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Krailling:Weniger Geld für die Vereine

Die Einnahmen sinken, die Ausgaben bleiben hoch: Die Gemeinde muss Rücklagen anzapfen und Zuschüsse kürzen. Für die Sanierung oder den Neubau der Grundschule fehlt momentan das Geld

Von Carolin Fries, Krailling

Die Gemeinde Krailling wird in diesem Jahr das Sparkonto leerräumen müssen, um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Von den knapp sechseinhalb Millionen Euro Rücklagen sollen zum Jahresende nur noch etwa 420 000 Euro übrig sein. Der Grund sind nicht etwa teure Investitionen oder Anschaffungen. Die Kommune rechnet vielmehr mit deutlich weniger Einnahmen bei gleichbleibend hohen Ausgaben. Sowohl bei der Gewerbesteuer als auch bei der Einkommensteuer, den Haupteinnahmequellen der Gemeinde, geht Kämmerer Michael Aßmus pandemiebedingt von einem Einbruch aus. Erst 2024 sollen wieder knapp 4,4 Millionen Euro Reserve bereit stehen.

Die Zeiten, als die Gewerbesteuer der Gemeinde noch 15 Millionen Euro in die Kasse spülte wie 2017, mögen dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung wie ein Traumgespinst erschienen sein. Für dieses Jahr rechnet die Finanzverwaltung mitspärlichen vier Millionen Euro aus der Gewerbesteuer und 6,7 Millionen Euro aus der Einkommensteuer. Unterm Strich reduzieren sich damit die zu erwartenden Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Millionen Euro. Auch mit den Einnahmen aus Zuschüssen und Zuweisungen reicht das Geld nicht, um die gemeindlichen Aufgaben zu finanzieren. Allein an Kreisumlage wird die Gemeinde knapp sechs Millionen Euro zahlen müssen, weitere Millionen verschlingt der zweite Bauabschnitt der Ortsmitte. Wie bereits im vergangenen Jahr ist deshalb ein Zugriff auf das Vermögen der Gemeinde nötig, heuer sogar in deutlich größerem Umfang. Dies solle aber keine Routine werden, sondern "eher einen Ausnahmefall darstellen", betonte Aßmus. Grundsätzlich müsse die Gemeinde so wirtschaften, dass Überschüsse in den Vermögenshaushalt überführt werden können, mahnte er.

Es bleibt deshalb bei dem harten Sparkurs, den sich Krailling bereits im vergangenen Jahr verordnet hat. Dieser trifft in diesem Jahr pauschal auch die Vereine. Deren beantragte Zuschüsse wurden generell um 20 Prozent gekürzt. Ausgenommen ist alleine die Musikschule Planegg, für die 170 000 Euro im Haushaltsplan stehen. Aus Sicht von Kämmerer Aßmus sind diese Sparpotenziale nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Allein mit Einsparungen lassen sich die erforderlichen Millionenbeträge nicht erwirtschaften", die für die Finanzierung anstehender Pflichtaufgaben erforderlich seien wie etwa die Sanierung oder einen Neubau der Grundschule sowie den Ausbau der Kinderbetreuung. Aßmus schlug deshalb in seinem Ausblick auf die kommenden Jahre den Verkauf von Liegenschaften und eine Anpassung der Grundsteuer B vor. Auch die Bereithaltung von Sozialwohnungen sei eine freiwillige und defizitäre Leistung der Gemeinde, sozial Bedürftige würden über die Mitgliedschaft der Gemeinde im Verband Wohnen versorgt.

Rudolf Heidrich (FBK) hätte gerne noch in diesem Jahr weitere Einsparungen getroffen. Er stimmte als einziger Gemeinderat gegen die Haushalts- und Finanzplanung. "Wir müssen auch die heiligen Kühe anfassen", sagte er und sprach das Defizit der Gemeindebücherei von 335 000 Euro an. "Die Gemeinde hat kein Geld für solche Wohltätigkeiten", so Heidrich, der höhere Gebühren vorschlug. "Das ist dem Bürger durchaus vermittelbar."

Ob Krailling Schulden aufnehmen wird, wird sich erst zum Jahresende entscheiden. Dann seien womöglich Grundstückseinkäufe möglich, weshalb "vorsorglich" insgesamt 3,6 Millionen Euro Kreditaufnahmen eingeplant seien, so Aßmus. Ob es zu den Käufen kommt, hänge nicht alleine vom Willen der Gemeinde ab, sondern auch von den Entscheidungen Dritter, sagte er. Die Verschuldung sei verträglich und liege gemessen an der Einwohnerzahl unter dem landesweiten Durchschnitt. Aktuell ist Krailling schuldenfrei. Der Plan sei es, die erworbenen Flächen bis spätestens 2024 wieder zu veräußern.

© SZ vom 01.02.2021
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