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Hilfe aus Herrsching:Die Pandemie trifft die Ärmsten

Der Verein "Promoting Africa" sorgt sich um die Familien in den Slums von Nairobi, die keinerlei Einkommen mehr haben. In der geschlossenen Berufsschule nähen Mitarbeiter Gesichtsmasken.

Von Manuela Warkocz

Die Eltern haben keine Gelegenheitsjobs mehr, Kinder nichts zu essen - der Herrschinger Verein "Promoting Africa" sorgt sich um die Familien, die in den Slums von Nairobi derzeit besonders unter der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen leiden. Die Spenden der Paten für das Child-Support-Programm werden jetzt zum Teil für Guthaben in einem Laden eingesetzt, in dem sich Betroffene mit Lebensmitteln und Hygieneartikel versorgen können, berichtet Susanna Kiehling, die Vorsitzende von Promoting Africa. Schutzmasken sollen an Nähmaschinen des Vereins genäht und außerdem Seifen hergestellt werden.

"Natürlich ist uns bewusst, dass es aktuell auch vielen Leuten in Deutschland nicht gut geht", räumt Kiehling ein. Doch fühlt man sich gerade jetzt verantwortlich für die Kinder und Jugendlichen, die der von der früheren Grünen-Politikerin Ruth Paulig gegründete Verein mit knapp hundert Mitgliedern und jährlich etwa 60 000 Euro Spendengeldern unterstützt. Denn die Corona-Pandemie hat jetzt auch Kenia fest im Griff. Zur Eindämmung hat die Regierung Einreisestopps verfügt, Versammlungsverbot und nächtliche Ausgangssperre verhängt sowie alle Bildungseinrichtungen geschlossen.

Herrsching Verein Protecting Africa

Im Skills Centre in Nairobi werden Schutzmasken für die Bevölkerung genäht.

(Foto: Privat)

Viele Bewohner der großen Städte fliehen aufs Land, so auch aus dem Großraum Nairobi, verbreiten so aber auch das Virus. In den Slums von Nairobi, in denen circa 60 Prozent der Bevölkerung auf zehn Prozent der städtischen Fläche leben, können die Menschen keinen Abstand halten oder sich regelmäßig die Hände waschen. Wie die Herrschinger von ihren Ansprechpartnern an Ort und Stelle erfahren, könnten die meisten ihren Jobs nicht mehr nachgehen, hätten damit kein Einkommen und könnten auch nicht von Rücklagen zehren, da sie schon immer von der Hand in den Mund hätten leben müssen. "So haben die Slumbewohner nicht nur Angst vor Ansteckung, sondern auch vor Hunger, Kriminalität und davor, im Krankheitsfall ohne medizinische Versorgung dazustehen", fasst Kiehling die existenzielle Bedrohung zusammen.

Kenia hat am 16. März alle Schulen geschlossen. Im April sind in dem ostafrikanischen Land an den Primary und Secondary Schools ohnehin vier Wochen Ferien. Ob die Schulen danach wieder öffnen, ist ungewiss. Zumachen musste auch die Berufsschule, die der Herrschinger Verein für Jugendliche aus den Slums betreibt. Ansprechpartner Jimmy Kilonzi habe alles versucht, dass es den Jugendlichen aus den Slums gestattet werde, im Skills Centre zu bleiben, so Kiehling. "Leider ohne Erfolg. Unsere Lehrer sind zum Teil aufs Land geflüchtet." Zudem war jeder Regierungsbezirk in Kenia angewiesen worden, jeweils 20 Internate zu identifizieren, die bei Bedarf als Not-Kliniken dienen könnten. Das Skills Centre des Vereins sei ganz aktuell auf die Liste des Regierungsbezirks Machakos aufgenommen worden.

Die Grünen-Politikerin Ruth Paulig gründete 2009 den Verein "Promoting Africa", der das Skills Centre betreibt

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Berufsschule solle nun so gut wie möglich zu einem Hilfszentrum umfunktioniert werden. Zunächst waren Pakete mit Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel ausgegeben worden. "Nachdem es in einem anderen Slum zu Unruhen bei der Ausgabe gekommen war, haben wir umgestellt. Jetzt können unsere Familien über ein Guthaben - kein Bargeld - direkt in einem kleinen Laden einkaufen", erläutert Kiehling das System. Im Skills Centre kümmerten sich noch zwei Mitarbeiter um den Gemüse- und Obstanbau und versorgten Hühner, Kaninchen und eine Muttersau. Die Ernte sowie Eier und Fleisch, das sonst in der Schulkantine verwendet werde, solle jetzt an die Bevölkerung verkauft werden.

Im Mobility Centre seien noch drei Mitarbeiter, die weiterhin Brot backten und ein Bistro betrieben. Außerdem gebe es dort sauberes Trinkwasser aus einem Brunnen, auch für die Bürger aus Malaa, dem Vorort von Nairobi, in dem die Berufsschule liegt. An drei Nähmaschinen sollen Mitarbeiter der Berufsschule Gesichtsschutzmasken nähen. Die Herstellung von Seife sei in Planung. Masken und Seife sollen zu erschwinglichen Preisen an die Bevölkerung verkauft werden.

Wer Näheres wissen oder "Promoting Africa" unterstützen will, kann sich an Susanna Kiehling wenden (08143/264482 oder pro-a@posteo.de).

© SZ vom 25.04.2020

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