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Kommentar:Die Verkehrswende muss weh tun

Ein Radschnellweg zwischen Planegg und Starnberg könnte eine echte Alternative zur Autofahrt bieten

Von Michael Berzl

In 40 Minuten mit dem Fahrrad von Planegg nach Starnberg, mit Hilfe eines kleinen Elektromotors vielleicht sogar noch ein wenig schneller, und das auf einem durchgehend asphaltierten Weg durch schöne Landschaft. Ohne Stau am Hauptplatz in Gauting, vorbei am Gedränge am Tutzinger-Hof-Platz in Starnberg: Das könnte eine echte Alternative sein zum Auto.

Allerdings hat so ein Radschnellweg auch seinen Preis. Von den 19 Millionen Euro Kosten, die für Planung, Grundstückskäufe, Markierungen und Umbauten angesetzt sind, müsste der Landkreis etwa ein Viertel übernehmen.

Platz für Radler zu schaffen, wird außerdem Opfer von den Autofahrer verlangen, da die Route aus gutem Grund nicht irgendwo in der freien Landschaft geplant ist, sondern zum Teil innerorts auf Straßen angelegt werden soll. Auf der gesamten Strecke müssten daher etwa 1000 Parkplätze weichen, wie in der Debatte im Mobilitätsausschuss zu hören war. Da werden Flächen neu verteilt, was durchaus in einigen Fällen zu Protesten führen dürfte. Die Verkehrsingenieurin aus Köln, die den Kreisräten die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorgestellt hat, sprach in dem Zusammenhang von "politischen Kosten".

Bisher wird auch im Landkreis immer mehr Platz für Autos geschaffen; zuletzt auf der fünf Kilometer langen Gilchinger Westumgehung mit Kosten von 22 Millionen Euro und zweifelhaftem Nutzen. Die Verkehrswende ernst zu nehmen, bedeutet aber, die Richtung zu ändern: weg vom Auto, hin zu anderen, umweltverträglicheren und gesünderen Verkehrsmitteln wie eben dem Fahrrad. Das wird an einigen Stellen schmerzhaft, wenn dem bisher dominanten Verkehrsmittel Platz weggenommen wird.

© SZ vom 26.11.2020
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