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Kunst-Aktion:Die Turbo-Künstler von Andechs

Drei Bildhauer müssen innerhalb von nur einer Woche ein Werk zum Thema Bier kreieren. Eine echte Herausforderung

Ausnahmsweise riecht es nicht nach Maische. Sondern es ist ein ganz anderer Duft, der die Besucher bereits am Parkplatz des Klosters Andechs empfängt: Es ist der Geruch von Holz. Genauer gesagt von Baumstämmen, die zersägt werden. Der Eindruck täuscht nicht. Auf der Maibaumwiese unterhalb des Klosters haben sich drei Künstler eingefunden, die innerhalb von nur einer Woche ein Kunstwerk zum Thema Bier schaffen müssen.

Das Symposium "Kunst und Bier" findet bereits zum 13. Mal am Heiligen Berg statt - und hat sich mittlerweile internationales Renommee erworben. Gleich doppelt so viele Künstler als im Jahr zuvor haben sich heuer an der öffentlichen Ausschreibung beteiligt. Aus insgesamt 42 Bewerbungen musste die Jury im März die geeigneten Kandidaten finden: Die Entscheidung fiel auf Siegfried Kober, Christian Schafflhuber und Ortrud Sturm. Einfach sei so eine Auswahl aber nicht zu treffen, sagt der Holzbildhauer Hubert Huber von der Georg-Zentgraf-Stiftung, die das Symposium zusammen mit dem Kloster und der Gemeinde Andechs veranstaltet. Denn dabei müssen die Jurymitglieder - in diesem Jahr waren es 15 Vertreter aus der Kunst, aus dem Kloster, aus dem Brauwesen und der Verwaltung - genau prüfen, ob die Ideen, mit denen sich die Künstler bewerben, in einer Woche umzusetzen sind und ob die Materialien, die sie dafür einsetzen wollen, auch für den Außenbereich geeignet sind. Denn die Kunstwerke, so ist es Usus, müssen mindestens drei Jahre im Skulpturenpark auf der Maibaumwiese unterhalb des Klosters verbleiben. Installationen oder Gemälde beispielsweise sind dafür weniger geeignet. In all der Zeit bleibt das Kunstwerk im Eigentum des Künstlers, aber erst nach drei Jahren darf er es wieder abholen, anderen Ausstellungen zur Verfügung stellen oder es auch verkaufen - sofern er dies denn überhaupt will. Denn ein Publikum in einer derartigen Größenordnung wie in Andechs ist in normalen Ausstellungen wohl eher nicht zu erreichen: Knapp eine Million Menschen pilgern jährlich auf den Heiligen Berg, immer vorbei an den Werken, die im Rahmen des Symposiums entstanden sind.

Andechs Kloster, Bier- Festival

Sein bevorzugtes Material ist Stein: Christian Schafflhuber will aus dem groben Kalkstein-Klotz eine ganz besondere Breze meißeln.

(Foto: Georgine Treybal)

Viele davon, so erzählt auch der Pressesprecher des Klosters, Marin Glaab, unternähmen allerlei Verrenkungen, um sich samt Kloster und Kunstwerk auf ein Foto zu bannen. Dadurch entstünden auch wieder neue Kontakte, weil die Menschen miteinander ins Gespräch kämen. Auch für die Künstler ist dies eine Gelegenheit, sich zu vernetzen: "Die meisten, die hierher kommen, kennen sich noch nicht", erzählt Organisator Huber. Doch mit dem Symposium entstünden Bekanntschaften, die Künstler informierten sich dann immer wieder gegenseitig über andere Symposien oder auch über Ausstellungen, die es lohne zu besuchen oder selbst mitzuwirken. Diese Mundpropaganda habe auch dazu beigetragen, dass "Kunst und Bier" in Andechs so berühmt geworden sei, meint er. Aber auch einschlägige Internetportale, die die Ausschreibungen heutzutage veröffentlichten, seien maßgeblich für den Andrang der Bewerber verantwortlich.

Die Teilnehmer des Symposiums

Noch bis 25. August sind sie zu Gast im Kloster, die Künstler des diesjährigen Symposiums "Kunst und Bier". Sie schlafen dort, sie essen dort, sie können sich die Brauerei ansehen, am klösterlichen Leben teilnehmen oder auch mit dem Abt Johannes Eckert über die drängenden Fragen der Zeit diskutieren: Siegfried Kober, Christian Schafflhuber und Ortrud Sturm.

Kober, 1951 in Hannover geboren, ist Bildhauer und hat ein Studium der visuellen Kommunikation absolviert. Er hat diverse Preise gewonnen, so den für "Kunst am Bau" zum Beispiel. Kober arbeitete bei mehreren Bühnenbildern an der Schauburg Berlin und will nun in Andechs eine etwa drei Meter hohe Holzskulptur unter dem Motto "Begegnung" schaffen. Sie soll aus zwei Stelen bestehen, die das Aufeinandertreffen von Menschen im Biergarten symbolisieren sollen.

Ortrud Sturm aus Rödermark ist 1959 geboren und Holzbildhauerin. Auch sie hat ebenfalls mehrere Auszeichnungen bekommen, wie für ihre Werke im Skulpturenpark Mörfelden oder für ihre Arbeit bei einem Symposium in Bad Goisern/Österreich. Sie wird diesmal aus einem 2,20 Meter langen Holzstamm Würfel sägen, die scheinbar locker aufeinander geschichtet sind. Diese Würfel sind molekularartig in kleinen Gruppen formiert und lösen sich von unten nach oben auf "wie Perlen im Bierglas", so die Künstlerin.

Nicht mit Holz, dafür mit Untersberger Marmor (der in der Nähe von Salzburg gewonnen wird) arbeitet Christian Schafflhuber aus Osterhofen. Er ist Steinbildhauer und hat als Restaurator in Berlin gearbeitet. Seine Werke waren bereits auf vielen Ausstellungen und Symposien - auch in Italien - zu sehen. In Andechs wird er eine Breze aus dem Kalkstein schlagen. Das Kunstwerk wird dafür wie ein "B" aufrecht aufgesockelt. Die Begründung, warum er sich dafür entschieden hat, ist nachvollziehbar. Zum Bier gehöre eine Brotzeit "und wenn's nur eine Brezn ist", so Schafflhuber, "nicht nur für den Bildhauer." abec

Aber da ist auch noch etwas anderes: das Thema des Symposiums selbst. Es dürfte kaum etwas Vergleichbares geben - auch weil die Künstler vor einer großen Herausforderung stehen: in der Lage zu sein, eben binnen kürzester Zeit ihr Werk fertigstellen zu können und trotzdem noch ein paar Stunden Zeit für Kinder aufzubringen. Denn darauf hatte Abt Johannes Eckert bei seinem Amtsantritt vor mittlerweile zwölf Jahren bestanden, das Symposium für sie zu öffnen. Seither können Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren im Rahmen des Ferienprogramms alljährlich drei Stunden lang den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen und selbst unter deren Anleitung kleine Kunstwerke schaffen. In diesem Jahr wurde der Termin dafür auf Donnerstag, 20. August, zwischen neun und zwölf Uhr festgelegt.

© SZ vom 20.08.2015
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