bis 20 Uhr zu sehen.

© SZ vom 17.11.2018
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