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Kunst:Die Schöne geht auf Reisen

Ignaz Günthers "Heilige aus Starnberg" gilt als Prunkstück der Rokoko-Ausstellung in der Münchner Hypokulturhalle

Schaumstoff um den edlen Korpus, Styropor zum Wärmen im Gepäck - so reiste am Montag die wertvollste Dame vom Museum Starnberger See nach München. "Die Heilige aus Starnberg", ein Prunkstück des berühmten bayerischen Bildhauers Ignaz Günther, wird Blickfang in einer einmaligen Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle. "Mit Leib und Seele - Münchner Rokoko von Asam bis Günther" zeigt vom 12. Dezember an 160 Meisterwerke der Epoche, erstmals zusammengetragen aus Kirchen, Schlössern und Museen aus ganz Deutschland. Die beinahe lebensgroße Schöne aus Starnberg, deren genaue Herkunft bis heute mysteriös ist, betteten Spediteure in weißen Baumwollhandschuhen mit größter Vorsicht in ihre Transportkiste. Kein Wunder. Ist doch die edle Holzfigur für 2,5 Millionen Euro versichert.

So bedeutungsvoll ist "Die Heilige aus Starnberg", weil Ignaz Günther die Frauenfigur mit dem graziös geschwungenen Bein und dem virtuosen Faltenschlag ausnahmsweise selbst handsigniert und mit der Jahreszahl 1755 versehen hat. Bis sie einen prominenten Platz als zentrales Ausstellungsstück im Figurenkabinett des Museum Starnberger See einnehmen konnte, fristete sie allerdings ein kärgliches Dasein: unter einem Treppenabsatz in einem Bauernhof in Harkirchen bei Berg. Dort, so Museumsleiterin Sibylle Küttner, entdeckte sie der fahrende Landarzt Dr. Martin Penzl und konnte sie als Schenkung entgegennehmen. Zur Eröffnung des Heimatmuseums 1914 gehörte die Heilige von Ignaz Günther bereits zu den bewunderten Ausstellungsstücken. Ob sie sich vorher in einer Kirche befand - eventuell in Aufkirchen - und dort vielleicht auf einem Podest saß ist ebenso unbekannt wie die Heiligengestalt, die sie darstellen soll. "Sie wird Maria Magdalena zugeschrieben, wegen ihrer Eleganz und Schönheit", sagt Küttner mit Blick auf das feine Gesicht der Holzskulptur.

Ignaz Günther-Figur wird verpackt

Adieu: Maria Magdalena von Ignaz Günther aus dem Museum Starnberger See wird verpackt. Die Restauratorin Heidi Weinbeck schaut genau hin.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Während die Schöne von zwei Fachmännern der Kunstspedition Hasenkamp behutsam auf einen Wagen gehoben und per Lift im Museum ans Tageslicht befördert wurde, behielt Restauratorin Heidi Weinbeck den Kunstschatz fest im Blick. Sie hatte die Figur zuvor gereinigt, blau-graue Farbschollen auf dem Gewand gefestigt und Schäden dokumentiert wie die fehlenden Arme und Risse im Holz. Sie hat auch herausgefunden, dass die Farben teilweise schon in früherer Zeit überarbeitet worden sind. Etwa das goldene Mieder der Heiligen mit eingravierten Ornamenten auf einem Kreidegrund. Darunter fand sich oxidiertes Silber. Näheres über die Urfassung will man nach dem Ende der Ausstellung - sie läuft bis 12. April 2015 - herausfinden. Die Heilige soll dann in der Landeshauptstadt eingehend untersucht werden, ohne dass man die jetzige Figur verändern will. Solange die Günther-Plastik in München weilt, wird ein Abbild ihren leeren Platz im Museum Starnberger See zieren.

Die Ausstellung "Mit Leib und Seele" demonstriert, wie sich mit dem Münchner Rokoko im 18. Jahrhundert eine einmalige Blüte bayerischer Kunst entfaltet hat, die auch in internationaler Perspektive beispiellos ist. "In den Kunstwerken trifft heiliger Ernst auf irdische, spielerische Leichtigkeit", heißt es in der Ankündigung. Realisiert wird die Schau mit dem Diözesanmuseum Freising. Erstmals seit 30 Jahren werden zahlreiche herausragende Künstler des Rokoko präsentiert, die zwischen 1720 und 1770 in München ansässig waren. Gezeigt werden neben Holzskulpturen auch Bildwerke aus Stuck, Ton, Porzellan und Silber, aber auch Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik.

© SZ vom 02.12.2014

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