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Wirtschaft:Bonbons aus einem Herrschinger Reihenhaus

Ralf Langner ist überzeugt, dass Grüntee Stress abbaut. Er selbst bevorzugt die japanische Teezeremonie mit kaltem Aufguss. Weil diese aber recht lange dauert, hat sich der Herrschinger nun auf die Herstellung von Teebonbons spezialisiert.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ralf Langner stellt seine Produkte aus dem Extrakt von grünem Tee und dem Zuckerersatz Erythrit her. Seine Kunden kommen aus Russland, den USA und halb Europa.

"Das ist so geheim, da waren noch nicht mal meine Freunde drin", sagt Ralf Langner. In der Tat müssen Besucher in seiner ganz normalen Wohnung in einem Reihenhaus in Herrsching bleiben, Zutritt zu seinem "Labor", wie er sagt, hatten bisher nur die Lebensmittelüberwachung und das Gewerbeamt. Immerhin dürfen Besucher die Erzeugnisse, die Langner hinter verschlossenen Türen fertigt, dann sehen - und auch kosten. Es sind Bonbons, deren Grundlage grüner Tee ist. Und die nicht vor allem aus Zucker bestehen, sondern aus Erythrit, einem Stoff, der unter anderem in Melonen, Weintrauben und Pflaumen vorkommt und immer häufiger als Zuckerersatz verwendet wird.

Wie kam der Herrschinger auf die Idee, Teebonbons aus Erythrit zu machen? Langner ist, das muss man wissen, passionierter Teetrinker, vor allem der grüne Tee schmeckt ihm nicht nur, er tut ihm auch gut, davon ist der 49-Jährige überzeugt. Grüner Tee, speziell zubereitet, hat auf Langner eine beruhigende Wirkung: "Man geht bei Stress nicht so schnell durch die Decke", sagt er.

Er bevorzugt die traditionelle japanische Teezeremonie mit dem kalten Aufguss, der Tee muss mindestens sechs Stunden lang ziehen. "Das konnte ich damals, als ich noch als selbständiger Webdesigner gearbeitet habe, gar nicht machen, weil es einfach zu lang gedauert hätte", erinnert sich Langner zurück. Und wenn er gerne eine Tasse Tee getrunken hätte, war nie einer fertig.

Vor fünf Jahren kam der "Nährstoffexperte", wie sich Langner selbst bezeichnet, dann auf die Idee, die ihn seitdem nicht mehr loslässt: Bonbons aus dem Extrakt von grünem Tee, der kalt gebraut und dem dann das Wasser entzogen wird, dazu das kalorienfreie Erythrit als Basisstoff, vielleicht noch ein paar Kräuter - das wäre eine immer verfügbare Alternative.

Und so machte sich der 49-Jährige ans Tüfteln, musste dabei Probleme lösen wie dieses: Erythrit rekristallisiert, wie es im Fachjargon heißt, was in der Praxis bedeutet, dass ein Bonbon nach einiger Zeit einfach zerbröseln würde. Deshalb hat Langner ein Verfahren entwickelt, um genau dieses Problem zu lösen. Geheim natürlich. Er hat es auch nicht patentieren lassen, denn da finden sich ganz schnell Nachahmer, in China oder sonstwo. Seit zwei Jahren ist Langner nun in die Produktion eingestiegen, zu diesem Zweck hat er die Teatech GmbH gegründet. Studiert hat Langner übrigens Ethnologie und Pharmakologie. "Normalerweise wird man damit Taxifahrer", sagt er und lacht. Nun, er hat es immerhin bis zum Bonbonfabrikanten geschafft.

"Fast jeden Tag bin ich mittlerweile in meinem Labor", sagt er. Mit einer Feinwaage wird dosiert, und am Ende des Herstellungsprozesses kommen 30 Bonbons in ein Tütchen. Sieben Euro kostet eine Packung. Inzwischen hat Langner auch verschiedene Geschmacksvarianten entwickelt, von Safran bis Melone. Verkauft werden die Teebonbons-A, so der Markenname seiner Produktlinie, über seine Internet-Seite www.teebonbon.com.

Es gibt sie nur in einem einzigen Geschäft zu kaufen: im "Süßen Eck" an der Mühlfelder Straße in Herrsching. Seine Nachbarn merken von der Produktion übrigens kaum etwas. Wachsen soll seine GmbH langsam, über das Internet hat er aber schon Kunden aus Russland, den USA und halb Europa.

Und Langner ist überzeugt, dass der Markt für Lebensmittel mit Erythrit noch wachsen wird. So steht vorsorglich gleich mal in Englisch auf der Verpackung: "German Hightech Tea Candy".