Kaiserin-Elisabeth-Museum Experimentelle Archäologie

Auf dem Nachbau eines historischen Quer-Spinetts begeisterte Cembalistin Varvara Manukyan das Publikum bei der Konzertpremiere im Königssaal.

(Foto: Nila Thiel)

Erstmals findet im Königssalon ein Konzert statt. Varvara Manukyan spielt Mozart und Haydn auf dem Spinett

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Zum Auftakt gab es Ignaz Pleyel, dann Mozart und Haydn. Das Besondere an dem Konzert am Donnerstag im Bahnhof Possenhofen war jedoch nicht das Programm, sondern das Instrument, auf dem es präsentiert wurde, sowie der höchst präsentable Rahmen des Aufführungsortes: Zum ersten Mal in der Geschichte des Kaiserin-Elisabeth-Museums fand im Königssalon im Bahnhof Possenhofen ein Konzert statt. Nicht nur die Besucher waren begeistert vom hohen Niveau, das die Cembalistin Varvara Manukyan auf dem Quer-Spinett bot. Das breite Spektrum an musikalischen Emotionen im historischen Ambiente hätte sicherlich auch der österreichischen Kaiserin gefallen, die den reich verzierten Königssalon genutzt hat, wenn sie ihren Eltern im Schloss Possenhofen einen Besuch abstattete.

Es sei eine spontane Idee gewesen, die Museumsräume für eine musikalische Veranstaltung zu öffnen, sagte Museumschefin Rosemarie Mann-Stein. Sie habe Varvara Manukyan auf einem Konzert getroffen und zunächst Reiseerinnerungen über Armenien, dem Heimatland der Künstlerin, ausgetauscht. Als das Gespräch auf das Kaiserin Elisabeth Museum gekommen sei, habe die Cembalistin die historischen Räume sehen wollen, und "schon drei Tage später war sie da", erinnerte sich Mann-Stein. Von dem Königssalon, der ursprünglich mit Seidentapeten in Königsblau und Gold ausgestattet war, die später von der Bahn durch grüne Papiertapeten ersetzt wurden, war die Künstlerin begeistert. Spontan habe sie vorgeschlagen dort aufzutreten. Schon die Ankündigung des Konzerts stieß auf großes Interesse: Die etwa 40 Plätze waren schon lange vor dem Aufführungstermin vergeben.

Auch wenn der Bahnhof erst etwa 100 Jahre später gebaut worden ist als das Querspinett von Johann Heinrich Silbermann aus dem Jahr 1767, fügte sich das Instrument bestens in die denkmalgeschützten Räumlichkeiten ein. Varvara Manukyan ist spezialisiert auf historische Tasteninstrumente. Sie präsentierte sich unverbraucht, voller Lebensfreude und mit natürlichem Charme. Wie sie erklärte, sind die Sonaten von Mozart und Haydn meistens auf einem Steinway-Flügel zu hören, den es zur damaligen Zeit aber noch gar nicht gab. Klangtechnisch entsprachen die virtuosen und ergreifenden Darbietungen auf dem Spinett wohl eher den Vorstellungen der Komponisten und waren ein ganz besonderer Hörgenuss für die Besucher.

Das kontrastreiche, fein gezeichnete Spiel der Künstlerin zeugte von großem Können. Denn im Gegensatz zu einem Klavier ist bei einem Spinett keine Lautstärkenänderung möglich, wie Helmut Balk vom Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde erläuterte. In dem Institut wurde der Nachbau des Originalinstruments hergestellt. "Wenn wir das Instrument im Museum hören, wissen wir nicht, ob es so klingt, wie vor 300 Jahren oder nur so, wie es sich der Restaurator vorgestellt hat", erklärte Balk, der die wissenschaftliche Rekonstruktion des historischen Instruments als "experimentelle Archäologie" bezeichnete.

Anke Hondelmann hatte das Instrument im Rahmen ihrer Gesellenprüfung nachgebaut. Erst kurz vor der Veranstaltung war es fertig geworden, der Notenständer sogar erst am Vortag. Das Können der 23-Jährigen wurde während des Konzerts benötigt: Als ein so genannter Springer ausfiel, holte sie ihr Werkzeug heraus, reparierte das Teil und das Konzert konnte schon nach wenigen Minuten fortgesetzt werden. Am Ende gab es tosenden Applaus, zumal die Künstlerin ankündigte, sie könne sich vorstellen nächstes Jahr wiederzukommen.