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Kommunalwahl in Berg:Der Ketten-Coup

Berg: Rupert Monn mit der neuen Bürgermeisterkette

Offiziell tragen wird er sie zwar nicht mehr, aber stolz ist er schon auf die neue Berger Amtskette.

(Foto: Nila Thiel)

Der scheidende Bürgermeister Rupert Monn lässt in aller Stille für seine Nachfolger eine Amtskette fertigen

Von Sabine Bader

Mit einem Coup wird Rupert Monn an diesem Dienstag seine 20-jährige Amtszeit als Berger Bürgermeister auch symbolisch beschließen: Er hat für seine Nachfolger eine Amtskette fertigen lassen - ohne dies an die große Glocke zu hängen und ohne dafür einen einzigen Euro an Steuergeld zu verwenden. Die Kette ist komplett über Spenden finanziert.

Berg war bis dato die einzige Gemeinde im Landkreis Starnberg, in der der Bürgermeister bei offiziellen Anlässen nicht protokollgerecht behangen war. Dass sich Monn in den vergangenen Jahrzehnten nur mit seiner Trachtenjoppe begnügen musste, hat ihm herzlich wenig ausgemacht. "Es war mit nicht wichtig, dass ich noch die Amtskette tragen kann", sagt er zur SZ. Wichtig sei ihm viel, seinen Nachfolgern im Rathaus eine Kette zu hinterlassen.

Das wird Monn am diesem Dienstag in der konstituierenden Sitzung des neuen Berger Gemeinderats tun. An der Sitzung wird er nicht mehr als Bürgermeister, sondern als Zuhörer teilnehmen und plant, die neue Amtskette seinem Nachfolger Rupert Steigenberger umzuhängen, bevor dieser vom ältesten Mitglied des neuen Gremiums, dem 82-jährigen Biolandwirt Stefan Mair aus Farchach, vereidigt wird.

Eigentlich war geplant gewesen, dass Monn selbst die Kette das erste und zugleich letzte Mal bei der Verabschiedung des alten Gremiums tragen und die Gemeinderäte damit überraschen wird. Doch diesem Plan hat die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn die offizielle Verabschiedung ist auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Also musste auch Monn in Sachen Ketten-Coup umdisponieren.

Amtsketten stammen vermutlich aus dem auslaufenden 18. Jahrhundert mit seiner Begeisterung für das Mittelalter. Sie sind Insignien der kommunalen Selbstverwaltung. Für die gewählten Volksvertreter sind sie das, was Krone und Bischofsstab für weltliche Herrscher und hohe kirchliche Würdenträger sind. Natürlich tragen die Rathauschefs ihre Amtsketten nur zu besonderen Anlässen, wie Vereidigungen, Trauungen, Beerdigungen von Amtskollegen und Ehrungen verdienter Bürger oder wenn sich ein Gemeindebürger oder ein hoher Gast ins Goldene Buch der Kommune einträgt. "Es gibt einfach verschiedene Anlässe, bei denen der Bürgermeister repräsentieren muss und mit der Amtskette seinem Gegenüber Respekt und Wertschätzung zollt", sagt Monn.

Er hat sich lange überlegt, wie die Amtskette die 8000-Einwohner-Gemeinde optisch am besten repräsentieren könnte. Das Ergebnis: Vier Kirchen der vier Gemarkungen - Berg, Kempfenhausen, Bachhausen und Höhenrain - ließ er von Hand auf vier Medaillons malen und in Emaille brennen. Für den Ortsteil Berg ist dies die Votivkapelle, für Kempfenhausen die Schlosskapelle, in der Gemarkung Bachhausen die Farchacher Nikolauskirche und die Herz-Jesu-Kirche für Höhenrain. Das Bayerische Rautenwappen und das Wappen der Gemeinde Berg nehmen vorne den zentralen Platz der Kette ein, während die bemalten Medaillons die Seiten zieren.

Amtsketten sind nur ganz selten aus reinem Gold. Oft sind sie aus vergoldetem Silber, aus Silber oder gar nur aus Stahl. Die Berger Kette ist aus Sterlingsilber und trägt vergoldete Applikationen. Gefertigt hat sie der Münchner Juwelier Friedrich. Insgesamt hat sie 14 000 Euro gekostet. Finanziert wurde sie von drei Spendern aus der Gemeinde.

Fertig ist die Berger Amtskette übrigens schon seit einem Jahr. Die vergangenen Monate hat sie gut unter Verschluss gehalten im Tresor des Berger Rathauses zugebracht.

© SZ vom 05.05.2020

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